Die Baustelle befindet sich mitten im Wohnquartier. Die Wohnhäuser sind nur einen Steinwurf entfernt. Trotzdem bekommt man die Bagger und die metertiefe Grube von aussen kaum zu Gesicht. Lärmschutzwände kapseln die Baustelle, so gut es geht, von der Umwelt ab. Lediglich von der Hauptstrasse aus ist zu sehen, was sich im Grenzgebiet von Weiningen und Unterengstringen seit einigen Monaten tut. Die Arbeiten am Ausbau der Nordumfahrung Zürich sind dort in vollem Gang.

Am Samstag nun bot sich die Gelegenheit, aus nächster Nähe zu erfahren, wie das Projekt vorankommt. Das Bundesamt für Strassen (Astra) lud zu einem Blick hinter die Kulissen. Im Rahmen eines «Tags der Baustelle» konnten sich Neugierige aus erster Hand über den Stand der Bauarbeiten informieren lassen. Neben der Baustelle in Weiningen liessen sich sechs weitere Standorte besichtigen, an denen am Projekt, das 2025 fertiggestellt werden soll, gearbeitet wird.

Mit mehr als 100 000 Fahrzeugen pro Tag gehört die Nordumfahrung Zürich schon heute zu den am stärksten befahrenen Strassenabschnitten der Schweiz. Alles deutet gemäss Astra darauf hin, dass sich das Verkehrsaufkommen in den nächsten Jahren noch erhöhen wird. Eine Vergrösserung der Strassenkapazität wird damit unumgänglich.

Die künftig drei Streifen pro Fahrtrichtung machen auch eine neue Tunnelröhre durch den Gubrist notwendig. Ihr ist die Baustelle in Weiningen zu verdanken, die einen Blick auf den ersten, etwa 200 Meter langen Abschnitt gewährt. Dieser wird hier im Tagbau erstellt, wie man die Bauweise, bei der der Tunnel von oben her, durch Aushebung einer Grube und nachfolgender Ummantelung, erstellt wird, nennt. Der Grossteil der Röhre wird dann geschlossen gebaut, in diesem Fall durch Sprengung von Affoltern her.

Vor allem Anwohner liessen sich über die Baustelle informieren.

Vor allem Anwohner liessen sich über die Baustelle informieren.

So wenig Lärm wie möglich

«Wir sind auf Kurs», sagt Roland Hug, Projektleiter für diesen Abschnitt. «Verläuft auch weiterhin alles nach Plan, wird die rund drei Kilometer lange Röhre im Jahr 2022 fertiggestellt sein.» Sie soll dann den Verkehr in Richtung Bern und Basel führen. Die Fahrbahnbreite wird elf Meter betragen, der Ausbruchsquerschnitt knapp 16 Meter. In der Schweiz gibt es keinen zweiten Tunnel mit diesem Ausbruchsdurchmesser im Hartgestein.

Hug betont, dass man bemüht ist, den Bedenken der angrenzenden Bevölkerung Rechnung zu tragen. Namentlich soll der nach aussen dringende Lärm minimiert werden. «Es wird hier nur im Einschichtbetrieb gearbeitet.» Ab 17 Uhr müssen die Arbeiten eingestellt werden, die Feierabendruhe der Weininger will man nicht stören.

Ausserdem wurde die Baustelle mit hohen Schallschutzmauern umgeben. Laut Hug sind solche Massnahmen aussergewöhnlich, zumal der Schallschutz nur vorübergehend ist und nach Vollendung der Bauarbeiten wieder weggeschafft werden muss. «Die unmittelbar angrenzenden Wohnhäuser wurden zudem mit Schallschutzfenstern ausgestattet», so Hug.

Obschon am Samstag zahlreiche Veranstaltungen lockten – die Badenfahrt, das Unspunnenfest, Openairs – waren am Vormittag einige Interessierte auf der Baustelle anzutreffen. Jürg Bammatter sagte, dass er sich bis jetzt nicht am Lärm gestört habe. «Ich bekomme davon eigentlich gar nichts mit.» Das könne aber auch damit zu tun haben, dass er tagsüber ausser Haus sei. Werner Bösch, der etwa 100 Meter von der Baustelle entfernt wohnt, hat bisweilen etwas Lärm registriert.

«Es ist aber erträglich.» Weniger erträglich war für ihn das Zustandekommen des Projekts, das er als Trauerspiel bezeichnet. «Niemand dachte über die eigene Nase hinaus.» Anstatt von Anfang an Kompromissbereitschaft zu zeigen, habe man kaum auf Weiningen Rücksicht genommen. So hat sich der Baubeginn Jahr für Jahr verzögert. «Sparen kostet eben verdammt viel Geld», resümiert Bösch. Die neue Gubriströhre wird den Bund voraussichtlich 550 Millionen Franken kosten, etwa dreimal so teuer dürfte das Gesamtprojekt werden.