Alle Augen waren auf eine unscheinbare braune Schachtel mit roter Schleife gerichtet. Oskar Steinacher stand umringt von vier anderen Personen auf der Treppe vor dem Weininger Gemeindehaus und drückte Gemeindepräsident Mario Okle (parteilos) das Päckli in die Hand. Darin befanden sich Listen mit insgesamt 467 Unterschriften. Steinacher wohnt an der Chübelackerstrasse. In den vergangenen zwei Monaten sammelten er und weitere Anwohner Signaturen für ihre Petition.

Diese soll die Schliessung der Chübelackerstrasse abwenden. Der Kanton will im Zuge der Neugestaltung der Kreuzung der Umfahrungs- und Zürcherstrasse, die aufgrund des Baus der dritten Gubrist-Röhre nötig wird, die Chübelackerstrasse zur Sackgasse machen. Die Anwohner sollen ihr Quartier ab 2021 nur noch über die Ifang- und Chalofenstrasse erreichen, da ihre Strasse dann nicht mehr an die Kreuzung am östlichen Ortseingang angeschlossen sein wird (die Limmattaler Zeitung berichtete).

Gute Chancen

«Wir sind mehr als zufrieden mit dem Resultat», sagt Steinacher. Man habe mit 200 bis 300 Unterschriften gerechnet. Dass sich nun so viele Menschen hinter ihr Anliegen stellen würden, sei sehr erfreulich. 280 Unterschriften stammen von Weininger Einwohnern, die restlichen 187 von Verwandten, Bekannten, Handwerkern und Zubringern. «Mit dieser beachtlichen Zahl rechne ich uns gute Chancen aus, dass der Gemeinderat die Lage neu beurteilen muss», sagt Anwohner Heinrich Mühle, der bei der offiziellen Übergabe ebenso dabei war. Er startete die Petition im Juni und reichte zusätzlich Einsprache gegen die Umgestaltung der Kreuzung bei der kantonalen Baudirektion ein. Vier weitere Anwohner taten es ihm gleich. Der Entscheid ist laut Baudirektion im Herbst zu erwarten.

Die Anwohner befürchten, dass durch die neue Verkehrsführung im Quartier mehr Lärm und Abgase entstehen und dass die Sicherheit leidet, da die Quartierstrassen schmal und unübersichtlich sind. Sie sprechen sich statt der geplanten Kreuzung mit Lichtsignalanlage für einen Kreisel aus, an den auch die Chübelackerstrasse angeschlossen ist.

Durch die ansehnliche Unterstützung der Petition sind die Erwartungen der Anwohner nun hoch, dass ihrem Wunsch entsprochen wird. «Der alte Gemeinderat erwies sich als nicht Chübelacker-freundlich. Wir hoffen, dass das bei dir Mario und den neuen Gemeinderatsmitgliedern anders aussieht», sagt Steinacher. Der Gemeindepräsident gibt sich zurückhaltend. «Ich gratuliere Ihnen zu diesem Ergebnis. Ich würde mir wünschen, dass sich die Bevölkerung in allen Belangen der Gemeinden so engagiert», sagte Okle. Er verspreche, dass der Gemeinderat das Anliegen ernst nehme. «Ich kann aber nicht versprechen, dass es tatsächlich so ausgeht, wie Sie es sich wünschen.» Der Gemeinderat vertrete das gesamte Dorf und nicht nur einen Teil davon.

Kleine Früchte hat der Protest der Anwohner aber bereits getragen: «Wir haben im Wissen um die Petition schon mit den Planern gesprochen und werden nun schauen, was wir machen können», sagte Okle. Die Gemeinde entscheide aber nicht alleine. Der Kanton, der Bund und die Verkehrsbetriebe Zürich hätten auch noch ein Wörtchen mitzureden.