Die in der vergangenen Woche erschienene Statistik zur Leerwohnungsziffer im Kanton Zürich hat gezeigt, dass leicht mehr Wohnungen unbewohnt sind als im letzten Jahr. Dass sich der Immobilienmarkt jedoch entspannt und der Wohnungsknappheit Einhalt gebietet, ist nicht absehbar. Denn die Wohnungen, die leer stehen, sind vermehrt teurere Neubauwohnungen. Beispielhaft dafür ist die Entwicklung im Escher-Wyss-Quartier. Dort wurden mit dem Toni Areal, dem Hardturm Park und City-West — um nur einige Beispiele zu nennen — Luxus-Überbauungen erstellt. Dass der Markt für teure Miet- und Eigentumswohnungen jedoch nicht unersättlich ist, zeigten die Zahlen des statistischen Amtes. So sprang die Leerwohnungsziffer im besagten Quartier von null Prozent im Jahr 2013 auf über 4 Prozent in diesem Jahr — der höchste Wert auf dem gesamten Stadtgebiet.

Auch Dietikon hat Luxusbauten

Ein Blick auf die Neubau-Projekte in der Region zeigt, dass auch hier einige Immobilien geplant oder im Bau sind, denen in Zukunft die Abnehmer fehlen könnten. Derzeit wird in Schlieren das Wohnhaus «Magnolia» mit 138 Eigentumswohnungen erstellt. Es bietet nach seiner Fertigstellung im Jahr 2016 rund 200 bis 250 Bewohnern ein neues Zuhause. Auf der Projekthomepage ist zu entnehmen, dass eine 5,5-Zimmer-Attikawohnung mit 150 Quadratmetern im obersten Geschoss 1,2 Millionen Franken kostet, was einen Quadratmeterpreis von 8000 Franken ausmacht. Bereits teurer wird in der Uitiker Überbauung «Twin», die ebenfalls im Jahr 2016 fertiggestellt sein soll. Laut Homegate.ch wechselt dort eine Garten-Maisonette-Wohnung mit 5,5 Zimmern und 160 Quadratmetern den Besitzer für 1,8 Millionen Franken — Quadratmeterpreis: 11 800 Franken. Richtig teuer wird es jedoch im Dietiker Quartier Limmatfeld, wo derzeit der Limmat Tower in die Höhe wächst. Wer hoch hinaus will, der muss zuerst tief in die Tasche greifen. So kostet eine der exklusiven Wohnungen im obersten Geschoss mit 144 Quadratmetern und 5,5 Zimmern 2,4 Millionen Franken. Dies ergibt einen Quadratmeterpreis von rund 16 700 Franken. In der Branche gibt es keine klare Definition für Wohnungen im Hochpreissegment. Kostet eine Immobilie über 2 Millionen Franken, könne sie jedoch als hochpreisig erachtet werden, heisst es von verschiedenen Seiten.
Der Preis für eine Dachwohnung im Limmat Tower bewegt sich auf einem ähnlichen Niveau wie diejenigen im Escher-Wyss-Quartier. So liegt der Quadratmeterpreis eines Appartements im Hardturm Park bei rund 17 700 Franken und im Mobimo Tower gar bei rund 22 000 Franken.

Es stellt sich die Frage, ob derart teure Wohnungen, die im hippen Zürcher Kreis 5 keine Abnehmer finden, in Dietikon eine Chance haben, an den Mann gebracht zu werden? Ede I. Andràskay, Geschäftsführer bei Halter Entwicklungen ist davon überzeugt. Halter baut den Limmat Tower und zeichnet für die Vermarktung der Schlieremer Überbauung «Magnolia» verantwortlich. Zwar relativiert Andràskay den Vergleich der Quadratmeterpreise, denn «im Limmat Tower wird den Käufern für diesen Preis mehr geboten. In keinem der Stadtzürcher Hochhäuser hat man beispielsweise eine Dachterrasse oder einen derart luxuriösen Innenausbau», sagt er. Zudem seien nur gerade zwei Wohnungen im dereinst höchsten Limmattaler Gebäude im Hochpreissegment, die Preise der restlichen würden sich im Mittelfeld bewegen. «Der durchschnittliche Quadratmeterpreis im Limmat Tower liegt bei moderaten 8600 Franken», sagt Andràskay.
Dass es seit einigen Jahren schwieriger geworden ist, Wohnungen im Stockwerkeigentum von über zwei Millionen Franken abzusetzen, sei jedoch ein offenes Geheimnis in der Branche. Bestes Beispiel dafür ist laut Andràskay die Vermarktung der Wohnungen in der «Magnolia». Dort seien bereits mehr als zwei Drittel verkauft oder reserviert. Die Leute wollen Stockwerkeigentum im mittleren Preissegment, sagt er.

Dass die zwei luxuriösen Appartements im Limmat Tower ebenfalls einen Käufer finden, davon ist Andràskay überzeugt. Trotzdem ist auch Halter mit dem Bau von teuren Eigentumswohnungen vorsichtiger geworden. «Derzeit sind keine weiteren Projekte im Bezirk Dietikon geplant», so Andràskay.

Mieter sind kritisch

Diese Vorsicht mag angebracht sein, denn dem Hochpreis-Segment im Dietiker Wohnungsmarkt wird keine grosse Zukunft prophezeit. So sieht es zumindest Manuela Schiller. Die Präsidentin des Mieterinnen- und Mieterverbands der Stadt Zürich — auch das Gebiet des Bezirks Dietikon gehört dazu — weiss, warum es Luxus-Objekte hier schwierig haben. «Dietikon ist nicht hip. Wer hierhin zieht, der tut dies eher, weil er oder sie in Zürich keine preisgünstige Wohnung findet.» Dass es sich nicht lohnt, im Bezirk Dietikon Luxus-Wohnungen zu erstellen, dem seien sich auch die Bauherren und Investoren sehr wohl bewusst, betont sie.