Raumfahrt
«Wir spielten Basketball mit Bowlingkugeln»

Die Woche im International Space Camp hat beim Dietiker Jon Zehnder einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Er kommt aus dem Schwärmen nicht mehr heraus.

Sophie Rüesch
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Jon Zehnder Space Camp
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Jon Zehnder Space Camp
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Jon Zehnder Space Camp

Limmattaler Zeitung

Nach einer Woche in Huntsville, Alabama, ist Jon Zehnder wieder ins beschauliche Dietikon zurückgekehrt. Der 16-Jährige hatte sich im Rahmen eines Wettbewerbs des Bundesamtes für Bildung und Forschung für das Astronautentraining im International Space Camp der NASA in Huntsville qualifiziert.

Zurück in der Schweiz kommt er aus dem Schwärmen kaum mehr heraus: «Es war eine der spannendsten Wochen meines Lebens. Ich habe nicht nur viel gelernt, sondern auch viele interessante Leute kennengelernt.»

Tauchen, Klettern, Experimentieren

Das Programm im Space Camp war aber auch streng: «Es war eine sehr dicht bepackte Woche», sagt der Gymnasiast. Und fügt hinzu: «Ans frühe Aufstehen muss man sich erst mal gewöhnen.» Dafür konnte das «Team Goddard», das aus 17 Weltraumangefressenen aus der ganzen Welt bestand, in Huntsville den Astronautenalltag hautnah miterleben.

Kletterübungen, Ritte in der Zentrifuge und Tauchgänge, die das Schwerelosigkeitsgefühl simulierten, brachten den Jugendlichen die körperlichen Anforderungen des Lebens im Weltall näher.

Besonders das Tauchen hat ihn beeindruckt: «Im zehn Meter tiefen Wassertank konnten wir mit Bowlingkugeln Basketball spielen und 100 Kilogramm schwere Stahlkugeln auf Fingern balancieren», erinnert er sich.

Vorträge über Technik und Geschichte der Raumfahrt sowie Experimente erlaubten, sich mit dem Thema auch theoretisch auseinanderzusetzen. Von Spektakulärem wie Missionsabbruchszenarien oder Profanem wie Recyling im All lernte die internationale Gruppe so einiges.

Jons persönlicher Höhepunkt war aber ganz klar die sechsstündige Simulation einer Shuttle-Mission, während der er für den Posten des Mission Scientist in Mission Control zuständig war.

Kontakte fürs Leben geknüpft

Nebst dem Einblick in die Raumfahrt gefiel Jon vor allem der Austausch mit seinen Teamkollegen. «Ich habe viele interessante, tolle und aufgeweckte Persönlichkeiten kennengelernt», sagt er.

Obwohl sprachliche Hürden kein Problem gewesen seien, sind ihm doch einige kulturelle Unterschiede innerhalb der international zusammengewürfelten Gruppe aufgefallen: Er erinnert sich zum Beispiel an einen Jungen, der noch nie in seinem Leben Kaugummi gegessen hatte, da diese in seiner Heimat Singapur verboten sind.

Auch an die Spezialitäten des Gastlandes musste er sich gewöhnen. «Das Essen hat für mich alle Stereotypen über schlechte amerikanische Kantinen bestätigt», sagt er.

Der Raumfahrt etwas näher

Was die Zukunft bringt, weiss Jon noch nicht genau. «Erst möchte ich mich auf meine Matura konzentrieren», sagt er. Doch die Woche im Space Camp hat ihm den Traum vom Weltall doch etwas näher gebracht: «Das Programm hat mich sicher angespornt, meine Ziele in diese Richtung weiterhin zu verfolgen. Es hat mir das Ganze auch etwas greifbarer, ja realistischer gemacht», stellt er fest.

Bis auf Weiteres ist Jon wieder im normalen Leben eines Dietiker Gymnasiasten angekommen. Doch: «Was bleibt sind tolle Bekanntschaften, der Wille, meine Zukunft etwas in Richtung Raumfahrt zu lenken, und Erinnerungen an eine der besten Wochen meines Lebens bis jetzt.»