Im restlos ausverkauften Saal des Hotels Geroldswil ging am Samstagabend das traditionelle Chränzli des Turnvereins Oetwil-Geroldswil über die Bühne. Wobei, «ging» ist wohl nicht das passende Wort. Auf Schritttempo gedrosselt wurde selten. Vielmehr rannten die Teilnehmenden über die Bühne, sie sprangen, tanzten und schlugen Salti. Über 200 Teilnehmende waren es dieses Jahr, die unter dem Motto «Digitale Welt» ein dreistündiges Programm zum Besten gaben. Aus einem bunten Strauss von Apps hatte jede der 12 Gruppen eine als Überthema ihrer Aufführung ausgewählt. Die Palette reichte von «Kamera» zu «Navi», von «YouTube» zu «Games».

Der Vorhang öffnete sich erstmals für die als Super Mario-Figuren verkleidete Truppe des Elki-Turnens. Danach warteten die Kitu Geroldswil und die kleine Mädchenriege mit einstudierten Tanzeinlagen auf. In Anspielung auf Fitness-Apps liess daraufhin die Jugi zum «Rocky»-Soundtrack ihre Muskeln spielen. Ihr akrobatisches Können unter Beweis stellten die kleinen Geräteturnerinnen und -turner, die Handstände und Purzelbäume am laufenden Band vorzeigten. Die Zuschauer waren elektrisiert, der Applaus ohrenbetäubend.

Ein halbes Jahr Vorbereitung

Hoch war der Geräuschpegel bereits eine halbe Stunde vor Beginn der Veranstaltung. Fast nicht zu hören war dann das Gespräch der grossen Geräteturnerinnen, die sich flüsternd vor dem Saaleingang unterhielten. Sitzt die Frisur? Wird die Schlusspose klappen? Bei den einen machte sich das Lampenfieber bemerkbar. Dagegen hatte die neunjährige Sarina einen Tipp parat: «Tief durchatmen und über den Bauch streicheln.» Auch Alisha (10) sprach ihren Kolleginnen Mut zu: «Nach einem halben Jahr Vorbereitung zeigen wir endlich, was wir können.»

Als Familie zusammenkommen

Bevor sie auftrat, hatte auch Ilaria Fasano kurz Zeit für ein Gespräch. Sie ist Teil des dreiköpfigen Teams, das für den roten Faden der Aufführung verantwortlich zeichnete. «Das diesjährige Thema sollte eine Brücke sein zwischen Jung und Alt», sagte Fasano. Die Sketches zwischen den turnerischen Darbietungen nahmen mit einem Augenzwinkern die Klischees der Digitalisierung aufs Korn. So erzählten die Laienschauspieler von einer «Zalando»-Euphorie der Frauen, der älteren Generation attestierten sie eine Technikverdrossenheit – «Was, den Laptop muss man aufladen?». Die Witze kamen hörbar an.

In der Pause bildete sich eine Traube Menschen rund um das üppige Buffet. Darunter war Vreni Müller aus Geroldswil. Gerade sei ihre Enkelin aufgetreten, erzählte sie. «Dass der Turnverein jedes Jahr einen solchen Grossanlass auf die Beine stellt, ist toll.» Auch die Leiterin der Mädchenriege, Caroline Abegg, freut sich jeweils auf das Ereignis: «Ich liebe es, das Mitfiebern der Kinder mitzuerleben und schliesslich ihr Strahlen zu sehen, wenn das Publikum applaudiert.»

Der Applaus war auch den grossen Geräteturnerinnen sicher. Ihre Schlusspose sass. Einen Tempowechsel gab es danach mit den frivolen Knaben der Leichtathletikgruppe, die sich auf Minitrampolinen furchtlos durch die Luft katapultieren liessen. Viel Taktgefühl bewies die Damenriege, die in adretter Sekretärinnen-Kleidung Aerobic- und eine Reihe von Tanzeinlagen präsentierte. Den Abschluss krönte die Aktivriege mit waghalsigen Kunststücken an Reck und Trampolin.

Nachdem der Vorhang fiel, zeigte sich OK-Präsident Raphael Hugi erleichtert: «Wir können zufrieden sein.» Auf die Frage, was den Anlass für ihn einzigartig macht, findet er klare Worte: «Das Chränzli ist das einzige Mal, an dem der ganze Verein als Einheit zusammenkommt. Als Familie.»