«Wir haben erst unsere Flitterwochen hinter uns» – EHCU-Coach Niki Sirén blickt auf turbulente Saison zurück

Nach dem Saisonabbruch im Amateureishockey spricht EHC-Urdorf-Coach Niki Sirén über seine Zukunft.

Ruedi Burkart
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Niki Sirén fühlt sich wohl beim EHC Urdorf: «Alle, denen ich begegnet bin, habe ich als sehr nett und hilfsbereit wahrgenommen.»

Niki Sirén fühlt sich wohl beim EHC Urdorf: «Alle, denen ich begegnet bin, habe ich als sehr nett und hilfsbereit wahrgenommen.»

Bild: Ruedi Burkart

Kurz vor Weihnachten passierte das Unausweichliche. Wegen den immer noch hohen Coronazahlen entschied die Regio League, die seit Ende Oktober 2020 unterbrochenen Eishockey-Meisterschaften in den unteren Ligen per sofort abzubrechen. Besonders bitter ist dies für den 3.-Ligisten EHC Urdorf, der alle vier bisherigen Meisterschaftspartien gewonnen und Ambitionen für den Aufstieg angemeldet hatte.

Wir dürfen Ihnen gratulieren, Niki Sirén.

Niki Sirén: Danke – aber wofür?

Sie werden als derjenige Trainer in die 80-jährige Geschichte des EHC Urdorf eingehen, der den mit Abstand besten Punkteschnitt erreicht hat. Drei Punkte pro Partie – das gab’s noch nie.

Ja, das tönt super. Statistisch gesehen könnte das aber nur pures Glück gewesen sein, oder? Im Ernst: Ich hätte es natürlich lieber gesehen, wenn wir diesen Punkteschnitt auch nach 18 Partien gehabt hätten. Aber ja, eine Saison ungeschlagen zu beenden, ist natürlich sehr schön!

Spass beiseite: Ihre erste Zeit beim EHC Urdorf war kurz und intensiv. Sie wurden Ende September als Chefcoach vorgestellt und führten das Team zu vier Siegen in der 3. Liga. Nur einen Monat nach Ihrer Ankunft auf der Weihermatt verkündete der Bundesrat neue Verschärfungen im Kampf gegen Corona. Danach durfte Ihr Team nicht einmal mehr trainieren. Wie war diese Zeit für Sie und die Mannschaft?

Als die erste Meldung betreffend Saisonunterbruch eintraf, durften wir nur mit 14 Spielern aufs Eis und ohne Körperkontakt trainieren. Da haben wir unseren Fokus auf persönliche Skills gelegt. Wir haben stets zwei bis drei Eistrainings pro Woche für die Spieler organisiert mit dem Ziel, unsere individuellen Fähigkeiten zu verbessern. Dies, um gut vorbereitet zu sein, sollte der Meisterschaftsbetrieb im Dezember oder Januar tat­sächlich wieder aufgenommen werden.

Wie haben Sie Ihre Spieler seit Mitte Oktober bei Laune gehalten?

Ich muss sie nicht bei Laune ­halten, das machen sie selber und das freut mich enorm. ­Daher musste ich auch keine grossen Hollywood-Reden oder solche Sachen vorbereiten, um die Jungs zu motivieren. Alle sind mit einem Lächeln ­hinter der Maske in die ­Garderobe gekommen und so auch meistens wieder nach Hause gegangen. Ich habe die Trainings genossen, und ich hoffe, die Spieler mehrheitlich auch.

Wie gross waren die Hoffnungen, dass die 3.-Liga-Saison weitergeführt wird?

Ich hoffte noch bis am 23. Dezember (als die Regio League die Meisterschaft definitiv abgebrochen hatte, Anmerkung der Redaktion) auf einen Restart. Dass wir wenigstens einige Spiele im Februar, März oder April bestreiten könnten. Darauf haben wir uns seit Ende Oktober vorbereitet. Darum bin ich ein wenig enttäuscht über die Entscheidung, auch wenn ich die Gründe sehr gut nachvollziehen kann.

