Ein bunter, multikultureller Mix aus Rap, Beatbox und Dancehall - So beschreibt Johannes Küng seine in Uganda entstandene Musik. Zusammen mit seinem Bandkollegen Jocelyn Daloz aus Wohlen reiste der Dietiker im August mit dem Ziel nach Uganda, gemeinsam mit Einheimischen Musik zu machen.

Sein Feuer für die Musik hat schon der Musikunterricht in der Primarschule entfacht. Danach spielte Küng Klavier, Gitarre, Schlagzeug und Bass. Seine Leidenschaft für Hip-Hop entstand erst mit der Zeit: Ursprünglich hörte der 22-Jährige vor allem Reggae und Ska. «Am Hip-Hop fasziniert mich, dass man damit sehr eingängig Geschichten übermitteln kann.» Diese Eigenschaft sei gerade für das Projekt in Uganda sehr hilfreich gewesen, sagt der Student der Luzerner Hochschule für Soziale Arbeit.

Vom Breakdance zum Projekt

Schon 2011 reiste Küng spontan nach Uganda. «Eine Bekannte arbeitete damals in einem Waisenhaus und fragte mich, ob ich dort ein Praktikum als Schreiner absolvieren möchte», sagt Küng. Bereits eine Woche später war er in Uganda. Weil er wusste, dass dieser Teil des Landes seit längerem stabil ist, habe er sich nie Sorgen über die Lage in Uganda gemacht. «Ich habe nie schlechte Erfahrungen gemacht - die Ugander sind sehr hilfsbereit», so Küng.

Eines Tages kam das lokal bekannte Breakdance Project Uganda im Waisenhaus vorbei, um die Kinder im Tanzen zu unterrichten. «Ich habe dort einfach mitgemacht, auch wenn ich überhaupt keinen Breakdance kann», sagt Küng lachend.

Nach seinem halbjährigen Aufenthalt kehrte er zurück in die Schweiz und hielt über Facebook Kontakt zu der Gruppe. Auf beiden Seiten entstanden Hip-Hop-Songs, die sie sich gegenseitig schickten. So entstand die Idee, in Uganda gemeinsam Musik zu machen. «Auch wenn wir die anderen kaum kannten, wollten Daloz und ich es unbedingt probieren», sagt Küng. So kam es, dass die beiden im August 2013 spontan nach Uganda flogen.

Das Album als Momentaufnahme

Im improvisierten Homestudio produzierten Küng und Daloz zusammen mit Jora Ssekitoleko, Moses Mukalazi, Taye Mugizi, Felix Lutakome und Oscar Kibuuka mehrere Hip-Hop-Songs. Sieben davon sind auf dem Album «Borda to Borda / D'une frontière a l'autre», was so viel heisst wie «von der einen Grenze zur anderen» vereint. «Dieser Titel sagt das aus, was wir in dieser Zeit gemacht haben: Über zwei Grenzen hinweg haben wir zusammen Musik gemacht», erklärt Küng. Das Album wird im November veröffentlicht.

«Man erkennt an der Vielfalt der Lieder, dass im Vorfeld kein Konzept für das Album existierte. Es ist eine Momentaufnahme, da die Lieder alle spontan entstanden», sagt Küng.

Jeden Abend traf sich die Gruppe im Studio, um neue Songs zu produzieren. Einige Mitglieder rappten in ihrer Muttersprache. So kam zum Englischen noch ein bunter Mix aus Französisch und Luganda dazu. Die Stimmung unter den Bandmitgliedern sei sehr angenehm gewesen: «Wir wollten nichts erzwingen, es sollte uns allen ja Spass machen. Wenn wir keine kreative Phase hatten, tranken wir auch einfach mal ein Bier und unterhielten uns», so Küng.

Das Anspruchsvollste war für ihn die Kommunikation untereinander: «Da Englisch für uns alle nicht unsere Muttersprache ist, redeten wir manchmal völlig aneinander vorbei.» Aber obwohl sie aus zwei verschiedenen Welten kommen, hätten sie sich sehr gut verstanden und in den Ugandern neue Freunde gefunden.

Gemeinsamkeiten betonen

Auch wenn die Lieder in ihrem Album alle sehr unterschiedlich sind: Ein gemeinsamer Konsens der Songs ist in den gerappten Themen zu finden: Oft geht es darin um den Traum vom berühmten Musiker. «Wenn man von Musik hört, die von Europäern und Afrikanern zusammen produziert wurde, erwartet man klischeehafte Themen wie Armut oder kulturelle Unterschiede», sagt Küng. Sie hätten in ihren Texten aber bewusst die Gemeinsamkeit zwischen ihnen gesucht: Den Traum, gemeinsam Musik zu machen und damit etwas erreichen zu können.

Das Projekt kam in Uganda gut an: Am Ende ihres Aufenthalts wurde ihre Musik im lokalen Radio gespielt. Ein einheimischer Fernsehsender strahlte sogar ein Musikvideo der Gruppe aus.

Ihre Einstellung motivierte

Der Monat war für Küng nicht nur in musikalischer Hinsicht ein Erfolg: «Mein Bild von Uganda hat sich in dieser Zeit verändert.» Im Waisenhaus sei er immer am selben Ort auf dem Land gewesen oder dann als Reisender in der Stadt. «Da kommt man nicht viel von der wirklichen Bevölkerung mit», sagt Küng. Jetzt im August habe er Tag und Nacht mit Einheimischen verbracht und habe so das urbane Uganda kennen gelernt. Die Bandkollegen teilten ausserdem dieselben Interessen wie die beiden Schweizer und seien der Meinung, dass sie alles erreichen können, was sie sich erträumen. «Das war für uns sehr motivierend.»

Die Gruppe hofft, dass irgendwann ein gemeinsames Konzert in der Schweiz stattfinden kann. Damit das möglich ist, suchen Küng und Daloz nun nach Organisationen, die sie für dieses Projekt unterstützen würden. Küng: «Das Projekt Uganda ist sicher noch lange nicht abgeschlossen.»

Die Plattentaufe des Albums «Borda to Borda / D'Une Frontière a l'autre» findet am 13. Dezember im Kappelerhof in Wohlen und am 14. Dezember in Kultur in der Kapelle in Dietikon statt.