Happige Worte: Die «Handelszeitung Online» wirft der Migros-Pensionskasse (MPK) in Zusammenhang mit einem Liegenschaftenverkauf «unseriöses Verhalten» und «Abzocke» vor. Anfang November veröffentlichte die Online-Ausgabe des Blatts einen ersten Artikel, am Dienstag nun einen zweiten. Hintergründe: Die MPK verkauft an der Schlierenstrasse in Uitikon-Waldegg zwanzig bisherige Mietwohnungen im Stockwerkeigentum. Die heutigen Bewohner haben ein Vorkaufsrecht.

Davon sollen die Mieter laut Artikel nicht Gebrauch gemacht haben. Der Vorwurf: Die MPK als Eigentümerin der Liegenschaft habe Investitionen verschlafen und wolle die Wohnungen in einem schlechten Zustand verkaufen. Zum Beispiel falle die Heizung öfters aus und ein Dach sei undicht. Es sei unseriös, Stockwerkeigentum zu verkaufen, bei dem Investitionen anstehen würden, schreibt die «Handelszeitung».

Dem widerspricht der Direktor des Hauseigentümerverbandes Zürich (HEV), Albert Leiser. «Solange der Käufer darauf hingewiesen wird, was an Investitionen ansteht, ist das in Ordnung», so Leiser. Eine Möglichkeit ist laut Leiser auch, dass die Verkäuferin einen Erneuerungsfonds zur Verfügung stellt. Die neuen Eigentümer können dann selber Entscheiden, welche Arbeiten sie an die Hand nehmen wollen und für welche Lösungen sie sich entscheiden.

Erneuerungsfonds als «Mitgift»

Genau das soll an der Schlierenstrasse geschehen, sagt Alex Schärer von der Migros-Pensionskasse: «Ein Erneuerungsfonds wird geäufnet. Wir bezahlen einen dem Alter der Bauten entsprechenden Betrag pro Wohnung ein, im üblichen bis sogar eher grosszügigen Rahmen.» Auf den Vorwurf der Handelszeitung, die Gebäude seien sanierungsbedürftig, entgegnet Schärer: «Die Liegenschaft ist dem Alter gemäss in einem guten Zustand», man habe die Wohnungen bewusst vor einer Sanierung verkaufen wollen, damit die neuen Eigentümer ihre eigenen Wünsche umsetzen könnten, besonders bei Nasszellen und Küchen. «Der Preis wurde entsprechend dem heutigen Zustand angesetzt», so Schärer.

Die Preise kritisiert der Autor des Handelszeitung-Artikels jedoch als zu hoch und vergleicht die MPK-Wohnungen mit einem Neubau im Quartier. Bloss erwähnt er dabei die Kosten nicht: Eine 122 Quadratmeter grosse Gartenwohnung trägt in der Neubausiedlung ein Preisschild mit 1,25 Millionen Franken. Die etwa gleich grosse Gartenwohnung in der MPK-Überbauung ist auf dem Immobilienportal Homegate mit 920000 Franken zum Verkauf ausgeschrieben. Macht einen Unterschied von 300000 Franken. Damit lässt sich eine knapp 30 Jahre alte Wohnung gut sanieren und neu ausstatten.

Auch, dass viele der Wohnungen derzeit vermietet sind, sieht Schärer nicht als Problem: «So kann bis zum Einzugstermin noch Mietertrag generiert werden», so der Leiter des Immobilienportfolio-Managements der MPK. Zudem seien ein paar der bisherigen Mieter am Kauf ihrer Wohnung interessiert.