Schlieren
Wird die Amtsbeistandschaft zurückgeholt? Stadtrat zeigt sich erstaunt

Zuerst nach Dietikon, dann nach Unterengstringen und nun doch zurück in die eigene Verwaltung? Die Mandatsführung im Erwachsenenschutzrecht wird erneut Thema im Schlieremer Parlament.

Florian Niedermann
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Amtsbeistandbehörde: bald wieder in Schlieren?

Amtsbeistandbehörde: bald wieder in Schlieren?

Florian Niedermann

Zweimal beschäftigte die Amtsbeistandschaftsbehörde bereits das Schlieremer Parlament. Im Juni 2013 lehnten die Gemeinderäte einen Anschlussvertrag an das Mandatszentrum in Dietikon ab. Die Begründung: Die Auslagerung komme zu teuer. Im März 2014 genehmigte das Stadtparlament schliesslich einen solchen Vertrag mit der Gemeinde Unterengstringen. Seit dem Frühling läuft die Koordination der Schlieremer Beistandschaften nun über die Unterengstringer Vormundschaftsbehörde. Doch kaum läuft der zweijährige Versuchsbetrieb an, fordert eine Motion von Jürg Naumann (QV) und 10 Mitunterzeichnenden, dass die Mandatsführung nach Ablauf der zwei Jahre wieder nach Schlieren zurückgeholt wird. Die Begründung diesmal: Es sei für Personen, die diese Stelle beanspruchen, «unzumutbar» von Unterengstringen aus bedient zu werden. «Als Einwohner der Stadt Schlieren kann man erwarten, dass eine solche Abteilung in der eigenen Stadt angesiedelt ist», schreibt Naumann.

«Eigene Lösung ist nicht billiger»

Bereits nach dem Nein des Parlaments zum Anschluss an das Mandatszentrum in Dietikon erklärte der damalige Sozialvorstand Robert Welti (EVP), dass mehrere Gründe dagegen sprechen würden, dass Schlieren wieder eine eigene Amtsbeistandschaft aufbaut: Wegen der kleinen Zahl an Schlieremer Bebeiständeten müsste die Behörde als Einpersonenbetrieb geführt werden. «Dann kann man sich aber keine Ausfälle leisten, weder krankheitshalber noch ferienhalber», erklärte Welti damals. Müsste die Stadt eine zweite Person anstellen, so würde dies die Kosten in die Höhe treiben. «Ich habe immer gesagt, dass eine eigene Lösung nicht billiger ist, als ein Anschluss», so Welti.

Als Alternative entschied sich der Stadtrat schliesslich, einen Anschlussvertrag an die Amtsbeistandschaft der Gemeinde Unterengstringen auszuarbeiten, den das Parlament im März 2014 genehmigte. Während die Auslagerung nach Dietikon noch 560 000 Franken gekostet hätte, bezahlt Schlieren für den bewilligten Anschluss 675 000 Franken — und war damit noch teuerer, als jene Lösung, welche das Parlament noch wegen der hohen Kosten abgelehnt hatte.

Weltis Nachfolger, der aktuelle Sozialvorstand Christian Meier (SVP), erklärt auf Anfrage, dass sich an der Ausgangslage für die Stadt Schlieren seit dem Beginn der Debatte nichts geändert habe. «Sollte das Parlament dies wünschen, so wäre es sicher machbar, eine eigene Mandatsführung aufzubauen. Die Frage ist, zu welchem Preis», sagt er. Noch immer würden die Schlieremer Amtsbeistandschaftsfälle nicht für eine Vollzeitstelle ausreichen. «Die Gemeinde Unterengstringen hat dasselbe Problem, deshalb bot sich die Zusammenarbeit an», so Meier.

In seiner Motion schlägt Naumann vor, dass eine allfällig neu geschaffene Mandatsführung in Schlieren mit Gemeinden zusammenarbeiten könnte, mit denen die Stadt bereits auf anderen Ebenen kooperiere — «sofern ein Alleingang zu wenig ökonomisch ist». Die Motionäre wünschen sich jedoch «definitiv, dass diese Stelle wieder in der Stadt Schlieren angesiedelt wird».

Zeitpunkt erstaunt den Stadtrat

Zu dieser Forderung und einer möglichen Zukunft der Schlieremer Amtsbeistandschaft will sich Meier derzeit nicht äussern, sondern erst das Ergebnis der Parlamentsdebatte abwarten. «Ich wundere mich jedoch sehr darüber, dass Herr Naumann diesen Vorstoss jetzt bringt. Der früheste mögliche Kündigungstermin für den Vertrag mit Unterengstringen ist im Frühling 2016», sagt der Sozialvorstand. Es sei angezeigt, erst einmal abzuwarten, ob sich die gegenwärtige Zusammenarbeit mit Unterengstringen bewährt.

Der Motionär selbst wollte sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu seinem Vorstoss äussern. Er wolle die Diskussion um die Schlieremer Mandatsführung im Parlament führen, erklärte Naumann.

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