Geroldswil
Wo sich Super Mario und Zalando-Fans treffen: Geroldswiler Turnerchränzli taucht in die digitale Welt ein

Der Turnverein Oetwil-Geroldswil schlug eine Brücke zwischen Jung und Alt – entführte das Publikum an seinem traditionellen Chränzli in digitale Welten.

Fabienne Eisenring
Drucken
Teilen
Liebe in Zeiten der Digitaliserung ist nicht so einfach, wie es scheint. Das zeigt ein Sketch zwischen zwei turnerischen Darbietungen.
26 Bilder
Was passiert, wenn der Computer einen Virus einfängt, zeigten die Aktiven Geräteturner: ...
...In aberwitzigem Tempo vollführten sie Kunststücke am Reck und auf dem Minitrampolin.
Mit Aerobic und mitreissenden Latino-Rhythmen tanzt sich die Damenriege in die Herzen des Publikums.
Mit Aerobic und mitreissenden Latino-Rhythmen tanzt sich die Damenriege in die Herzen des Publikums.
So pumpen die Opas: So vielfältig wie das "YouTube"-Angebot präsentierte sich auch die Kreativität der Turner vom Polysport.
Der Harlem Shake aus Geroldswil: So vielfältig wie das Angebot auf "YouTube" präsentierte sich die Kreativität der Polysport-Turnerinnen und -Turner
So vielfältig wie das "YouTube"-Angebot präsentierte sich auch die Kreativität der Turner vom Polysport: Zu feurigen Rythmen präsentierten sie ihre Salsa-Künste.
Schaut her, mein neues Kleid! Vor lauter "Zalando"-Euphorie lässt sich die grosse Mädchenriege zu einem Tanz hinreissen.
Schaut her, mein neues Kleid! Vor lauter "Zalando"-Euphorie lässt sich die grosse Mädchenriege zu einem Tanz hinreissen.
Das Geroldswiler Turnerchränzli in Bildern
Eine Leiterin der kleinen Geräteturner leistet Hilfe beim Handstand.
Die kleinen Geräteturner präsentierten stolz, was sie in den Monaten der Vorbereitung gelernt hatten.
Die starken Jungs der Jugi lassen unter dem Thema "Fitness-Apps" ihre Muskeln spielen.
Die starken Jungs der Jugi lassen unter dem Thema "Fitness-Apps" ihre Muskeln spielen.
Die starken Jungs der Jugi lassen unter dem Thema "Fitness-Apps" ihre Muskeln spielen.
Die kleine Mädchenriege präsentiert ihr Können im Purzelbaum schlagen.
Von Fitness-Apps bis hin zu Virtual Reality-Brillen: In Sketches zwischen den Darbietungen werden überspitzt die Begleiterscheinungen der Digitalisierung dargestellt.
Von Fitness-Apps bis hin zu Virtual Reality-Brillen: In Sketches zwischen den Darbietungen werden überspitzt die Begleiterscheinungen der Digitalisierung dargestellt.
Von Fitness-Apps bis hin zu Virtual Reality-Brillen: In Sketches zwischen den Darbietungen werden überspitzt die Begleiterscheinungen der Digitalisierung dargestellt.
Sie tanzten sich in die digitale Welt: Die Kitu Geroldswil mit dem Thema "Fernseher".
Eine Momentaufnahme: Die Kitu Oetwil präsentiert ihre Darbietung zum Thema "Fotografie".
Sie tanzten sich in die digitale Welt: Die Kitu Geroldswil mit dem Thema "Fernseher".
Die Gruppe des ElKi-Turnen posiert nach ihrer drolligen Darbietung als Super Mario-Figuren.
Die Gruppe des ElKi-Turnen posiert nach ihrer drolligen Darbietung als Super Mario-Figuren.

Liebe in Zeiten der Digitaliserung ist nicht so einfach, wie es scheint. Das zeigt ein Sketch zwischen zwei turnerischen Darbietungen.

