Weiningen
«Wir wollen kein Neu-Weiningen» – Plan zur Gestaltung folgt im März

Rund um das Gubristportal sieht die Gemeinde viele Chancen für die Siedlungsentwicklung – Aus dem heutigen Gewerbehaus könnte dereinst ein Verwaltungszentrum, eine Polizeistation oder gar ein Business-Hotel werden.

Alex Rudolf
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So könnte das Gebiet um das Gubrist Portal dereinst noch vor der Arealentwicklung aussehen. (Visualisierung)

So könnte das Gebiet um das Gubrist Portal dereinst noch vor der Arealentwicklung aussehen. (Visualisierung)

ZVG

Lange hat die Gemeinde Weiningen für eine Überdeckung des Gubristportals gekämpft. Nun, da durch eine Absichtserklärung zwischen Kanton, Bund und Gemeinde und Gerichtsentscheiden, ein Tunnelportal und eine Verschiebung des Halbanschlusses geprüft werden, stellt man sich die Frage, wie dieser Deckel dereinst ausgestaltet werden könnte.

Am Mittwochabend lud die Gemeinde zu einer Infoveranstaltung über die Siedlungsreparatur in Weiningen. Auf einer der über 80 Folien, die an diesem Abend gezeigt wurden, zeigte sich eine Besorgnis der Exekutive.

Ein grosser roter Pfeil, der mit dem Wort «Verwahrlosungsgefahr» beschriftet ist, prangt auf dem Portal, für dessen Kampf die Gemeinde bislang 762 000 Franken in Form von Machbarkeitsstudien, Kommunikation und Testplanungen ausgegeben hat.

«Es kommen sehr viele Faktoren zusammen»

Gemeindeschreiber Bruno Persano verwies einleitend darauf, dass «nur durch die Zusammenarbeit zwischen dem Bundesamt für Strassen (Astra), Kanton und Gemeinde ein sinnvolles Projekt erreicht wird». So wird der Kanton gemeinsam mit der Gemeinde eine Arealentwicklung erarbeiten.

Der Verkehr um das Portal wird neu

An der Infoveranstaltung vom Mittwoch gaben Gemeinde, Kanton und das Bundesamt für Strassen den interessierten Anwohnern viele Informationen zum aktuellen Stand verschiedener Projekte im Rahmen des Baus der Nordumfahrung. Hier das Wichtigste in Kürze.

Otto Noger, Leiter der Astra-Filiale Winterthur, informierte erst über die Kosten. So werden in den kommenden Jahren ungefähr 1,6 Milliarden Franken verbaut. «Dabei entfallen rund 600 Millionen Franken für den Erhalt der bestehenden Strecke, dies geht oft vergessen», so Noger.

Das Astra ist derzeit dabei verschiedene vom Bundesgericht angeordnete Prüfaufträge bezüglich des Halbanschlusses Weiningen zu vollziehen. Die Ergebnisse werden für kommenden Frühling erwartet. Derzeit könne er jedoch sagen, dass ein Verzicht des Halbanschlusses schlechte Noten bekommen habe und es für eine Verschiebung deutlich besser aussehe.

Wo der Halbanschluss dereinst gebaut wird, ist zwar noch nicht klar. Doch fest steht, dass er während dem Ausbau der Nordumfahrung bis 2022 erstellt werden soll. Zudem strebt das Astra an, bis 2018 das Projekt in die Planauflage zu schicken.

Der Entwicklungsingenieur des Amtes für Verkehr, Werner Toggenburger, zeigte die Projekte in Weiningen zum Umbau der Umfahrungsstrassen. «Wir wollen den Verkehr aus den Dörfern auf die Autobahn bringen», sagte er. Zu diesen Massnahmen gehört die Umlegung der Niederholzstrasse in der Fahrweid, ein neues Betriebskonzept für die Badener- und Regensdorferstrasse sowie ein neues Regime beim Knoten Zürcher- und Umfahrungsstrasse.

Dabei ist die markanteste Neuerung die Verkehrsberuhigung der Chübelackerstrasse, zu der die direkte Zu- und Ausfahrt gesperrt werden. Zudem werden Fussgänger und Velos nicht mehr über Brückenrampen, sondern ebenerdig verkehren. Für den Busverkehr lautet das Schlagwort Buspriorisierung. Bei diesen Plänen handelt es sich um eine Vorstudie, die als Grundlage zur Projektentwicklung dient.

Als planerische Aufgabe gelte es, das Leitbild auf der Grundlage von «Chance Gubrist», dem Projekt der Gemeinde, weiterzuentwickeln.

