Limmattal
Wird die ehemalige NZZ-Druckerei das neue Stadthaus von Schlieren?

Der Schlieremer GLP-Gemeinderat Nikolaus Wyss wünscht sich darin einen neuen Parlamentssaal – der Stadtrat winkt ab.

Florian Niedermann
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Die Zürcher Kantonalbank bietet die Liegenschaft im Auftrag der NZZ auf «Homegate» feil.

Die Zürcher Kantonalbank bietet die Liegenschaft im Auftrag der NZZ auf «Homegate» feil.

Savian Guido

Die NZZ bietet ihr ehemaliges Druckereigebäude in Schlieren seit Kurzem auf der Online-Plattform «Homegate» zum Kauf an. 26 Millionen kostet der Prestigebau aus dem Jahr 1989. Für diesen Preis erhalten allfällige Investoren über 19 000 Quadratmeter Nutzfläche und ein Grundstück von insgesamt fast 26 700 Quadratmetern. Nachdem die Liegenschaft auf den Markt gelangt ist, malen sich wohl viele Schlieremerinnen und Schlieremer aus, was damit geschehen könnte. Schon sehr konkrete Vorstellungen hat GLP-Gemeinderat Nikolaus Wyss.

Auf Facebook schreibt er zum Verkauf: «Ein ideales Stadthaus für Schlieren mit grossen Versammlungsräumen für Parlament und Events». Was wie ein humoristischer Kommentar wirkt, hat durchaus seinen ernsthaften Kern, wie Wyss auf Anfrage erklärt: «Ich bin natürlich nicht so naiv, zu glauben, dass die Stadt die NZZ-Druckerei ohne weiteres mit eigenen Mitteln erwerben kann.» Doch könne er sich sehr wohl vorstellen, dass in Kooperation mit einem privaten Investor endlich eine Lösung für den wenig geschätzten Parlamentssaal im Restaurant Salmen und die zunehmende Platznot im Stadthaus gefunden werden könnte.

Wyss befürchtet allerdings, dass der Stadtrat die Gelegenheit verpasst. Bereits in der letzten Fragestunde des Parlaments von Mitte März wollte er von der Exekutive wissen, ob sich die Stadt in die Diskussion um die zukünftige Nutzung der ehemaligen NZZ-Druckerei einbringe. Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin (SP) antwortete ihm damals, dass die Standortförderung mit der Geschäftsleitung der NZZ in Kontakt stehe, seit die Schliessung des Standorts angekündigt worden sei. Dass die Liegenschaft nun aber auf normalem Weg auf den Markt gekommen ist, ist für Wyss kein gutes Zeichen: «Es wirkt auf mich wie ein Panikverkauf der NZZ und zeugt nicht von einer strategischen Einflussnahme des Stadtrats», erklärt er. Da die Stadt immer betone, dass der Raum knapp und die gegenwärtige Lösung für das Parlament unbefriedigend sei, könne er dieses passive Verhalten nicht verstehen.

«Das Gebäude ist schlicht zu gross und verfügt über eine für städtische Zwecke schwierige Bausubstanz.» Toni Brühlmann-Jecklin (SP) Stadtpräsident Schlieren

«Das Gebäude ist schlicht zu gross und verfügt über eine für städtische Zwecke schwierige Bausubstanz.» Toni Brühlmann-Jecklin (SP) Stadtpräsident Schlieren

zvg

Ein Mediencluster als Ergänzung

Für den GLP-Gemeinderat birgt diese Liegenschaft auch Potenzial für standortfördernde Projekte. Er könnte sich darin neben einem Parlamentssaal und Verwaltungsräumen etwa auch einen neuen Medien-Cluster als Ergänzung vorstellen. «Schliesslich ist Schlieren eine Cluster-Stadt und konnte bereits zwei TV-Studios ansiedeln», sagt Wyss. Als absolut unbefriedigend würde er es empfinden, wenn «ein solch prestigeträchtiges Gebäude» von Gewerbe- oder Industriebetrieben «ohne prägende Ausstrahlungskraft auf die Stadt» genutzt würde.

Stadtpräsident Brühlmann lässt den Vorwurf Wyss’, der Stadtrat verhalte sich in der Sache der NZZ-Druckerei zu passiv, nicht gelten: «Wir sind mit der NZZ schon seit Monaten im Kontakt und wurden über die Ausschreibung der Liegenschaft vorinformiert», sagt er. Auch darüber, wann und für welchen Mindestpreis das Druckereigebäude verkauft würde, wusste die Exekutive Bescheid. Bereits jetzt auf einen möglichen Privat-Investor zuzugehen, erachtet Brühlmann als verfrüht. «Sobald sich das Interesse eines potenziellen Käufers konkretisiert, werden wir aber prüfen, wie weit die Stadt sich zugunsten einer künftigen öffentlichen Nutzung einbringen kann», so der Stadtpräsident.

Parlamentssaal ist ausgeschlossen

Dass man Verwaltungseinheiten oder den Parlamentssaal im ehemaligen NZZ-Gebäude an der Zürcherstrasse unterbringt, schliesst Brühlmann hingegen aus: «Das Gebäude ist schlicht zu gross und verfügt über eine für städtische Zwecke schwierige Bausubstanz.» Ausserdem erachte die Stadtregierung auch die Lage nicht als Ideal für einen Stadtsaal. Wyss’ Vermutung, dass die Stadt die Druckerei nicht selbst erwerben werde, bestätigt der Stadtpräsident: «Als Investor einzusteigen kommt für uns zurzeit nicht infrage, denn die NZZ sucht einen Gesamtkäufer.»

Dass die NZZ ihren Schlieremer Sitz verkaufen wird, zeichnete sich bereits im vergangenen November ab. Damals kündigte die Konzernleitung der NZZ-Mediengruppe an, dass sie die Druckerei schliessen werde und ihr Blatt künftig beim Tages-Anzeiger-Verlag in Zürich drucken lasse. 125 der 184 Angestellten am Standort drohte die Kündigung. Die Ausgabe vom 30. Juni war die letzte der NZZ, die in Schlieren gedruckt wurde. Bis auf rund ein Dutzend Personen haben laut einem Bericht der NZZ alle eine Anschlusslösung gefunden.