Weiningen
Wir produzieren genug Strom für drei Gemeinden des Limmattals

Die Weininger Firma Richi AG befeuert ein Biomassekraftwerk und denkt über die Nutzung der Abwärme nach. Das Biomassekraftwerk ist seit fünf Jahren am Netz. Jakob Richi wollte das Altholz nicht mehr nach Italien fahren, sondern vor Ort verwerten.

Flavio Fuoli
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Den Blick in die Zukunft gerichtet: Jakob Richi. (Flavio Fuoli)

Den Blick in die Zukunft gerichtet: Jakob Richi. (Flavio Fuoli)

AZ

Einmal im Gespräch, ganz spontan, sagte Jakob Richi: «Und plötzlich ist die Welt anders.» Geändert hat sich die Welt auch für den in dritter Generation als Geschäftsführer der Weininger Richi AG tätigen Unternehmer schon vor Jahren, vor Fukushima, auf das sich der Ausspruch bezieht.

Jakob Richi, 54, wurde nämlich belächelt, als er scheinbar Geschäftsschädigendes im Sinne hatte. Als Transportunternehmer war ihm ein Dorn im Auge, dass seine Firma jährlich 900 bis 1000 Fahrten mit Altholz nach Italien unternahm. «Obwohl wir Logistiker sind, haben wir kein Interesse an langen Transporten. Daraus ist die Idee der Verbrennung vor Ort entstanden.»

Aufgedrängt habe sich das Verfahren der Verbrennung, weil sich damit Dampf erzeugen lässt. «Mit dem produzierten Dampf treiben wir eine Turbine an, und die macht Strom. Der Strom geht ins Netz und ist für die Region bestimmt», erklärt Jakob Richi. Sämtlicher Strom wird ins Netz gespeist. Er hat einen Vertrag mit den EKZ.

Die Turbine bietet 2,5 bis 3 Megawattstunden Leistung. Jakob Richi erklärt langsam und genau und relativ einfach. Es ist ihm ein grosses Anliegen, dass das Funktionieren der Anlage und die daraus gewonnene Energie auch dem Laien verständlich sind. «Bei 8600 Stunden, die das Jahr zählt, läuft sie 7000 Stunden. Sie ist also 80 bis 85 Prozent der Zeit in Betrieb. Die Differenz von 1600 Stunden wird benutzt für Unterhalt und Revisionen, weil der technische Teil sehr intensiv beansprucht wird.»

Strom für drei Gemeinden

Die Jahresproduktion beträgt 18000 Megawatt elektrische Energie, das sei in etwa so viel, wie Oetwil, Geroldswil und Weiningen an Elektrizität verbrauchen – weil sich bei ihnen wenig Industrie angesiedelt hat. Für Dietikon brauchte es mehrere solcher Anlagen. Die Energie, die ins Netz gespeist wird, verkauft die EKZ als grünen Strom. Mit dem Stromgewinn kommt die Einsparung durch die nicht durchgeführten Holztransporte. Richi rechnet auf einem Zettel das Ergebnis sofort aus: Es sind rund 300000 Liter Diesel.

Das Holz stammt aus der Bauwirtschaft der Region, vor allem aus Rückbauten von alten Gebäuden. Auch die Industrie liefert an, Verpackungsmaterial, oder aus Brockenhäusern kommen alte Möbel. Gehen behandelte Hölzer als Biomasse durch? «Wir können naturbelassenes und belastetes Altholz aufbereiten», erklärt Richi. Schadstoffe würden dennoch nicht in die Atmosphäre gelangen. Die Anlage muss KVA-Standard erfüllen. Das heisst, sie enthält eine umfangreiche Abgasreinigung mit Zyklonfilter für die Grobreinigung, Elektrofilter für das mittelfeine Material und zwei Nasswaschstufen für die Feinstaubentfernung. «Was oben rauskommt, ist reiner Wasserdampf, der aus der Nasswäsche stammt. Tatsächlich: Bei der Hinfahrt war die reinweisse Dampffahne, die neben Bergen von Altholz in den Himmel stösst, schon von weitem zu sehen.

Falls in Zukunft der Markt für Altholz nicht mehr spielen sollte, richtete die Richi AG zwei Zusatzlinien für Speisefette und Speiseöle ein. Diese werden derzeit nicht bestückt. Aber vorbereitet will man sein. Denn Speisefette und Öle sind auch Biomasse und CO-neutral, im Gegensatz etwa zu Motorenöl, das nicht verwendet werden kann.

Das Thema Stoffkreisläufe interessiert

Sind Sie ein Grüner? «Vermutlich ja, sonst käme ich nicht auf solche Ideen», kommt es wie aus der Pistole geschossen. Das Thema Stoffkreisläufe interessiere ihn, auf kurzem Weg Materialien zu verwerten und nur noch Teile davon zu entsorgen. Zum Beispiel der Rückbau ganzer Häuser: Es fallen Holz, Steine, Plastik und Eisen an. «Unser Ziel ist, das Material auf der Baustelle zu separieren. Das Holz kommt ins Biomassekraftwerk und der Beton und der Bauschutt wird bei uns zu Recycling-Beton aufgearbeitet.

Das Werk Weiningen produziert 70 Prozent ausschliesslich Recycling-Beton und braucht nur noch 30 Prozent Primärmaterial. Das Eisen führen wir dem Alteisenhandel zu. Nur Brennbares wie Plastik, Papier und Verpackungsmaterial geht im Moment noch in die Kehrichtverbrennungsanlage.»

Klar, dass sich Jakob Richi auch hier seine Gedanken macht. Hier gäbe es Zukunftspotenzial durch eine tiefere Sortierung. Man könnte aus Plastik in Weiningen ebenfalls Wertstoffe zurückgewinnen. Was mache Sinn, was nicht? «Wir müssen das noch eruieren.» Da wollen wir doch nachhaken: Sind Sie nun wirklich ein Grüner? «Ganz unbewusst über die Stoffkreislaufthematik bin ich zu dem geworden, was man heute als Grünen bezeichnet. Zum Schutz von natürlichen Ressourcen und um Deponieraum zu schonen soll man möglichst viel auf kürzesten Distanzen wiederverwerten.»