Die Stadt Schlieren will das in die Jahre gekommene Haus für Betagte Sandbühl nun doch durch einen eigenen Neubau ersetzen. Noch im Sommer verhandelte der Stadtrat mit der Geistlich Immobilia AG darüber, den Betrieb jener Alterswohnungen und Pflegeplätze zu übernehmen, die die Firma in der nächsten Etappe auf dem Geistlich-Areal erstellen will.

Laut Altersvorstand Christian Meier (SVP) steht man zwar noch in Kontakt, es zeichnet sich aber ab, dass dort ein privater Betreiber übernimmt. Als mögliche Standorte für eine neue städtische Alterseinrichtung stehen das Gelände der AXA Winterthur im Reitmen und das Kohler-Areal beim Bahnhof zur Debatte.

Der Grund für das Umdenken im Stadtrat ist einfach: Das Projekt der Geistlich Immobilia entspreche nicht in allen Teilen den städtischen Vorstellungen, erklärt Meier.

Die Entwicklerin wird in einem Neubau voraussichtlich 24 Pflegeplätze und 80 Alterswohnungen realisieren. Für die Senioren in den Alterswohnungen sei darin jedoch wenig Betreuung vorgesehen, sagt der Altersvorstand: «Wir wollen aber neue Wohnungen schaffen, bei denen das Angebot etwa Mahlzeiten und andere betreuerische Dienstleistungen umfasst.»

Die neue Alterseinrichtung der Firma Geistlich sieht er aber als sinnvolle Ergänzung zu den bestehenden und noch entstehenden Alterseinrichtungen der Stadt. «So haben die älteren Stadtbewohner ein breites Angebot von Wohn- und Pflegeformen zur Auswahl», sagt Meier.

Pflege findet teils im Spital Platz

Gemäss der Altersstrategie, die der Stadtrat vergangenen August verabschiedet hat, verfügt Schlieren derzeit über 84 Betten im Haus für Betagte Sandbühl, 27 Betten in Pflegewohnungen, 52 betreute Alterswohnungen und 25 Betten im Pflegezentrum des Spitals Limmattal.

Letzteres soll in einigen Jahren entweder totalsaniert oder neu gebaut werden, wobei die Stadt im Rahmen einer Umfrage bei den Trägergemeinden des Zweckverbands Spital Limmattal bereits angekündigt hat, dass sie ihr Kontingent gerne auf 60 Betten aufstocken würde.

Auch mit den zusätzlichen Betten im Pflegezentrum des Spitals besteht in Schlieren gemäss Altersstrategie bis 2025 Bedarf für mindestens 30 zusätzliche Pflegebetten und 70 bis 120 betreute Wohnungen. Zudem bekundet das Haus für Betagte Sandbühl vermehrt Mühe, seine freien Betten zu füllen.

Dies, weil es nicht über jene Wohnangebote verfügt, die heute gefragt sind. «Es gibt jetzt schon Stadtbewohner, die für ihren Lebensabend in Institutionen in den Nachbargemeinden ziehen», sagt Susanne Tanner, Leiterin der Abteilung Alter und Pflege.

Ältere Menschen würden heute nicht mehr in klassischen Altersheimen leben und sich ihre Selbstständigkeit so lange wie möglich bewahren wollen.

«Das Kohler-Areal wäre für die Senioren optimal gelegen.»

Christian Meier (SVP) Altersvorstand

«Das Kohler-Areal wäre für die Senioren optimal gelegen.»

Lage der Wohnungen ist wichtig

Diesem Bedürfnis entsprechen betreute Alterswohnungen – wenn sie am richtigen Ort sind. «Für Senioren, die ihren Haushalt selbst führen, ist es elementar, dass sie entweder an zentraler Lage wohnen, leicht zu Fuss ins Stadtzentrum gelangen können oder zumindest sehr gut an den öffentlichen Verkehr angeschlossen sind», sagt Meier.

Die Abteilung Alter und Pflege hat daher mehrere Standorte für eine neue Alterseinrichtung evaluiert. Die genannten Anforderungen sprechen gegen einen Neubau beim heutigen «Sandbühl» im Färberhüsli.

Im Raum steht derzeit noch das Areal neben dem Schulhaus Reitmen, auf dem die AXA Winterthur eine Wohnsiedlung entwickeln wollte, die sie aber nach eigenen Angaben wegen der stockenden Nachfrage auf Eis legte. Noch näher am Zentrum liegt das Areal der Hans Kohler AG beim Bahnhof.

Meier sagt: «Es wäre für die Senioren optimal gelegen.» Die Stadt ist derzeit mit den Eigentümern beider Liegenschaften im Gespräch. Im Stadtrat ist in den nächsten Wochen zudem eine Machbarkeitsstudie für das neue Alterszentrum traktandiert.

Bereits jetzt ist aber klar, dass die neue Einrichtung von der Stadt und nicht von einem privaten Anbieter betrieben wird. Die Stadt habe so mehr Einfluss auf das Angebot und den Mitarbeiterbestand, sagt Tanner: «Mit Privaten müsste man eine Leistungsvereinbarung treffen. Ändern sich die Bedürfnisse, so müsste man diese jedes Mal nachverhandeln, was schwierig ist.»