Schlieren

Wo früher gedruckt wurde, hat es heute eine Piazza

Die Mitarbeitenden des Schlieremer Traditionsunternehmens Zühlke haben ihre neuen Büros in der ehemaligen NZZ-Druckerei bezogen. Damit sie sich dort gut austauschen können, setzt die neue Architektur auf viel Offenheit und Glas. Dies machte aber auch verschiedene Sicherheitsvorkehrungen nötig, damit die Vertraulichkeit gewährleistet bleibt.

Dass hier noch vor wenigen Jahren eine imposante Druckmaschine tagtäglich in Betrieb war und zahlreiche Zeitungen und andere Publikationen herstellte, kann man sich nur schwer vorstellen. Die rund 20 Meter hohe Halle am Ostende des ehemaligen NZZ-Areals ist seit einigen Wochen der neue Standort von Zühlke. Das Schlieremer Traditionsunternehmen zügelte vom Rietbachquartier an die Zürcherstrasse 39, wo heute rund 450 Arbeitsplätze zur Verfügung stehen. Aktuell sind jedoch nur wenige besetzt. Es sei Ferienzeit und viele Mitarbeitende seien nach wie vor im Home Office, sagt Markus Thoma. Er ist Head of Facility Management bei Zühlke, kennt das Gebäude aus dem Effeff und gewährte der «Limmattaler Zeitung» einen Blick in den neuen Sitz des Innovationsdienstleisters.

Wie bei anderen Unternehmen bildet auch hier die Mitarbeiterkantine das Herzstück des Gebäudes. Die Bezeichnung Kantine wird dem Raum, der sich gleich neben der ehemaligen Druckereihalle befindet, aber nicht gerecht. So befinden sich hier neben dem Bereich für die Essensausgabe und neben zahlreichen Tischen auch mehrere Arbeitsebenen. Etwa eine mit dunklem Holz ausgekleidete Tribüne, auf der dank kleiner Tische individuell gearbeitet werden kann. Dahinter verbirgt sich ein Konferenzraum mit riesigen Flachbildschirmen, gegenüber davon zwei durch Glasscheiben abgetrennte Sitzungszimmer. Dank der überhohen Räume befinden sich auf den abgetrennten Sitzungszimmern verspielte Ecken, in denen ebenfalls alleine oder in Teams gearbeitet werden kann. Dass sich die Mitarbeiter bereits eingelebt haben, zeigt eine Discokugel, die behelfsmässig an einer Lampe angebracht wurde. Daneben befindet sich ein roter Knopf. Werde dieser betätigt, wird die Kugel beleuchtet und beginnt zu rotieren. «Das heisst, dass bald ein Spontan-Apéro stattfindet», so Thoma.

Auf 2500 Quadratmetern wird gearbeitet und gegessen

«Der Austausch unter den Mitarbeitern wurde zusehends wichtiger. Es war für uns zentral, dass dieser in einer angenehmen Umgebung stattfinden kann», so Thoma. Damit es im rund 2500 Quadratmeter grossen Mensa-ArbeitsRaum, Zühlke nennt ihn treffenderweise Piazza, nicht zu laut wird, hängen schalldämpfende Elemente an der Decke. Die Stahlrohre darüber stammen noch aus der Zeit, als hier Zeitungen gemacht wurden. In der mit vier Zwischenböden ausgestatteten ehemaligen Druckereihalle gleich neben der Piazza befinden sich die eigentlichen Büroplätze. Doch auch dieser Begriff ist nur wenig akkurat. So sind auch hier auf jedem Geschoss zahlreiche Sitzungszimmer zu finden. In durch Stellwände getrennten Arbeitsbereichen erhalten die Mitarbeitenden ihre Privatsphäre, wenn sie dies wünschen.

Ein Lift verbindet die Geschosse in der ehemaligen Halle miteinander. «Dieser wird bislang jedoch sehr selten genutzt, da es die Mitarbeiter schätzen, durch das Treppensteigen ein wenig in Bewegung zu kommen und so auch das Büro besser zu erleben», erklärt Thoma. Die Holztreppen sind wohl die Hauptattraktion. Sie werden aber auch aus einem anderen Grund rege genutzt. So verfügt jede Etage über einen sogenannten Service-Point. Im offenen Holzkubus können sich die Angestellten mit dem Nötigsten wie Wasser und Briefpapier versorgen und gebrauchtes Geschirr deponieren. Eine Kaffeemaschine fehlt jedoch. «Das ist seit den Gründungsjahren ein Grundsatz von Zühlke. Die Mitarbeitenden sollen sich bei der zentralen Kaffeemaschine treffen und sich so austauschen», sagt Thoma. Zwar komme hin und wieder eine Anfrage, ob nicht doch eine Maschine von Zuhause aus mitgebracht werden könne. Erkläre man die Motivation dahinter, würden die Angestellten aber Verständnis zeigen.

Neben der Rezeption wird in der Werkstatt getüftelt

Gleich neben dem Haupteingang, wo sich die Rezeption befindet, platzierte man auch das wohl ursprünglichste der Geschäftsfelder von Zühlke. Hier befindet sich die Prototypen-Werkstatt, wo diverse Teile hergestellt werden. Anhand von detaillierten Plänen wird in der Fünfachsen-Fräsmaschine ein kleines Stück Metall geformt. Wofür es genau bestimmt ist, muss ein Geheimnis bleiben.
Geheimhaltung ist ohnehin zentral, wenn es um Innovation geht. Damit dennoch ein offenes Betriebsklima geschaffen werden konnte, kleidete man die Glasscheiben der Sitzungszimmer auf der Zühlke-Piazza mit einer Spezialfolie aus. Sie macht das auf den grossen Bildschirmen Gezeigte von Ausserhalb des Raums unkenntlich.

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