Limmattal
Wo das Elektroauto an die Dose kann - neue Aufladestation in Dietikon

Dietikon hat eine Aufladestation für Elektroautos, eine sogenannte E-Tankstelle installiert - fraglich ist, wie gross die Nachfrage danach ist.

Von Tobias Hänni
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Angedockt: ein Elektroauto wird aufgeladen.

Angedockt: ein Elektroauto wird aufgeladen.

KEYSTONE

Sie sind nicht zu übersehen: Die zwei neuen Parkfelder für Elektroautos auf dem Parkplatz Zentralschulhaus in Dietikon sind grasgrün gestrichen. An einer Säule am Kopfende der Felder können Besitzer eines Elektroautos seit Anfang dieser Woche ihr Gefährt an die Steckdose hängen. Dazu zahlen sie zusätzlich zu den normalen Parkgebühren Fr. 1.50 pro Stunde, unabhängig vom tatsächlichen Strombezug, wie die Stadt in einem Communiqué schreibt. Laut der städtischen Energiebeauftragten Anita Binz-Deplazes besteht die Nachfrage nach solchen öffentlichen Ladestationen. «Viele Private laden ihr Elektroauto zwar zu Hause auf. Eine Zwischenladung am Arbeitsplatz wird aber dennoch gewünscht.»

Die E-Tankstelle richtet sich deshalb auch an die Mitarbeiter der Dietiker Verwaltung. «Angestellten, die ein Elektroauto besitzen, möchte der Stadtrat ermöglichen, dieses am Arbeitsplatz aufzuladen», sagt Binz. Die Stadt rechne damit, dass der Anteil an Mitarbeitern mit einem solchen Auto künftig weiter steigen werde.

Öffentliche Aufladestationen für Elektroautos im Limmattal.

Öffentliche Aufladestationen für Elektroautos im Limmattal.

Zur Verfügung gestellt

Meistens teurer als zu Hause

«Begrüssenswert» findet Roger Knecht, technischer Leiter beim Schlieremer Elektroauto-Hersteller Kamoo, das Engagement der Stadt Dietikon: «Das hilft, den Bekanntheitsgrad von E-Mobilität zu steigern.» Ob die Ladestation letztlich aber stark von Privatpersonen frequentiert wird, bezweifelt er. «Leute, die ein Elektroauto besitzen, laden es meistens zu Hause oder bei der Arbeit auf.» Bei den heutigen Modellen und gerade bei kürzeren Fahrten, etwa für den Einkauf in der Stadt, sei ein Aufladen der Batterie unterwegs gar nicht notwendig. Komme hinzu, dass die Kosten fürs Aufladen an öffentlichen Tankstellen in der Regel teurer sei als an der heimischen Steckdose. «Häufig wird eine Pauschale von fünf Franken verlangt», sagt Knecht.

Die Kamoo AG hat sich selber in der Region an zwei Projekten zur Förderung der E-Mobilität beteiligt — mit durchzogenem Erfolg. Einerseits hat sie mit der Öko-Siedlung «Ecofaubourg» in Schlieren ein Projekt gestartet, bei dem Bewohner Elektroautos ähnlich wie bei Mobility Carsharing mieten können. Nur ein Jahr nach dem Start wurde das Projekt deutlich redimensioniert: Von anfänglich vier Fahrzeugen, welche die Kamoo AG bei der Siedlung bereitgestellt hatte, steht heute nur noch eins zur Verfügung. «Das Bedürfnis ist zwar vorhanden, aber nicht so gross», erklärt Knecht. Bewohner, die regelmässig ein Elektroauto fahren würden, besässen selber eins. «Und solche, die aus ideologischen Gründen auf ein Auto verzichteten, mieten auch kein Elektroauto.» Auch ein zweites Projekt mit der Stadt Schlieren wurde letztlich kleiner realisiert als ursprünglich geplant: Mit «eShare» wurde in Schlieren vor zwei Jahren nicht nur der Bau einer öffentlichen Aufladestation, sondern auch die Vermietung von drei bis fünf Elektroautos durch die Stadt angedacht. Die Idee ist nur teilweise umgesetzt worden: So wurde eines der zwei von Kamoo gelieferten Fahrzeuge von der Stadt zurückgegeben; das andere wird von Verwaltungsangestellten genutzt und mit Solarstrom vom Dach des Stadthauses aufgetankt. «Das Projekt ist auf Eis gelegt», sagt Schlierens Standortförderer Albert Schweizer. Die Prioritäten lägen in der Verwaltung derzeit anders. Man sei aber nach wie vor mit der Kamoo AG in Kontakt.

Auch Private bieten Strom an

Auch wenn die Stadt bislang keine Ladestation eingerichtet hat: Besitzer eines Elektroautos müssen in Schlieren nicht mit leerer Batterie stehen bleiben, wenn sie einmal ihr Auto zu Hause nicht genügend aufgeladen haben. So gibt es im Einkaufszentrum Lilie die Möglichkeit, das E-Auto in der Tiefgarage gegen Gebühr ans Stromnetz anzuschliessen. Und auch sonst ist die Abdeckung mit öffentlichen Ladestationen im Limmattal ziemlich gut, wie ein Blick auf die Online-Karte LEMnet verrät (siehe Karte). So gibt es etwa in Dietikon neben der neuen städtischen noch zwei weitere Stationen. Eine steht beim Coop Silbern, die andere auf dem Firmenareal der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) an der Überlandstrasse. Beide laufen unter dem Label «Park&Charge» des «Electromobil Club Schweiz» (ECS), werden aber von den EKZ betrieben. Diese haben auch in Geroldswil eine E-Tankstelle installiert.

Neben öffentlich zugänglichen Stromzapfsäulen listet LEMnet auch Privatpersonen auf, die sich auf der Plattform als «Stromspender» registriert haben. Etwa der Birmensdorfer Peter Strittmatter, der selber seit Jahren ein dreirädriges E-Twike besitzt. «Wenn jemand dringend Strom braucht, kann er sein Gefährt bei mir aufladen», erklärt Strittmatter. Das Angebot werde gelegentlich in Anspruch genommen.

Und wie ist die Auslastung der öffentlichen Stationen? Bei den Limmattaler Tankstellen der EKZ lässt sich die Nutzung laut Mediensprecherin Dorothea Ditze nicht feststellen. «Wir haben keine Stromzähler bei diesen Stationen installiert.» Es gebe aber sicher noch Potenzial nach oben. Für Ditze kommt im Markt der Elektroautos «die Huhn-Ei-Problematik zum Tragen»: Seien keine Elektroautos auf der Strasse, gebe es kaum Tankstellen. Und gebe es nicht genügend Tankstellen, kauften die Leute kaum Elektroautos. «Eine Seite muss anfangen, um die E-Mobilität anzukurbeln.» Die EKZ und andere Unternehmen würden deshalb vorsorglich Tankstellen zur Verfügung stellen und Pilotprojekte zur Vereinfachung der E-Mobilität durchführen. «Mitentscheidend ist dann auch, dass sich Autohersteller und Verkerhsteilnehmer weiterhin engagieren», sagt Ditze.

Doch gerade bei den Konsumenten scheint der Druck für ein solches Engagement derzeit zu fehlen. «Der Benzinpreis ist derzeit sehr tief. Und auch wenn E-Autos in der Nutzung günstiger sind als Benzinautos, sind sie in der Anschaffung schnell doppelt so teuer», sagt Knecht von der Kamoo AG. Und bei der Mobilität würden die meisten Leute nach wie vor zunächst mit dem Portemonnaie denken.