Inspirieren liess sich der Schlieremer Gemeinderat Walter Jucker (SP) von der ARD-Quizsendung «Wer weiss denn so was?». Dort wurde die deutsche Initiative «Nette Toilette» vorgestellt. Teilnehmende Gastro-Betriebe stellen ihre Toiletten für Passanten zur Verfügung, auch wenn diese nichts konsumieren. «Ich fand die Idee sehr gut, der Stadtrat auch. Mein Postulat wurde umgesetzt», sagt Jucker.

Seit Ende März erhalten Restaurants mit dem roten «nette Toilette»-Aufkleber an der Eingangstür 1000 Franken von der Stadt Schlieren als Entschädigung für die freiwillige Teilnahme. «Die Feedbacks waren ausschliesslich positiv», sagt Jucker. «Ich habe selbst mal eine ‹nette Toilette› aufgesucht und fand ein WC nach meinen Vorstellungen vor.» Das Projekt soll bis März 2020 geführt werden. «Bis jetzt wurde die Besucherfrequenz der Restaurants trotz des Projekts nicht markant erhöht», sagt Albert Schweizer, Bereichsleiter Liegenschaften der Stadt. «Das Projekt ist für Schlieren gleichwohl interessant.» Die Stadt will mit den «netten Toiletten» das Angebot öffentlicher WCs ergänzen und somit den Bedarf der Bevölkerung decken.

Schlieren stellt der Bevölkerung aktuell acht öffentliche WC-Anlagen und zehn «nette Toiletten» zur Verfügung. Im Januar hiess es, dass der Bereich Liegenschaften bis Mitte 2018 einen «Masterplan öffentliche WC-Anlagen 2023» erarbeite, was allerdings nicht geschah. «Dieser Termin für den Masterplan war zu ambitiös angedacht», sagt Schweizer. «Wir müssen zuerst mal abwarten, bis die Planung des Stadtparks vorliegt.» Ziel des Masterplans wird es sein, in Schlieren bis ins Jahr 2023 moderne, saubere und sichere öffentliche Toiletten und private «nette Toiletten» zur Verfügung zu stellen. Im Finanzplan 2018 bis 2021 sind dafür 260 000 Franken vorgesehen.

Die Wirtin des Restaurants Nassacker, Katja Maric, zeigt sich mit den «netten Toiletten» zufrieden. «Wir machen offiziell seit Anfang April mit, aber eigentlich wurden unseren Anlagen öfter von Passanten besucht, vor allem von Schülern.» Es seien nicht mehr Leute wegen des Aufklebers gekommen, aber Maric merkt die Dankbarkeit der WC-Besucher. «Bis jetzt haben wir gute Erfahrungen gemacht. Wir bekommen wenig Geld dafür, aber es ist schon was.» Falls das Projekt nicht aufgehoben wird, dann werde die Zusammenarbeit weiterhin bestehen, sagt sie. Ähnlich klingt es beim Restaurant Mühleacker.

Die Anlagen der Pizzeria Corona, gerade vor dem Bahnhof Schlieren gelegen, wurden schon immer von Passanten besucht. «Das WC am Bahnhof ist immer zu, die Leute kommen fast direkt zu uns», sagt Wirt Marco Lazri. «Tausend Franken reichen nicht, aber wir werden weitermachen.» Schlechte Erfahrungen habe er bis jetzt nicht gemacht. «Aber ich bin mir nicht sicher, ob die Leute den Aufkleber bemerken.»
Tatsächlich kennen die wenigsten die «netten Toiletten». «Das Projekt ist noch zu wenig bekannt bei den Bewohnerinnen und Bewohnern von Schlieren. Sollte sich der Bekanntheitsgrad in der nächsten Zeit nicht verbessern, würde ich da noch ansetzen», sagt Jucker.