Kaum ein Thema erhitzt die Gemüter der Schweizer mehr als das Sozialwesen. Etwa Fälle von missbräuchlichem Bezug von Unterstützungsgeldern oder stetig steigenden Ausgaben echauffieren Bevölkerung und Politik gleichermassen. Ein Bereich des Sozialwesens kommt jedoch ohne Aufruhr, ohne Aufgeregtheit und beinahe ohne mediale Präsenz aus: die Sozialdienste. Seit nunmehr 20 Jahren bietet der Sozialdienst Limmattal (SDL) in der Region vom Mittagstisch über Job-Vermittlungen bis hin zu Jugendberatungen alles, was Menschen in Notsituationen wieder auf die Beine helfen soll.

Christian Meier, Schlieremer Sozialvorstand (SVP) und seit vergangenem Sommer Präsident der Delegiertenversammlung der Trägergemeinden des SDL, weiss, dass seine Institution breit abgestützt ist. «Von links bis rechts ist man sich einig, dass es diese Angebote braucht», sagt er. Den Grund dafür ortet er in der Art und Weise der Unterstützung. «Im Unterschied zur Sozialhilfe werden hier nicht Gelder, sondern Leistungen geboten. Die Bevölkerung hat dafür wohl mehr Verständnis», so Meier. Es könne von einer Art Hilfe zur Selbsthilfe gesprochen werden.

Auch Ueli Meier, Geschäftsführer der Sozialdienste, nimmt die Stimmung gegenüber seiner Institution als wohlwollend wahr. «Mit unseren Leistungen, über welche die Gemeinden bestimmen und die nicht vom Kanton oder vom Bund an uns delegiert werden, tragen wir einen grossen Teil zur Attraktivität des Bezirks Dietikon bei.» So würden verschiedene Angebote dafür sorgen, dass Menschen in schwierigen Lebenssituationen Unterstützung erhalten und nicht im öffentlichen Raum herumlungern.

Was danach geschieht

Dabei lassen sich Erfolge im Sozialbereich nur schwer messen. Zwar werden Fälle von Drogensüchtigen, die sich helfen lassen, oder von Arbeitslosen, die beim Jobbus kleine Arbeiten verrichten, statistisch erfasst. «Eine Aussage über den Erfolg der Massnahme lässt sich jedoch nur selten machen», sagt Ueli Meier. Bricht jemand seine Suchtberatung ab, dann kann das heissen, dass sein Leben nun in geordneten Bahnen verläuft, oder aber dass er oder sie rückfällig geworden ist.» Über den weiteren Lebensverlauf von Klienten, weiss man nicht viel, da eine Erhebung viel zu aufwendig wäre. Es seien eher weiche Faktoren, die einen auf Erfolg schliessen lassen. Meier stellt klar, dass im Sozialbereich die Uhren anders ticken: «Bei uns gilt das Einzelschicksal, das im kleinen, intimen Rahmen auf erfolgsversprechende Bahnen gelenkt werden kann. Dies hängen wir weder politisch noch medial an die grosse Glocke.»

Obwohl Erfolge im Sozialbereich numerisch schwierig zu beziffern sind, lässt sich ein zahlenbasierter Erfolg eruieren. Im Vergleich zum Jahr 2003 stieg der Aufwand des Sozialdienstes Limmattal von rund 2,7 auf 4,3 Millionen Franken. Gleichzeitig konnten aber auch die Einnahmen, die selber erwirtschaftet werden, in ähnlichem Rahmen von rund 1,4 auf 2,6 Millionen Franken erhöht werden. Für die elf Trägergemeinden entstanden somit nur geringfügige Mehrkosten. Seit zehn Jahren zahlen sie jährlich insgesamt rund 1,7 Millionen Franken ein. Dabei übernimmt beispielsweise Dietikon rund 25, Aesch 1,7 Prozent. Für Ueli Meier ein sehr positives Zeichen: «Ein Ausbau des Angebots für den Bezirk Dietikon, ohne dafür von der öffentlichen Hand mehr finanzielle Mittel zu erhalten, ist ein Riesenerfolg.»

Angebote werden laufend angepasst

Auch für die Zukunft zeichnet sich kein raues Politklima gegenüber den Sozialdiensten ab. Christian Meier verweist auch darauf, dass es den Gemeinden bewusst ist, dass sie sich ohne diesen Zusammenschluss die von den SDL angebotenen Dienstleistungen nicht leisten könnten. An den Delegiertenversammlungen, wo ein Austausch aller Sozialvorstände des Limmattals stattfindet, höre er nur Positives. «Einzig eine bessere Übersichtlichkeit wäre wünschenswert», fügt Meier an. Die Angebote seien derart vielfältig, dass nicht nur Bezüger, sondern auch Mitarbeiter der Sozialämter in den Gemeinden den Überblick verlieren können. Dies sei nicht nur bei den Sozialdiensten, sondern im Sozialwesen generell der Fall.

Schon heute richte sich das Angebot seiner Institution nach der Nachfrage, sagt Geschäftsführer Ueli Meier. Während in der 20-jährigen Geschichte der Sozialdienste Angebote wie die Notschlafstelle oder der Jobbus abgeschafft oder gestutzt wurden, entstünden auch immer wieder neue Aufgaben oder es würden bestehende ausgebaut. Weil die Gemeinden beispielsweise gesehen hätten, dass die Warteliste für begleitetes Wohnen immer länger wurde, wurde dieses Angebot ausgebaut, so Meier.