Zehntenscheune Dietikon
"Wir sind zufrieden mit dem Standort": Heimatkundler wollen nicht zügeln

Die Stadt muss auf Wunsch des Dietiker Gemeinderats in Sachen Zehntenscheune noch einmal über die Bücher - und Wege finden, wie man die Scheune sonst noch nützen könne.

Gabriele Heigl
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Noch schläft die Zehntenscheune ihren Dornröschenschlaf – hübscher wird sie dadurch aber nicht.

Noch schläft die Zehntenscheune ihren Dornröschenschlaf – hübscher wird sie dadurch aber nicht.

Fabienne Eisenring

«Mir wäre es lieber gewesen, wenn das Postulat nicht überwiesen worden wäre.» Regula Stauber, Leiterin der Dietiker Kommission für Heimatkunde und des Ortsmuseums, sass im Auditorium der letzten Dietiker Parlamentssitzung. Bei dem mit 21 Ja- zu 8 Neinstimmen an den Stadtrat überwiesenen Postulat handelt es sich um einen Vorstoss mit dem Ziel, die künftige kulturelle Nutzung der Zehntenscheune noch einmal zu überdenken.

Postulant Markus Erni (SVP) brachte darin eine neue Idee ins Spiel, die die Heimatkundekommission ablehnt: den Umzug des Ortsmuseums in das noch zu sanierende historische Gebäude im Kronenareal. «Der Kommission ist es wichtig, dass das Heimatmuseum im Strohmeierhaus bleibt, sie ist sehr zufrieden mit dem Standort», so Stauber. Ausserdem hält sie nichts davon, die Zehntenscheune mit dem Museum für andere Nutzungen zu blockieren.

Im Raumkonzept der Stadt ist die Rede von drei Örtlichkeiten für kulturelle Nutzung: Dem Stadtkeller, dem Gleis 21 und eben der Zehntenscheune, die speziell für kleinere Anlässe genutzt werden soll. Erni bezweifelt allerdings, dass dieser Bedarf da ist. «Es gibt auch noch die Kirchgemeindehäuser, den Gemeinderatssaal, Musikzimmer und Aulen in den Schulhäusern sowie die Turnhallen», heisst es im Postulat.

Es stelle sich die Frage, welche Nische ein zusätzlicher in der Zehntenscheune zu schaffender Kulturraum füllen könnte. Erni moniert, dass seit dem Erwerb der Zehntenscheune zusammen mit der Krone ausser einer kulturellen Nutzung keine andere Möglichkeit in Betracht gezogen wurde – und nennt in diesem Zusammenhang die Variante, das Ortsmuseum vom Strohmeierhaus beim Stadthaus in die Scheune zu verlegen.

Sorge um den Fortbestand

Egal ist das Nutzungskonzept der Zehntenscheune auch Regula Stauber nicht, schliesslich leitet sie die Heimatkundekommission. Sie findet es primär wichtig, dass bald die Hülle des maroden Gebäudes saniert wird, damit keine weiteren Schäden entstehen. Aber die Kommission mache sich auch Sorgen um den Fortbestand des Strohmeierhauses und dessen Park, wenn vom Ortsmuseum niemand mehr das Gebäude unterhalten würde. Seit 39 Jahren ist das Museum im Strohmeierhaus untergebracht.

In dieser Zeit wurden diverse Investitionen getätigt, etwa in den Ausbau des Kellers, in die Aussenrenovation und in neue Fenster. Im nächsten Jahr soll der 40 Jahre alte Teppich im Parterre entfernt und das Parkett freigelegt werden. Stauber: «Für unsere Stadt ist dieses Haus besonders geeignet als Ortsmuseum. Museen in Bauernhäusern und Scheunen gibt es in der Umgebung schon genug.»

Regula Stauber kann auch die Argumentation von Hochbauvorsteherin Esther Tonini nachvollziehen, die die Scheune ideal für Aufführungen und Ausstellungen hält und wo man Synergieeffekte mit der daneben liegenden Krone nutzen könnte, etwa für ein Catering. Tonini hält wie Stauber nichts von einem Scheunen-Museum. Damit würde man einen Ort schaffen, der nur zwei Stunden pro Woche offen ist, meinte sie an der Parlamentssitzung. Eine Kombination von Theater und Museum gehe nun mal nicht.

Erni dagegen ist überzeugt, dass dies der falsche Ansatz ist: «Bei der Nutzung der Zehntenscheune rennt der Stadtrat mit Scheuklappen nur in eine Richtung: Kultur, Kultur, Kultur. Und wenn die Stimmbürger Nein zum Sanierungskredit sagen, rennt man buchstäblich gegen die Wand.» Der Stadtrat soll jetzt, obwohl bereits acht Architekturbüros an einem kulturellen Nutzungskonzept arbeiten, Möglichkeiten aufzeigen, was man sonst noch machen könnte. «Dass ich persönlich den Standort als Ortsmuseum perfekt finde, lassen wir jetzt mal beiseite», so Erni.