Dietikon
Wirtschaftspodium Limmattal: Wer hat die Macht in der Schweiz?

Wer hat eigentlich die Macht in unserem Land? Ist es das Volk, das Parlament, der Bundesrat? Oder agiert am Ende die Wirtschaft als Strippenzieherin? Diese Frage stand gestern Abend im Fokus des 12. Wirtschaftspodiums in der Dietiker Stadthalle.

Nicole Button-Emmenegger
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Auch Geri Müller (Grüne, Baden) sprach am Wirtschaftspodium.

Auch Geri Müller (Grüne, Baden) sprach am Wirtschaftspodium.

Alex Spichale

Dass die Antwort auf diese Frage angesichts der aktuellen Währungskrise von grosser Bedeutung für die Schweiz ist, machte OK-Präsident Richard Osterwalder in seiner Ansprache deutlich: «Drei Jahre nach der letzten Krise befindet sich die Wirtschaft wieder in einer Abwärtsbewegung. Wer beschützt uns vor der nächsten Krise?», fragte er vor den rund 800 Teilnehmern aus Wirtschaft und Politik.

Limmattal als eigener Staat?

Skepsis, dass diese Rolle vom Bundesrat wirkungsvoll ausgeübt wird, ging bereits aus dem Einladungsschreiben für das Wirtschaftspodium hervor: Der Regierung gelinge es nicht, sich im Ausland Gehör zu verschaffen, hiess es dort unter anderem.

Bevor die geladenen Politiker auf der Bühne engagiert die Klingen kreuzen konnten, präsentierte der Dietiker Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart laut Programmheft «eine andere Ansicht»: nämlich dass auch ein grosser Einfluss der Wirtschaft auf die politischen Prozesse problematisch sein kann. In einer satirischen Darbietung gab Müller-Drossaart einen Vertreter der fiktiven Future-Development-Agentur «Win und Partner». In dieser Rolle stellte fest: «Die Wirtschaft leidet an der Politik.» Das «Schwatzhaus der Schweiz» - also das Parlament - funktioniere völlig unökonomisch. Die föderalistische Demokratie sei viel zu schwerfällig. Seine Lösung pries er unter dem Namen «Swiss Lim» an: die Schweiz limitieren, in autonome Wirtschaftsräume - wie das Limmattal - zerstückeln und somit befreien.

Demokratische Struktur wieder schätzen

«Die Ämter würden auf Lebzeit vergeben. Damit sparen wir uns den Aufwand für Wahlen und schaffen mehr Wirtschaftszeit», so der «Win und Partner»-Vertreter. Dann entledigte sich Müller-Drossaart seiner Rolle. Jetzt sei «fertig lustig», kündigte er seinen Appell an die Wirtschaftsvertreter an: Den politischen Führungspersönlichkeiten den Schwarzen Peter zuzuschieben sei passé. Die demokratische Struktur der Schweiz müsse wieder geschätzt werden. Der Schauspieler geisselte das «ungebremste Konsummantra» und den Egoismus in der heutigen Gesellschaft und fragte das Publikum: «Hand aufs Herz: Wie oft sind Sie gute, nachhaltig agierende Citoyens Économiques? Und wie oft gewinnverliebte Bourgeois du Succès?»

Trotz dieses kritischen Zwischenrufs ertönte Applaus in der Dietiker Stadthalle. Vielleicht auch deshalb, weil die Gästeliste für die anschliessende Podiumsdiskussion wirtschaftsfreundlichere Töne vermuten liess: Unter der Leitung von Moderator Reto Brennwald diskutierten Ständerat This Jenny (SVP), Nationalrat Philipp Müller (FDP), Babette Sigg Frank, Präsidentin der CVP-Frauen Schweiz und Nationalrat Geri Müller (Grüne). Letzterer sagte, er sei in dieser Runde wohl der einzige Verteidiger des geltenden politischen Systems: «Die Macht ist in der Schweiz relativ flach verteilt. Deshalb gibt es hier auch weniger soziale Unruhen als im Ausland», so Müller.

Philipp Müller lobte zwar ebenfalls die «flache Hierarchie» in der Schweiz - warnte aber vor zu starken Eingriffen der Politik in wirtschaftliche Abläufe. «Die Frankenstärke darf nicht durch das Parlament festgelegt werden», so Müller. Dies sei Sache der Nationalbank. «Lasst diese Leute arbeiten», so sein Appell.