Auf diesen Moment hat Ingenieur Jack Tobler lange gewartet: Die Brücke am Wüeribach in Birmensdorf wird nach Monaten der Tüftelei endlich versetzt. Das Projekt liegt dem Ingenieur aus Oberengstringen besonders am Herzen. Im Büro und der Freizeit hat er immer wieder über die Umsetzung nachgedacht. Denn: Die alte Brücke wird nicht wie üblich abgerissen und neu gebaut. Vielmehr dient sie als Schalung für den neuen Übergang.

Brückenverschiebung in Birmensorf

Brückenverschiebung in Birmensorf

Die neue Brücke braucht es, da das Bachbett verbreitert wird. Der Kanton will damit sicherstellen, dass der Bach bei Hochwasser nicht mehr über die Ufer tritt. Deshalb wird das Bachbett abgesenkt und verbreitert. Diese Methode, auf der alten Brücke eine neue zu bauen, ist auch für den erfahrenen Ingenieur neu. Sie habe aber den Vorteil, dass keine Übergangsbrücke erstellt werden müsse, sagt er. Ausserdem konnte die Brücke während der ganzen Bauzeit von Anwohnern überquert werden.

Brückenverschiebung Birmensdorf

Brückenverschiebung Birmensdorf

Als der Kran seinen 17 Meter langen Arm ausfährt und die Brücke an den Trageseilen befestigt wird, hält Tobler für einen Moment die Luft an. Das Risiko, dass beim Wegheben der neuen Brücke Risse im Beton entstehen, ist nicht auszuschliessen. Tobler hat sich deshalb eine spezielle Konstruktion ausgedacht. Spenglerblech mit eingespritztem Schalungsöl soll ermöglichen, dass der Kran die Brücken sauber voneinander trennen kann.

In wenigen Sekunden wird sich zeigen, ob Tobler auch wirklich keinen Überlegungsfehler gemacht hat. Vorsichtig versucht der Kranführer, die erste Seite der neuen Brücke loszulösen. Und tatsächlich: Ohne grossen Widerstand hebt sich der erste Teil der Brücke ab. Toblers Anspannung legt sich allmählich, nun beginnt auch er wie die umherstehenden Zuschauer mit dem Fotografieren des Spektakels. Und als auch noch der Rest der Brücke reibungslos weggehoben werden kann, fällt dem Ingenieur definitiv ein Stein vom Herzen.

Studienkollegen sind angereist


Sogar zwei von Toblers Studienkollegen sind am Mittwochnachmittag extra nach Birmensdorf gekommen, um bei der Verschiebung der Brücke zuzusehen. Fritz Suter und Kurt Gutknecht treffen sich einmal im Monat mit Tobler zum gemeinsamen Austausch. Das Projekt am Wüeribach sei während der letzten Monate das Thema Nummer eins bei ihnen am Stammtisch gewesen, sagt Gutknecht. Es habe Tobler geholfen, sich mit Berufskollegen austauschen zu können. Dass nun alles geklappt hat, sei sehr erfreulich. «Jack hat wirklich an alles gedacht», so Gutknecht.

Auch Birgitta Baur, die direkt am Fusse der Brücke wohnt, ist erleichtert. Obwohl sie nicht viel Ahnung habe, wie eine solche Brückenverschiebung funktioniere, sei es eine spektakuläre Verschiebung gewesen. Von ihrem Balkon aus habe sie den besten Blick auf das Geschehen gehabt. Der Lärm sei dabei nie ein Problem gewesen. Im Gegenteil: Es sei wohl nun fast schon seltsam, wenn es wieder ruhiger werde, sagt sie.

Arbeiten dauern bis Mitte Juli


Bis Mitte Juli jedoch werden dieBauarbeiten sowieso noch andauern. Nun muss zuerst die alte Brücke abgebrochen werden, bevor die neue wieder an den ursprünglichen Standort versetzt und einbetoniert werden kann. Auch die Strasse am Wüeribach muss noch asphaltiert werden. Tobler ist zuversichtlich, dass alles im Zeitrahmen realisierbar ist. Er spricht bei diesem Projekt stets von einem «Leckerbissen». Deshalb, weil es alles andere als eine Routinearbeit gewesen sei, die Verschiebung der Brücke zu planen. Er liebe es, zu tüfteln und Neues zu kreieren. Erst am Mittwoch sei ihm noch eine Idee gekommen, die er nun unbedingt umsetzen müsse. Damit im Fall von Hochwasser das Geröll ohne Probleme passieren kann, wird Tobler nach der Versetzung Chromstahlanker anbringen. Diese werden durch das Fundament gebohrt und oben auf der Brücke angeschraubt. Der Anker funktioniert damit wie ein Dübel.

Gerne hätte Tobler all sein Wissen auch an die jüngere Generation weitergegeben. Deshalb hat er im Voraus die Sekundarschulklassen der Gemeinde eingeladen, bei der Brückenverschiebung dabei zu sein. Doch leider habe er von diesen nichts mehr gehört. Der Beruf des Ingenieurs sei vielen Jungen gar kein Begriff mehr, es fehle an Nachwuchs, so Tobler. Dabei sei es ein unglaubliches Gefühl, wenn ein Projekt fertiggestellt ist. «Es ist wunderschön, das Resultat zu sehen», sagt er und blickt stolz auf die neue Brücke.