Kantonsrat Zürich
Wo Brigitta Johner hineinschaut, bleibt die Zeit stehen

Der Zürcher Kantonsrat entdeckt im Limmattal eine Terra incognita. Und obwohl es so viel High-tech zu besichtigen gäbe, lässt sich Kantonsratspräsidentin Brigitta Johner ausgerechnet in die Geheimnisse eines selten gewordenen Gewerbes einweihen.

Jürg Krebs
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Kantonsrat
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Die Zürcher Kantonsratspräsidentin Brigitta Johner (FDP) besichtigt mit einem Teil ihrer Kollegen die Firma Metzler Orgelbau in Dietikon.
Die Zürcher Kantonsratspräsidentin Brigitta Johner (FDP) besichtigt mit einem Teil ihrer Kollegen die Firma Metzler Orgelbau in Dietikon.
Die Zürcher Kantonsratspräsidentin Brigitta Johner (FDP) besichtigt mit einem Teil ihrer Kollegen die Firma Metzler Orgelbau in Dietikon.
Die Zürcher Kantonsratspräsidentin Brigitta Johner (FDP) besichtigt mit einem Teil ihrer Kollegen die Firma Metzler Orgelbau in Dietikon.
Die Zürcher Kantonsratspräsidentin Brigitta Johner (FDP) besichtigt mit einem Teil ihrer Kollegen die Firma Metzler Orgelbau in Dietikon.
Die Zürcher Kantonsratspräsidentin Brigitta Johner (FDP) besichtigt mit einem Teil ihrer Kollegen die Firma Metzler Orgelbau in Dietikon.
Die Zürcher Kantonsratspräsidentin Brigitta Johner (FDP) besichtigt mit einem Teil ihrer Kollegen die Firma Metzler Orgelbau in Dietikon.
Die Zürcher Kantonsratspräsidentin Brigitta Johner (FDP) besichtigt mit einem Teil ihrer Kollegen die Firma Metzler Orgelbau in Dietikon.
Die Zürcher Kantonsratspräsidentin Brigitta Johner (FDP) besichtigt mit einem Teil ihrer Kollegen die Firma Metzler Orgelbau in Dietikon.

Kantonsrat

Chris Iseli

Früher. So richtig viel früher, da gab es Weltkarten, die hatten weisse Flecken. Terra incognita hiess das. Schwarzafrika war lange weiss. Und erst als sich Abenteurer aufmachten, sich diese Flecken einmal genauer anzuschauen, wurden sie entdeckt und zu einem Teil der Karte.

Der Kanton Zürich kennt noch heute einen solchen weissen Fleck: den Bezirk Dietikon. Erst vor 25 Jahren ist er überhaupt auf der politischen Landkarte aufgetaucht und ist seither der jüngste Bezirk im Kanton. Bekannt ist er vielen Zürchern trotzdem nicht. Von Winterthur oder Uster aus besehen, befindet er sich irgendwo hinter dem Hauptbahnhof Zürich. Und wer die Gegend dennoch einmal aufsucht, blickt meist durch eine Zug- oder Autoscheibe und sieht in der Hetze alles verschwommen. Den Unkundigen aber sei gesagt: Abenteurer gibt es hier viele. Auch Persönlichkeiten, die sich an Neues wagen. Im Bio-Technopark in Schlieren etwa. Aber nicht nur dort.

Eine Reise ins Limmattal

Nun begab es sich aber, dass eine Einwohnerin dieses Bezirks zur Kantonsratspräsidentin gewählt worden war, im Mai war das. Brigitta Johner heisst die Politikerin. Freisinnig sind ihre Gedanken, in der Ostschweiz liegen ihre Wurzeln, Urdorf ist ihr Zuhause. Ihre Mission ist es, den weissen Fleck vor 169 Ratskollegen und weiteren Gästen zum farbigen Bild auszumalen. Unterstützt wird sie dabei am Montagnachmittag von den zehn politischen Mitstreitern aus dem Bezirk. Brigitta Johner tut dies, indem sie den Kantonsrat im Limmattal zeigt, was ist. Vielfalt nämlich.

Hier wird geforscht (Bio-Technopark, Schlieren), Wein angebaut (Weiningen), mit Stahl gehandelt (Pestalozzi, Dietikon) oder mit Hautpflegeprodukten (Louis Widmer, Schlieren). Die Post verschiebt hier Pakete (Urdorf) und aus Abfall wird unter anderem Strom hergestellt (Richi, Weiningen) und eine Familie baut Kirchenorgeln (Metzler, Dietikon). Der Platzhirsch unter den Stiftungen ist jene für Behinderte, Solvita (Urdorf) mit Namen. So sieht Vielfalt aus. Es gäbe so manches mehr, was die Gäste besichtigen könnten. Den fantastischen Bruno Weber Park zum Beispiel. Und wie einst die Reisenden im Zeitalter der Entdeckungen würden sie staunen.

Man könnte es auch anders ausdrücken, volkstümlicher. Der Bezirk Dietikon ist eine Suisse miniature. Wie in der Schweiz prallen hier Stadt auf Land, Verkehr auf Natur, Moderne auf Tradition, Einheimisches auf Fremdes und Innovation auf Bewährtes. Der Bezirk Dietikon ist eine Art Schmelztigel.

Die Region boomt wie seit 50 Jahren nicht mehr. Gegen 90 000 Menschen leben im Bezirk zwischen Oetwil und Aesch, Oberengstringen und Dietikon. Es werden immer mehr. Die Beachtung steigt. Der weisse Fleck hat in den letzten Jahren eine Gestalt erhalten. Brigitta Johner verschafft den Räten eine Begegnung von Antliz zu Antliz.

Ein seltenes Handwerk

Wer die Tour mit der Kantonsratspräsidentin wählt, der blickt mit Brigitta Johner in eine besondere Werkstatt. Sie gehört der Metzler-Dynastie, die ein selten gewordenes Gewerbe ausübt: den Orgelbau. Andreas und Mathias Metzler betreiben ein Handwerk, das aus der Zeit gefallen scheint, bereits in vierter Generation. Ihre Werkstatt wirkt wie ein Gegenentwurf zum hippen, schnellen, coolen Millionen-Zürich. Statt Glas, Chrome oder Marmor – Eichenholz, Blei oder Stein. Eine Metzler-Orgel ist vom Rahmen bis in die kleinste Pfeiffe handgearbeitet, die Materialien sind wertig. Die Fertigung braucht etwas, was heute keiner mehr hat: Zeit. Zwei bis vier neue Orgeln werden hier hergestellt. Ein solches Produkt ist unvergänglich, es überdauert Jahrhunderte. Metzlerorgeln gibt es in ganz Europa. In Dietikon ist die Firma zuhause.

Die Firma Metzler Orgelbau ist eine Trouvaille – für Auswärtige. Für Einheimische ist sie hingegen ein bekanntes Mosaiksteinchen im farbigen Bezirk Dietikon. Brigitta Johner hofft, dass ihre Gäste dieses Bild im Kopf mit nach Hause nehmen. Und dass aus der Terra incognita vielleicht nicht gerade das Dorado der Conquistadorenzeit geworden ist, aber immerhin ein Ort über den man anerkennend spricht.