Die vorliegende Planung bringe «mehr Prostitution, Kriminalität und Drogen» in das Industriegebiet, heisst es in einem Communiqué, welches gestern von einem überparteilichen Komitee verschickt wurde.

«Realität wird verdreht»

Die Argumentation: Die Tatsache, dass sexgewerbliche Betriebe in einem gewissen Bereich mit einer Ausnützungsziffer von 190 Prozent zulässig seien, bedeute, «dass sich das Sexgewerbe auf rund 70000 zusammenhängenden Quadratmetern einrichten» könne. So entstehe in Dietikon «eine Sex-Zone mit grossem Einzugsgebiet», sagt der Dietiker Unternehmer Peter Hasler, der als Sprecher des Komitees fungiert. Erfahrungen im Ausland hätten gezeigt, dass solche Zonen zudem starke Magnete für Kriminalität und die Drogenszene seien.

Diese Vorwürfe seien «haltlos und polemisch», sagt Stadtplaner Jürg Bösch: «Die Realität wird hier um 180 Grad verdreht.» Tatsächlich schränke die stadträtliche Planung das Sexgewerbe ein, während dieses in der Industriezone, die bei Ablehnung der Vorlage gelte, auf dem ganzen Gebiet zulässig sei. Wie auch der verkehrsintensive Verkauf seien sexgewerbliche Betriebe im SLS-Gebiet unter der neuen Vorlage nur im Westen, rund um die Riedstrasse, möglich. «Es geht uns ja genau darum, diese beiden Nutzungen einzuschränken, damit sie sich nicht grossflächig ausbreiten können», so Bösch. Die Vorwürfe der Gegner der Vorlage seien daher «jenseits jeglicher Realität», sagt der Stadtplaner: «Das hat überhaupt keine Basis.»

Droht eine Dietiker Langstrasse?

Auch die Aussage, das Sexgewerbe könne sich auf 70000 Quadratmetern ausbreiten, sei «an den Haaren herbeigezogen», so Bösch. Dies wäre nur der Fall, wenn sich alle bereits bestehenden Unternehmen in der entsprechenden Zone zuhanden von Sexgewerbe zurückziehen würden. «Das wäre», so Bösch, «als würde ich sagen, dass sich das Sexgewerbe in der Industriezone auf den ganzen 500000 bis 600000 Quadratmetern ausbreiten könnte.» Theoretisch wäre dies jedoch gemäss den Regeln der Industriezone möglich.

Für Hasler wäre eine Verteilung der Rotlicht-Etablissements im ganzen Industriegebiet jedoch das kleinere Übel, wie er sagt: «Wir wollen eine Konzentration des Sexgewerbes rund um die Riedstrasse vermeiden. Sonst haben wir dort am Schluss eine Dietiker Langstrasse.» Dies ist jedoch nicht der einzige Punkt, an dem sich Gärtnereiunternehmer Hasler, selber Grundeigentümer im Gebiet SLS, stört. Durch eine tiefere Ausnutzung und ein strengeres Parkplatzregime würden gewisse Grundeigentümer «massiv eingeschränkt», während es die Megastores seien, die das Verkehrschaos produziert hätten. «Die Stadt hat mit dieser Vorlage vieles verpasst und wir werden nun dafür bestraft», sagt er.

Grundeigentümer und Politiker

Das überparteiliche Komitee ist laut Hasler «locker zusammengesetzt» aus Personen, welche die SLS-Vorlage aus unterschiedlichen Gründen als «verfehlt» betrachten würden. Nebst Politikern wie Kantonsrat Rolf Steiner (SP), alt Stadträtin Gertrud Disler (SP), Gemeinderat Ernst Joss (AL) oder alt Gemeinderat Manuel Peer (SP) haben sich dem Komitee auch einige SLS-Grundeigentümer angeschlossen.