Die Luberzen-Garage Merten gegenüber dem Bahnhof Glanzenberg steht schon lange an ihrer Stelle. Auch die hohen Bäume, die zwischen der Garage und den umliegenden Mehrfamilienhäusern stehen, haben ihren Platz schon lange dort. Die Gebäude der Luberzen-Garage müssen nun einem neuen, grösseren Verkaufsraum sowie einem Mehrfamilienhaus Platz machen. Dass dafür auch ein bestimmter Baum gefällt werden musste, war bekannt. Doch das unangekündigte Fällen eines zweiten, mächtigeren Baumes stösst bei den Anwohnern auf Unverständnis.

Am Dienstagmorgen fuhren die Maschinen vor. Patrick Fürer, der in einem der angrenzenden Mehrfamilienhäuser wohnt, wurde vom Lärm geweckt. «Ich traute meinen Augen kaum, als ich sah, dass dieser riesige Baum gefällt wurde», sagt er. Er war nicht der Einzige, der überrascht war. Auch Michael Merten von der angrenzenden Garage wusste von nichts – und dies, obwohl er der Bauherr des neuen Garagengebäudes ist.

Fällen war notwendig

Dem Baum zum Verhängnis wurden Parkplätze. Denn damit das neue Gebäude gebaut werden kann, mussten drei davon verschoben werden. Sie gehören zur Liegenschaft der Siemens-Pensionskasse. Toni Cherti vom gleichnamigen Architekturbüro plante im Auftrag der Siemens die Parkplatzverlegung. Es habe bereits zuvor Parkfelder unter dem Baum gegeben, sagt er. Allerdings wurden diese nicht mehr benützt. «Die Mieter beklagten sich über die herunterfallenden Tannzapfen», so Cherti. Ausserdem sei der Asphalt durch die Wurzeln des Baumes stark beschädigt gewesen. «Beim Sanieren des Belags wäre das Wurzelwerk so stark in Mitleidenschaft gezogen worden, dass der Baum dies wohl nicht überlebt hätte», erklärt der Architekt. Die Grundeigentümerin habe sich deshalb aus Sicherheitsgründen für das Fällen entschieden.

Für Anwohner wie Fürer ist dies unverständlich. Er betont den Wert des alten Baumes. «Die Kinder trafen sich immer darunter zum Spielen. Und die grosse Krone war ein Lärm- und Sichtschutz zu Strasse und Bahnlinie», sagt er. Deshalb seien er und mehrere Nachbarn auch so erstaunt gewesen, als der Baum plötzlich weg war. Er habe es nicht für möglich gehalten, dass ein solch mächtiger Baum ohne Vorankündigung einfach gefällt werden dürfe, so Fürer.

Baumschutz wird überarbeitet

Genau dies ist aber der Fall, denn es gibt im Kanton Zürich und somit auch in Dietikon keinen speziellen Baumschutz. Erst wenn ein Einzelbaum ins Inventar der kommunalen Natur- und Landschaftsschutzobjekte der Stadt Dietikon aufgenommen wird, ist er geschützt. Er darf dann nur aus zwingenden Gründen und mit Zustimmung des Stadtrates gefällt werden. Momentan wird dieses Inventar gerade überarbeitet. «Wir haben uns die bereits 1988 inventarisierten Objekte nochmals angeschaut und auch nach neuen gesucht», sagt Forstingenieur Tobias Liechti von der creato-Genossenschaft für kreative Umweltplanung, der am Inventar mitgearbeitet hat.

Bis jedoch ein Baum darin aufgenommen wird, muss er eine beachtliche Grösse haben – und er muss für die Stadt von Bedeutung sein. «In Dietikon gibt es nur wenige solche Bäume, da es eine junge Stadt mit jungen Bäumen ist», sagt Liechti. Alle Bäume in der Stadt seien jedoch Identifikationsobjekte für die Bevölkerung und ein wichtiger Teil der Lebensqualität Dietikons.

Gleicher Meinung ist auch Lucas Neff, Fraktionspräsident der Grünen im Gemeinderat Dietikon. Er setzt dies auch bei seiner Arbeit als Architekt um: Oftmals könne ein Baum nämlich nach Abklärung durch Baumpflege-Spezialisten stehen bleiben, so Neff. Für den gefällten Baum bei der Luberzen-Garage ändert das jedoch nichts mehr.