Dietikon

Wohnbaugenossenschaften versuchen Platzverbrauch pro Person tief zu halten

Bild: Fabian Korn

In der Überbauung «Limmatblick» konnten 5½-Zimmer-Wohnungen wegen der Flächenrichtlinien lange nicht vermietet werden.

Bild: Fabian Korn

Genossenschaften sorgen dafür, dass Mietwohnungen nicht unterbelegt werden. Wohnbaugenossenschaften planen in jüngster Zeit im Kanton Zürich bewusst kleinere Wohnungsflächen.

 Sie versuchen damit, dem steigenden Flächenverbrauch entgegenzuwirken. Dies belegt eine Studie von Raumdaten GmbH.

Auch im Limmattal versuchen die Genossenschaften, den Platzverbrauch pro Person möglichst tief zu halten, wie eine Recherche anhand verschiedener Neubauten zeigt. Was die Genossenschaften hier vor allem vom privatwirtschaftlichen Angebot unterscheidet, ist die Belegungsquote der Wohnungen. Grund dafür sind unter anderem genossenschaftsinterne Regeln, die Unterbelegungen zu verhindern versuchen.

Überbelegung ist teuer

Gemäss internen Richtlinien der Siedlungsgenossenschaft Eigengrund, der mehrere Siedlungen in Dietikon angehören, soll die Anzahl Bewohner mindestens eine Person weniger betragen, als die Wohnung Zimmer zur Verfügung hat. Konkret heisst das: Eine 3-Zimmer-Wohnung muss mindestens von zwei Personen und eine 4-Zimmer-Wohnung von drei Personen bewohnt werden.

Wie ein Blick auf die Belegung der Wohnungen an der Unteren Reppischstrasse 7 und 9 in Dietikon zeigt, wird das aber nicht immer so umgesetzt: Eine 3-Zimmer-Wohnung wurde hier bis vor kurzem im Durchschnitt von 1,3 Personen bewohnt.

Lucas Neff, Vorstandsmitglied der Siedlungsgenossenschaft und Dietiker Gemeinderat sagt dazu: «Wenn zum Beispiel die Kinder irgendwann ausziehen oder sich ein Paar trennt und eine Person deshalb alleine in der Wohnung bleibt, kann und will man diese ja nicht gleich zwingen, sofort auszuziehen.» Damit aber trotzdem Anreiz besteht, den Flächenverbrauch gering zu halten, müssen die Personen, die nach einer längeren Übergangsfrist ein Zimmer zu viel zur Verfügung haben, eine um 200 Franken höhere Monatsmiete bezahlen. Bei solchen, die gar zwei Zimmer zu viel benutzen, sind es 500 Franken.

Grosse Wohnungen bleiben leer

Wegen dieser «Busse» hat die Genossenschaft gleichzeitig Mühe, grössere Neubau-Wohnungen zu vermieten. Das sieht man beispielsweise bei der Überbauung «Limmatblick» in Dietikon, die im September 2011 fertiggestellt wurde: Die wenigen 5½-Zimmer-Wohnungen, die angeboten wurden, konnten als einzige lange nicht vermietet werden. Eine steht sogar immer noch leer.

«Für ein Paar ohne Kinder wären die 2600 Franken für eine 5½-Zimmer-Wohnung wohl kein Problem», sagt Neff. «Aber dadurch, dass ein Paar nach unseren Regeln zwei Zimmer zu viel benutzen würde, müsste es auf die 2600 Franken noch 500 drauflegen und wäre damit schon auf 3100 Franken», erklärt er.

Wohnungen unter 2000 Franken

Auch die Schächli Baugenossenschaft Dietikon versucht, ein gutes Gleichgewicht für den Flächenverbrauch zu finden. Deren Präsident Karl Geiger sagt: «Wir orientieren uns an den Richtwerten der gemeinnützigen Wohnbaugenossenschaften im Kanton Zürich.» In der neuen Siedlung Schachenmatt, die hinter dem Dietiker Bahnhof entsteht, sind Viereinhalb-Zimmer-Wohnungen zum Beispiel mit einer Fläche zwischen 100 und 108 Quadratmetern geplant: «Man kann auch mit weniger Platz schöne Wohnungen bauen. Sie sollen schliesslich bezahlbar bleiben», sagt Geiger.

Bis auf zwei Ausnahmen könne der Preis für alle Wohnungen im Schachenmatt unter 2000 Franken gehalten werden. Die Baugenossenschaft möchte dafür sorgen, dass durch eine entsprechende Belegung der Flächenverbrauch auch in Zukunft tief gehalten wird.

Tendenz zur Unterbelegung

Die Fläche der Wohnungen der Schächli Baugenossenschaft deckt sich ungefähr mit den Angaben der privaten Halter AG, Entwicklerin von Mietwohnungen im Dietiker Limmatfeld: Eine 4½-Zimmer-Wohnung misst hier zwischen 95 und 105 Quadratmetern. Was sich hier aber zeigt, ist eine grundsätzliche Tendenz zur Unterbelegung. Nik Grubenmann, Mediensprecher der Halter AG sagt: «Oft kommt es vor, dass eine 4½-Zimmer-Wohnung von einem kinderlosen Paar belegt wird.»

Was im Limmattal das wohnbaugenossenschaftliche Angebot vom privatwirtschaftlichen unterscheide, sei also nicht unbedingt die kleinere Wohnungsfläche, sagt Neff. Viel mehr sei der Unterschied in der niedrigeren Belegungsquote zu finden.

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