Forschungsanstalt

WSL plant ein Pflanzenschutzlabor am Hauptsitz in Birmensdorf

Die eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) plant an ihrem Hauptsitz in Birmensdorf einen Erweiterungsneubau mit Laboranlagen und einem Gewächshaus.

Die eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) plant an ihrem Hauptsitz in Birmensdorf einen Erweiterungsneubau mit Laboranlagen und einem Gewächshaus. Dort sollen eingeschleppte Pflanzenschädlinge, die die Schweiz per Flugzeug oder auf dem Landweg erreichen, analysiert und Bekämpfungsstrategien ausgetüftelt werden. In der Schweiz gibt es solch ein nationales Pflanzenschutzlabor, das den neuen gesetzlichen Sicherheitsbestimmungen entspricht, bisher noch nicht.

Um die schädlichen Organsimen - das können Pilze, Bakterien, Viren oder Insekten sein - untersuchen zu können, müssen sie in die Forschungsanstalt geholt werden. Besteht da kein Sicherheitsrisiko, wenn im neuen Labor kreucht und fleucht, was draussen in der Natur grossen Schaden anrichten könnte?

Labor ist hermetisch abgeriegelt

«Für die umliegenden Gemeinden besteht keine Gefahr», wie Christoph Hegg, der als stellvertretender Direktor des WSL für das Neubauprojekt zuständig ist, erklärt. Im Labor und im Gewächshaus, wo neue Schädlinge unter kontrollierten Bedingungen auf hiesige Pflanzen losgelassen werden können, wird die gesamte ein- und austretende Luft gefiltert. So wird gewährleistet, dass noch nicht einmal das kleinste Staubkorn die Räume verlässt. Die Sicherheitsvorkehrungen richten sich nach der eidgenössischen Einschlussverordnung.

Im WSL-Labor wird zudem nur an Pflanzenschädlingen geforscht. Organismen, die für Tiere oder Menschen gefährlich werden könnten, werden im Labor für Humanpathogene in Spiez und im Labor für Tierpathogene in Mittelhäusern untersucht.

Das WSL plant das Pflanzenschutzlabor gemeinsam mit den Bundesämtern für Umwelt (BAFU) und Landwirtschaft (BLW). Kosten soll das Projekt rund 15 Millionen Franken, wovon 60 Prozent auf die WSL und 40 Prozent auf BAFU und BLW entfallen. Derselbe Kostenverteilschlüssel ist für die Betriebskosten vorgesehen. Mit der Planung und Ausführung wurde das Architektur- und Generalplanungsbüro Burkhart+Partner AG beauftragt.

Baubewilligung ist bereits erteilt

Die Planung ist bereits weit fortgeschritten. Die Gemeinde Uitikon, auf deren Grund das Labor stehen soll, hat der WSL letzte Woche die Baubewilligung erteilt. Bereits Mitte 2014 soll das Labor in Betrieb genommen werden, so Hegg. Gehen gegen den obligatorischen Umweltverträglichkeitsbericht keine Einsprachen mehr ein, wird die Bewilligung am 26. Mai rechtskräftig.

«Wir gehen davon aus, dass keine Einsprachen mehr auf uns zukommen und wir nach Ablauf der Frist sofort loslegen können», so Hegg. Der Bericht, der auch vom kantonalen Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft «sehr genau unter die Lupe genommen wurde», sei «absolut dicht» - genauso wie die Glasfassaden des hermetisch versiegelten Labors. Diese sollen selbst im Extremfall verhindern, dass die ungewollten Organismen nach draussen gelangen.

Im Labor werden die Schädlinge in drei verschiedenen Sicherheitsstufen untersucht. So werden sich die Forscher des WSL mit natürlich in der Schweiz verbreiteten Schädlingen bis unter Quarantäne gestellten Organismen, die hier noch nicht oder nur lokal vorhanden sind, beschäftigen.

Internationaler Austausch wichtig

Um Bekämpfungsmassnahmen zu entwickeln, ist auch der internationale Austausch von grosser Bedeutung. «Schädlinge machen keinen Halt vor Landesgrenzen, also sollte es auch die Forschung nicht machen», sagt Hegg. Denn die wenigsten Schädlinge breiten sich von der Schweiz her aus; ein Grossteil wandert über den Landweg ein. Und was bei uns eine neue Bedrohung darstellt, ist im Herkunftsland vielleicht bereits gebannt.

Schwieriger wird es, wenn ein Organismus erst unter den hiesigen ökologischen Bedingungen aufblüht. «Es kann sein, dass ein Schädling in seiner Heimat völlig unscheinbar ist, sich in hiesigen Verhältnissen aber rasant vermehrt», sagt Hegg.

Gerade auch für solche Fälle sei es wichtig, ein eigenes Schutzlabor im Lande zu haben. «Sonst müssten wir die Analyse- und Forschungsarbeit ins Ausland vergeben», so Hegg. Mit dem WSL-Labor würden so auch Arbeitsplätze gesichert und, je nach Auftragsmenge, temporäre geschaffen.

Nicht zuletzt bedeute das Projekt für die WSL eine Chance, sich wissenschaftlich zu profilieren, wie Hegg sagt: «Mit dem neuen Pflanzenschutzlabor können wir nicht nur unsere nationalen Aufgaben für den Waldschutz optimal wahrnehmen, sondern auch an der Spitze der internationalen Forschung bleiben.»

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