Die Anfahrt auf den Gutshof Sonnenberg erinnert an die Southfork Ranch in «Dallas›, der US-Serie aus den 1980er-Jahren: Links und rechts säumt die Strasse eine Weide mit Pferden, dann erscheint die prächtige Landvilla Sonnenberg in Unterengstringen. Elf Zimmer auf zwei Etagen, eine Wohnfläche von über 400 Quadratmetern inmitten eines schlossartigen Gartens mit eigenem Rebberg («für gemütliche Sommerfeste», wie es im Prospekt heisst). Das Beste: Die unverbaute Weitsicht vom urbanen Zürich bis hin zu den Glarner Alpen.

Der Landsitz aus dem 18. Jahrhundert liegt am Rande der Gemeinden Unter- und Oberengstringen, am nördlichen Hang des Limmattals, «auf der Sonnenseite», wie die jetzige Mieterin sagt. Über 20 Jahre wohnte sie hier, für einen monatlichen Preis von 11'500 Franken.

Laut der Maklerin H&B Real Estate AG ist der Sonnenberg ein Liebhaberobjekt, aber unverkäuflich. Laut Besitzer darf auch kein Swimming-Pool in den Garten gebaut werden. Die Suche nach einer neuen Residenz habe sich im Limmattal als «schwierig» erwiesen, sagt die jetzige Mieterin. Insgesamt besichtigen wir für die Reportage vier Villen, die nächste ist in Weiningen. «Weiningen?», meint die Mieterin auf dem Sonnenberg. «Zu schattig.»

Ein Haus als Statement

Es stellt sich bei der Besichtigung heraus, dass nicht der Schatten das primäre Problem des 10.5-Zimmer-Einfamilienhauses in Weiningen ist. Vielmehr liegt es an der hohen monatlichen Miete von über 9800 Franken beziehungsweise am stattlichen Verkaufspreis von 3.5 Millionen Franken. Zudem haben Baumängel das Haus in den vergangenen Jahren in Mitleidenschaft gezogen. Fehlende oder falsche Abdichtungen führten zu Schäden am Aussenverputz. Der vormalige Mieter, ein Expat, ist vor einem Jahr zurück in seine Heimat gereist, seither steht das Haus leer. «Schade um das tolle Objekt», meint Benjamin Stamm, diplomierter Immobilientreuhänder und Geschäftsführer der Omit Vermarktungs AG mit Sitz in Dietikon. Er hat sich dem «Problemkind» persönlich angenommen.

Die Aussicht über den Pool auf die nahe Pferderanch ist schön, auch die Raumaufteilung besticht durch vier halbgeschossige Stockwerke. «Doch wer ein Objekt in diesem Preissegment mietet oder kauft, will etwas Tadelloses.» Schliesslich sei ein solches Haus auch ein Statement gegenüber dem Umfeld, sprich den Freunden. Rund 300'000 Franken wären für eine Totalsanierung nötig, deshalb habe man das Objekt vorläufig wieder vom Markt genommen. «Voraussichtlich diesen Sommer findet eine Teilsanierung statt». Stamm beurteilt den Limmattaler Immobilienmarkt allgemein als attraktiv, deshalb sei die Omit auch seit 35 Jahren fest in der Region verankert. «Das Limmattal hat noch mehr Potenzial.»

Marmor aus Kroatien

«Ein Markt für Luxusimmobilien ist im Limmattal vorhanden, auch im Preissegment von über 2 Millionen Franken», ist Claudia Spalinger, Geschäftsführerin der Spalinger & Partner Immobilien AG, überzeugt. Derzeit vermarktet sie eine grosszügige Villa im Landhausstil in Geroldswil: Besitzer ist ein kroatisches Zahnarztpaar, das nach der Pensionierung nun zurück in die Heimat will. Fast 30 Jahre lang wohnte es dort, das Haus wurde nach eigenen Plänen entworfen. Es scheute dabei keine Mühen: So stammen die Marmorplatten aus Brac, der Heimat des Paars, und das Cheminée – gleichzeitig auch ein Pizzaofen – aus Deutschland.

Bereits der Vorplatz gibt etwas her und bietet Platz für drei Autos. Stattlich dann auch der Eingangsbereich. Das Foyer bietet Sicht auf den hohen Holzgiebel; eine geschwungene, goldverzierte Wendeltreppe führt hinauf in den oberen Stock, wo sich die Galerie in zwei Flügel teilt. Hier sind die Schlafzimmer mit jeweils eigener Ankleide und Nasszellen. Im Kellergeschoss befindet sich eine Sauna mit Whirlpool sowie ein Fitness- und Bastelraum.

Die Dachterasse mit Pergola, der Sitzplatz im Garten sowie die Rundbögen als Baustilelement runden den Eindruck einer echt stattlichen Villa ab. Kaufpreis: 2,8 Millionen Franken.
Bereits treffen an diesem Nachmittag die ersten Interessenten ein. Es ist ein Paar mit einer kleinen Tochter. Pascale Braun, stellvertretende Geschäftsführerin bei Spalinger, begrüsst sie. Die anschliessende Besichtigung findet aber ohne die jetzigen Besitzer statt. «Es ist oft verletzend, von möglichen Interessenten zu hören, was ihnen alles nicht gefällt», sagt Maklerin Braun.

Wie emotional sich das Geschäft mit Immobilien gestaltet, weiss auch Mattia Bonasso, Standortleiter von Walde & Partner in Baden. «Ein Hauskauf gehört für die meisten Menschen zu den wichtigsten Ereignissen in ihrem Leben.» Nicht selten käme es vor, dass ihn jemand nach einem erfolgreichen Abschluss spontan umarme. Emotional sei es aber auch für die Verkäufer, da sie sich häufig aus sehr persönlichen Gründen für einen Verkauf entschliessen. Nicht immer sei es einfach, sich von einer Liegenschaft zu trennen, in der man viele schöne Erlebnisse hatte.

Juwel mit weitläufigem Rasen

Im Portefeuille von Bonasso befindet sich ein wahres Juwel: Eine Millionen-Villa mit riesigem Umschwung in Bergdietikon. «Luxus, nahezu unbegrenzt Platz zu haben», steht im Verkaufsprospekt. Denn zum Objekt gehört ein Grundstück mit einer Fläche von rund 11'000 Quadratmetern. Interessiert sich jemand nur für das Bauland und nicht für die 8-Zimmer-Villa aus den 1960ern, dann könnte er etwa 30 Doppelhäuser auf der Fläche bauen.

Was aber schade wäre um den pittoresken Pavillon mit Teich, das eigene Waldstück mit Bächlein und den Aussenpool mit Weitsicht über das ganze Limmattal. Innen gibt es ebenfalls einen Pool, einen Weinkeller und einen Cheminéeraum. Die Villa ist so diskret platziert, dass man einen Landeplatz für einen Helikopter auf das Grundstück bauen könnte und niemand würde es merken, sagt Bonasso.

Dieses Paradies, dessen Preis nur auf Anfrage zu erfahren ist, wartet nun auf einen Käufer. Nach einem Monat haben sich bereits mehrere Interessenten gemeldet. Beim Abschliessen des stattlichen Tors meint Bonasso: «Fragt mich jemand nach meinem Job, dann sage ich: Ich bringe Menschen mit der passenden Immobilie zusammen und mache sie so glücklich.»