Hier treffen sich die Biker in der Wintersaison – bei gedimmtem Licht und Rockmusik, versteht sich. Es werden die üblichen Stammtisch- und Benzingespräche geführt und es wird auch gefeiert – alles so, wie man es aus klischierten Biker-Filmen kennt.

Frauen sind nicht zugelassen

Aber das Clubhaus in der Schlieremer Industrie ist nicht für jedermann zugänglich: Neue Besucher werden am Eingang gemustert, beim zweiten oder dritten Besuch kann man eine Gönnerkarte lösen. «Es ist ein Privatclub für Familie, Freunde und unsere Fans», sagt Köck mit ernster Miene. Köck heisst eigentlich Daniel Kistler, aber wie alle im Club will er nur beim Spitznamen genannt werden. Er ist der beschützende Kopf des Biker-Clubs und einer der Gründerväter. Im Frühjahr 1994 schloss sich der heute 51-Jährige mit weiteren Harley-Bikern zusammen und gründete zunächst den Club «Free Bikers MC Limmat-Canyon». Seither habe sich nebst dem Clubnamen auch sonst vieles verändert – ausser das, was die Thors noch heute verbindet: wahre Männerfreundschaft.

Egal welches Problem ein Mitglied habe, bei den anderen stosse man immer auf offene Ohren: «Wir greifen einander stets unter die Arme», sagt Köck und fügt schmunzelnd hinzu: «Wir sind eine kleine Männerfamilie.» Und wer Teil dieser Familie werden wolle, müsse sich erst beweisen: «Während mindestens einem Jahr gilt man bei uns als Anwärter für eine Mitgliedschaft. Wir beobachten in dieser Zeit, ob der Anwärter zu uns passt und eine Freundschaft entsteht», sagt er.

Frauen sind – wie bei allen Motorradclubs – zwar als Mitglieder nicht zugelassen, werden aber trotzdem in die Gemeinschaft eingebunden und sind bei Ausflügen und Feiern dabei: «Wir passen gut auf unsere Frauen auf», versichert Köck, während die anderen zustimmend nicken. Mehr als die Hälfte der 14 Biker sind verheiratet und haben Kinder. Wie wichtig die Familien sind, wird klar, wenn man die «Thors« nach ihrem Highlight aus der zwanzigjährigen Clubgeschichte fragt: «Griechenland», antworten alle fast gleichzeitig. Denn vor vier Jahren fuhren sie zusammen mit ihren Familien auf den Harleys durch halb Europa: «Ein wirklich unvergessliches Erlebnis», sagt einer der Biker.

Gefeiert wird mit dem Volk

Die «Thors» sind viel unterwegs. Probleme mit anderen Clubs haben sie aber nicht, wie Köck sagt: «Das ist in der Schweizer-Szene so üblich.» Natürlich sei es nervig, wenn man mit Vorurteilen über Biker-Clubs konfrontiert werde – aber das komme zum Glück immer seltener vor. Wer mit ihnen zu tun habe, sehe, wie volksverbunden sie seien: zum Beispiel am Schlierenfest, wo sie mit dem Handballclub Schlieren die Piranha-Bar betreiben oder am mittlerweile legendären Wald-Fondue-Anlass, den sie jedes Jahr für die Schlieremer Bevölkerung auf die Beine stellen. Möglich seien solche Aktionen auch dank einer grossen Fangemeinschaft und grosszügigen Sponsoren. Deswegen wollen die leidenschaftlichen Biker auch ihr Jubiläums-Fest am Samstag wieder mit allen feiern: «Es wird ein riesiges Ereignis. Jeder ist willkommen», sagt Köck, bevor er sich am Stammtisch im Clubhaus wieder der umfangreichen Festplanung zuwendet.