Dietikon
Wo Zivilschützer «abgepflückt» werden können

Unter dem Namen «Riforma II» testete der Kanton die Fähigkeiten des regionalen Zivilschutzes. Diese Szenen würden sich im Ernstfall genau so abspielen.

Alex Rudolf
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Fähigkeitstest des regionalen Zivilschutzes im Rahmen der Übung «Riforma II»
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Auf der Timeline im Hauptquartier werden die Einsätze koordiniert.
Test der Fähigkeiten des regionalen Zivilschutzes: «Reforma II»
Innert drei Stunden war die Arbeit im Wald vollendet. die nächste aufgabe steht somit an.
Bei ihm treffen die vom kantonalen Amt für Zivilschutz erdachten Aufträge ein.
Beim Rapport geben die Ressortleiter Auskunft über den Stand der verrichteten Aufgaben.
Die Stimmung ist angespannt. Wird die knapp bemessene Zeit für alle Tasks reichen?
Sicherhheits- und Gesundheitsvorsteher Heinz Illi (ganz links) hat gut lachen. Er ist bisher zufrieden mit der Leistung der Zivilschützer.
Daniel Wenger (Zivilschutzkommandant der Stadt Dietikon) und Werner Balmer (Chef Einsatz und Gemeindesupport vom Kanton) hatlen eine Zwischenbesprechung ab.

Fähigkeitstest des regionalen Zivilschutzes im Rahmen der Übung «Riforma II»

Limmattaler Zeitung

Nicht nur das Treiben ist bunt. Männer in orange-olivgrüner Bekleidung bevölkern das dritte Geschoss der Dietiker Feuerwehrzentrale. Die dort stationierten Ressortleiter der verschiedenen Zivilschutz-Abteilungen traben zum Rapport an. Unter den Augen des Dietiker Sicherheits- und Gesundheitsvorstehers Heinz Illi geben sie Zivilschutzkommandant Daniel Wenger Auskunft darüber, wo sich die 72 aufgebotenen Mann befinden, welche Arbeit sie verrichten und wann diese beendet sein wird.

Diese Szenen würden sich im Ernstfall genau so abspielen. Damit die Abläufe reibungslos funktionieren, organisierte das kantonale Amt für Militär und Zivilschutz gestern eine Übung mit dem Titel «Riforma II.» Der Kopf dahinter heisst Werner Balmer, Chef Einsatz und Gemeindesupport. Mindestens alle vier Jahre kommen die 52 kantonalen Zivilschutzeinheiten in den Genuss von «Riforma II». Der Schutz der Bevölkerung müsse schnell vonstattengehen, es komme auf jede Sekunde an. «Dabei ist es zentral, dass neben den Blaulichtorganisationen auch der Zivilschutz seine Aufgaben effizient erledigen kann.» Balmer und sein dreiköpfiges Team haben sich ein Stockwerk tiefer in der Feuerwehrzentrale einquartiert, von wo sie jeden Schritt von Wenger und den Zivilschützern beobachten und dokumentieren.

Einsatz bei Bach-und Krankenbett

Kommandant Wenger wirkt gegen aussen ruhig und kontrolliert. Am Vorabend sei er schon ein wenig nervös gewesen, gibt er zu. Die Aufregung dürfte jedoch schnell gewichen sein, denn bis kurz nach Mittag erteilten Balmer und sein Team bereits 25 Aufträge. Diese sind vielfältig. So ist ein Teil der eingerückten Zivilschützer im Altersheim und hilft in der Betreuung aus, andere widmen sich der Entholzung eines Bachbetts im Buechholz. Gleichzeitig wird an der Zürcherstrasse eine Leitung verlegt.

Zurück beim Rapport versichern die Ressortleiter, dass alles im Zeitplan verläuft. Daniel Wenger erkundigt sich, wo zu viele Leute eingeteilt sind, die bei Bedarf «abgepflückt» werden können. «Da ständig neue Aufgaben eingehen, müssen wir immer den Überblick haben, wer wann und wo eingesetzt werden kann», sagt er. Von den 25 gestellten Aufgaben konnte das Team um Wenger deren 23 innerhalb der gegebenen Frist erledigen. «Bei den beiden, die wir nicht schafften, war das Einrücken ein Problem.» Die Einrückdauer der Zivilschützer sei ohnehin so eine Sache, sagt Wenger und schaut auf die Wand, auf der alle Aufträge dargestellt sind. Man dürfe nicht vergessen, dass die Männer heute auf Pikettdienst bereit waren. «Ob und wann sie aber vor Ort sein mussten, darüber wussten sie nicht Bescheid.» Die Abläufe und Einsätze ins Rollen zu bringen, sei daher auch die grösste Herausforderung gewesen, so Wenger.

Der Rapport verlief gut. So gut, dass sogar Heinz Illi ein Lächeln entweicht. Eine schlechte Beurteilung vom Kanton würde auch auf seine Sicherheitsabteilung abstrahlen, das weiss er. Aber im Moment freue er sich darüber, dass der Dietiker Zivilschutz vom Kanton etwas lernen könne, sagt er. Für eine Aufhellung in Wengers Gesicht ist es jedoch noch zu früh. Diese wird sich erst nach dem letzten Einsatz einstellen. Wann dieser kommt, weiss nur Werner Balmer.