«Neben der Aufwertung der Umfahrungs- und Zürcherstrasse sowie der Erstellung von sicheren Fussgängerverbindungen, steht auch das Gewerbehaus im Fokus», so Persano.

Oberhalb des Portals befindet sich zudem das Servicegebäude für die Autobahn sowie ein Bunker, der heute begrünt ist und in einer Endmoräne der letzten Eiszeit erstellt wurde.

«Es kommen sehr viele Faktoren zusammen.» Hauptproblem ist, laut Persano, aber die Nutzung des Gewerbehauses.

«Anstelle der heutigen Zufahrt wird dereinst die dritte Gubriströhre erstellt. Dadurch können die Lastwagen nicht mehr wie heute problemlos zufahren», sagt er. «Man sollte sich überlegen, wie dieses Gebäude künftig genutzt werden könnte.

Gewerbehaus wird angechafelt

Warum diese Frage eine dringliche ist, wurde beim Referat von Otto Noger klar. Der Leiter der Astra-Filale Winterthur verwies darauf, dass zwar in Affoltern mit dem Bau der Röhre begonnen werde, aber «wir müssen in Weiningen wieder aus dem Boden herauskommen können», so Noger scherzhaft.

Der Weg zum Deckel - seit 10 Jahren kämpft die Gemeinde:

Bis dies soweit sei – voraussichtlich im Jahr 2021 – sollte klar sein, was mit dem Gewerbehaus passiert, da dieses vom Bau der dritten Fahrbahn tangiert wird. «Es wird von uns angechafelt».

Minimal und Maximalvariante der Entwicklung Hier zeigt sich die minimale und die maximale Entwicklung des Areals: Hauptunterschiede sind die Entwicklung der beiden Baufelder in privatem Besitz, die Erstellung des Werkhof-Gebäudes und die Weiterentwicklung des Gewerbezentrums.

Minimal und Maximalvariante der Entwicklung Hier zeigt sich die minimale und die maximale Entwicklung des Areals: Hauptunterschiede sind die Entwicklung der beiden Baufelder in privatem Besitz, die Erstellung des Werkhof-Gebäudes und die Weiterentwicklung des Gewerbezentrums.

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Sind bis dann keine anderen Pläne vorhanden, wird es vom Astra wieder in den derzeitigen Zustand aufgebaut. Entscheidet sich die Gemeinde danach für eine andere Nutzung, wäre dies ein Leerlauf.

Gestaltungsplan bis März 2016

Thomas Kieliger von der Bauherrenunterstützung des Kantons und der Gemeinden verwies dann auf die diversen Chancen, die das Gewerbehaus der Gemeinde biete. Die Aufgabe der Siedlungsreparatur will er indes nicht falsch verstanden wissen.

«Wir wollen das Gebiet nicht zubauen, sondern viel eher die Voraussetzung so attraktiv wie möglich gestalten», sagt er. Ein Raunen ging durch die Runde, als er eine neue Nutzung der Liegenschaft vorschlug. «Es könnten Teile der Verwaltung, die Polizei oder ein Business-Hotel dort erstellt werden», so Kieliger.

Ziel soll eine Adressbildung sein, die diesem Gebiet ein Gesicht geben würde.

Bereits im kommenden März soll ein Gestaltungsplan präsentiert werden, über den an der Herbstgemeindeversammlung befunden werden soll.

Ab 2017 könnten bei einem Ja zum Gestaltungsplan, ein Investoren- und Architekturwettbewerben für die privaten Baufelder West und Ost sowie den Bunker wie auch das Gewerbehaus lanciert werden. Der Werkhof der Gemeinde könnte derweil aufgrund der Arbeiten am Tunnel erst ab 2025 erstellt werden.

Volk hat das letzte Wort

«Wir wollen kein Neu-Weiningen dort draussen», resümierte SVP-Gemeindepräsident Hanspeter Haug die Haltung der Exekutive. Doch wolle man die Zerschneidung des Dorfes, die mit der Autobahn geschehen sei, wieder rückgängig machen und Weiningen wieder einen.

«Die Stimmberechtigten haben im Rahmen des Gestaltungsplans vom kommenden Jahr grossen Einfluss über diese Entwicklung.»

Einer der Anwesenden nahm diesen Einfluss gleich wahr und schlug der Exekutive vor, anstelle des Gewerbehauses ein neues Gemeindehaus zu bauen.

«Politiker sind bekannt für ihre schwammigen Aussgen», antwortete Haug mit schelmischem Unterton und fügte an, dass die Gemeinde derzeit alle Varianten prüfe.

HIER geht es zum Kommentar von Alex Rudolf