Fabienne Eisenring

Im restlos ausverkauften Saal des Hotels Geroldswil ging am Samstagabend das traditionelle Chränzli des Turnvereins Oetwil-Geroldswil über die Bühne. Wobei, «ging» ist wohl nicht das passende Wort. Auf Schritttempo gedrosselt wurde selten. Vielmehr rannten die Teilnehmenden über die Bühne, sie sprangen, tanzten und schlugen Salti. Über 200 Teilnehmende waren es dieses Jahr, die unter dem Motto «Digitale Welt» ein dreistündiges Programm zum Besten gaben. Aus einem bunten Strauss von Apps hatte jede der 12 Gruppen eine als Überthema ihrer Aufführung ausgewählt. Die Palette reichte von «Kamera» zu «Navi», von «YouTube» zu «Games».

Der Vorhang öffnete sich erstmals für die als Super Mario-Figuren verkleidete Truppe des Elki-Turnens. Danach warteten die Kitu Geroldswil und die kleine Mädchenriege mit einstudierten Tanzeinlagen auf. In Anspielung auf Fitness-Apps liess daraufhin die Jugi zum «Rocky»-Soundtrack ihre Muskeln spielen. Ihr akrobatisches Können unter Beweis stellten die kleinen Geräteturnerinnen und -turner, die Handstände und Purzelbäume am laufenden Band vorzeigten. Die Zuschauer waren elektrisiert, der Applaus ohrenbetäubend.

Ein halbes Jahr Vorbereitung

Hoch war der Geräuschpegel bereits eine halbe Stunde vor Beginn der Veranstaltung. Fast nicht zu hören war dann das Gespräch der grossen Geräteturnerinnen, die sich flüsternd vor dem Saaleingang unterhielten. Sitzt die Frisur? Wird die Schlusspose klappen? Bei den einen machte sich das Lampenfieber bemerkbar. Dagegen hatte die neunjährige Sarina einen Tipp parat: «Tief durchatmen und über den Bauch streicheln.» Auch Alisha (10) sprach ihren Kolleginnen Mut zu: «Nach einem halben Jahr Vorbereitung zeigen wir endlich, was wir können.»

Als Familie zusammenkommen

Bevor sie auftrat, hatte auch Ilaria Fasano kurz Zeit für ein Gespräch. Sie ist Teil des dreiköpfigen Teams, das für den roten Faden der Aufführung verantwortlich zeichnete. «Das diesjährige Thema sollte eine Brücke sein zwischen Jung und Alt», sagte Fasano. Die Sketches zwischen den turnerischen Darbietungen nahmen mit einem Augenzwinkern die Klischees der Digitalisierung aufs Korn. So erzählten die Laienschauspieler von einer «Zalando»-Euphorie der Frauen, der älteren Generation attestierten sie eine Technikverdrossenheit – «Was, den Laptop muss man aufladen?». Die Witze kamen hörbar an.

In der Pause bildete sich eine Traube Menschen rund um das üppige Buffet. Darunter war Vreni Müller aus Geroldswil. Gerade sei ihre Enkelin aufgetreten, erzählte sie. «Dass der Turnverein jedes Jahr einen solchen Grossanlass auf die Beine stellt, ist toll.» Auch die Leiterin der Mädchenriege, Caroline Abegg, freut sich jeweils auf das Ereignis: «Ich liebe es, das Mitfiebern der Kinder mitzuerleben und schliesslich ihr Strahlen zu sehen, wenn das Publikum applaudiert.»

Der Applaus war auch den grossen Geräteturnerinnen sicher. Ihre Schlusspose sass. Einen Tempowechsel gab es danach mit den frivolen Knaben der Leichtathletikgruppe, die sich auf Minitrampolinen furchtlos durch die Luft katapultieren liessen. Viel Taktgefühl bewies die Damenriege, die in adretter Sekretärinnen-Kleidung Aerobic- und eine Reihe von Tanzeinlagen präsentierte. Den Abschluss krönte die Aktivriege mit waghalsigen Kunststücken an Reck und Trampolin.

Nachdem der Vorhang fiel, zeigte sich OK-Präsident Raphael Hugi erleichtert: «Wir können zufrieden sein.» Auf die Frage, was den Anlass für ihn einzigartig macht, findet er klare Worte: «Das Chränzli ist das einzige Mal, an dem der ganze Verein als Einheit zusammenkommt. Als Familie.»