Wie geht es jetzt weiter? Stehen Sie nach dem Saisonabbruch noch in Kontakt mit der Mannschaft?

Ja. Denn jetzt heisst es: Nach der Saison ist vor der Saison. Wir legen per sofort den Fokus auf die 3.-Liga-Meisterschaft 2021/22.

Mit anderen Worten: Sie bleiben Chefcoach in Urdorf und vollenden im kommenden Winter die angefangene Arbeit? Sprich: Sie peilen den Aufstieg in die 2. Liga an?

Das ist noch nicht klar. Ehrlich gesagt plane ich wenig voraus. Wenn alle Faktoren bekannt sind und für mich stimmen, dann höre ich auf mein Bauchgefühl und fälle eine Entscheidung.

Laut Vereinspräsident Daniel Bucher wird ein erstes Gespräch bezüglich einer Weiterverpflichtung im Laufe des Januars stattfinden.

Da haben Sie’s: Dann werden wir nächstens mehr wissen.

Trotz Corona und den ­Folgeerscheinungen: Wie lautet Ihr Fazit zu der Zeit in Urdorf seit ver­gangenem September?

Sehr, sehr positiv. Die Mannschaft hat so engagiert trainiert und gearbeitet, wie ich es erwartet und gehofft habe. Die Stimmung in der Garderobe und draussen auf dem Eis war stets sehr gut. Und die Jungs haben meine Philosophie und die taktischen Systeme akzeptiert und versucht, sie umzusetzen. Es zeigt auch, dass die meisten auch mein gebrochenes Deutsch verstehen. Natürlich haben wir jetzt erst unsere Flitterwochen hinter uns, alles ist super gelaufen, wir mussten nie richtig untendurch. Aber wie gesagt, wir nehmen es gern so und ich bin sehr zufrieden.

Wer neu zum EHC Urdorf stösst, hebt gerne die familiäre Stimmung im Verein hervor. Sind das nur schöne Worte oder ist da was dran?

Ich glaube schon, dass das stimmt, obwohl ich natürlich bis jetzt sehr wenige Leute ausserhalb der 1. Mannschaft getroffen habe. Aber alle, denen ich begegnet bin und die ich kennen lernen durfte, habe ich als sehr nett und hilfsbereit wahrgenommen.

Von Ihrer professionellen Art und Ihrer positiven Ausstrahlung schwärmt ganz Urdorf. Sportchef Urs Landis sagte einmal, Ihre Verpflichtung sei wie Weihnachten, Ostern, Pfingsten und Geburtstag zusammen. Da kann man fast nicht anders, als eine Saison ­dranzuhängen.

Ja, ja, der Urs (schmunzelt). Der hat damals einen ganz schlechten Tag gehabt, darum hat er das wohl gesagt. Aber wenn es tatsächlich so ist, sollte ich ­vielleicht wirklich nach Urdorf ziehen!

Vielleicht sollten Sie das tatsächlich.

Man könnte jetzt natürlich ­sagen, dass ich unbedingt eine zweite Saison anhängen und die Arbeit mit dem Aufstieg vollenden sollte. Aber vielleicht sollte ich jetzt auch sagen: Danke, das war’s.

Ich kann mir vorstellen, worauf Sie hinauswollen.

Eventuell habe ich meinen Karrierehöhepunkt als Trainer bereits erreicht und sollte mit der aktuellen 100-Prozent-Siegesquote einfach aufhören. Nein, im Ernst: Am besten halten wir die Füsse still und warten die Gespräche mit dem Vereins­vorstand ab. Dann können wir gerne wieder auf das Thema ­zurückkommen.

Eine andere Frage: Sie wurden im finnischen Kouvola geboren, sind schweizerisch-finnischer Doppelbürger. Wie und wo haben Sie Silvester gefeiert?

Zuerst eine kleine Korrektur: Ich bin nicht Doppelbürger, noch nicht. Aber der Prozess läuft. Und Silvester haben wir ganz ruhig daheim gefeiert, da sich unsere beiden Söhne in Quarantäne befunden haben.