Bischof Huonder
«Wir müssen wieder etwas ausbaden»: Aussagen Huonders schaden Kirche

Limmattaler Vertreter der katholischen Kirche kritisieren Bischof Huonder. Dessen Aussagen würden ein schlechtes Licht auf die Kirche werfen.

Alex Rudolf
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Bischof VitusHuonder.

Bischof VitusHuonder.

KEYSTONE

Der Churer Bischof Vitus Huonder gerät aus den Negativschlagzeilen nicht mehr heraus. Nachdem er an einem Vortrag von vorletzter Woche im deutschen Fulda eine Stelle aus dem Alten Testament zitierte, wonach Homosexuelle für gleichgeschlechtlichen Sex mit dem Tod bestraft werden sollen, reichte eine Privatperson am Montag Strafanzeige gegen den Bischof ein.

Vitus Huonders Aussagen schlagen Wellen bis ins Limmattal. Sehr viele äusserst negative Reaktionen hätten ihn erreicht, sagt Kurt Vogt, Pfarrer des Seelsorgeraums Dietikon-Schlieren. «Einmal mehr dürfen die Pfarreien des Bistums Chur eine Aussage des Bischofs ausbaden», so Vogt. Dabei würde er Huonders Aussagen keineswegs verteidigen: «Ich verweise stets auf die Replik von Bischof Büchel.» Der St. Galler Bischof ist Präsident der Schweizer Bischofskonferenz und bezog vergangene Woche in den Medien Stellung. Er verwies darauf, dass nicht das Geschlecht eines Paars, sondern die Art und Weise der Beziehung im Vordergrund stehe. «Dem schliesse ich mich vollumfänglich an», so Vogt.

Noch keine Kirchenaustritte

Die von Bischof Huonder getätigten Aussagen stünden in dieser Form zwar im Alten Testament, sagt Vogt, die Interpretation derselben Aussagen entspreche aber nicht der Fortführung in der Bibel und der heutigen Theologie, widersprechen gar dem Katechismus. «Viele Stellen des Alten Testaments haben mit der heutigen Lebensrealität nicht viel zu tun», so Vogt. Doch trifft Vogts Kritik nicht nur Bischof Huonder. Auch der gesellschaftliche Stellenwert der Sexualität stellt er an den Pranger: «Wir sollten uns weitaus grösseren Herausforderungen der heutigen Zeit stellen», sagt er und verweist auf die Flüchtlingsströme, die Kriege, die Christenverfolgung und auf die Umweltpolitik.

Zwar haben seine Pfarreien noch keine Kirchenaustritte wegen Huonders Äusserungen erhalten, doch würde es Vogt nicht überraschen, wenn diese noch eintreffen würden. «Dabei sollte man nicht austreten, sondern viel eher auftreten», sagt er. Damit sei gemeint, als Katholik anderen Menschen gegenüber Wertschätzung zu zeigen.

Bruno Frigerio, Präsident der Kirchenpflege Birmensdorf, Uitikon und Aesch, verurteilt die Aussagen Huonders schärfstens. «Dies war komplett fehl am Platz», sagt er auf Anfrage. Kommen negative Reaktionen aus der Gemeinde, dann versuche er zu erklären, dass es keineswegs die Meinung der katholischen Kirche sei, sondern viel eher die persönliche Meinung von Huonder. «Dass er diese als Bischof so plakativ kundtut, ist auch problematisch», sagt Frigorio.

Kirche bleibe im Dorf

Der Präsident der Geroldswiler Kirchenpflege, Hans Hintermann, hat aus der Bevölkerung die eine oder andere negative Reaktion erhalten. «Heute Abend findet eine Sitzung der Kirchenpflege statt, an der die Aussagen des Bischofs sicherlich thematisiert werden», sagt er. Habe Huonder die Aussagen wirklich so schwulenfeindlich gemeint, wie diese von den Medien kolportiert wurden, dann verurteile er diese. «Denn homosexuelle Menschen gehören zu unserer Gesellschaft.» Doch könne er sich auch vorstellen, dass die Passage von Huonders Referat aus dem Kontext gerissen worden sei. Die Auswirkungen auf seine Kirchgemeinde schätzt er als gering ein: «Bei uns ist die Kirche im Dorf und Chur ziemlich weit entfernt», so Hintermann.

Der Pfarrer der Urdorfer Katholiken, Max Kroiss, weilt derzeit in einem Sabbatical und war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Der Kirchpflegepräsident, Christian Tomasi, hingegen sagt auf Anfrage, dass an ihn noch keine Huonder-Kritik herangetragen wurde. «In erster Linie ist dies ein Problem des Bistums Chur respektive des Bischofs», sagt Tomasi. Würde Kritik an ihn herangetragen, würde er auch an diese Adresse weiterverweisen.