Geroldswil
«Wir haben den Pachtzins halbiert»: Nach Streitigkeiten folgte doch eine Einigung

Vor einem Jahr herrschte böses Blut. Trotzdem haben die Gemeinde und das Hotel Geroldswil nun den Pachtvertrag bis 2022 verlängert. Wie es zur Einigung kam, erklären der Gemeindeschreiber und der Hotelmanager.

David Egger
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Das Hotel Geroldswil und die Gemeinde haben den Pachtvertrag doch noch verlängert: Hotelmanager Roberto Carpentieri (l.) und Gemeindeschreiber Beat Meier.

Das Hotel Geroldswil und die Gemeinde haben den Pachtvertrag doch noch verlängert: Hotelmanager Roberto Carpentieri (l.) und Gemeindeschreiber Beat Meier.

Sandra Ardizzone

Seit 1975 verpachtet die Gemeinde Geroldswil den Hotelbetrieb im Dorfzentrum. Seit Juli 2009 an die Gamag AG mit Sitz in Luzern. Diese Partnerschaft, basierend auf einem Pachtvertrag, bekam letztes Jahr Risse: Im Mai 2015 wurde bekannt, dass der im Juni 2017 auslaufende Pachtvertrag nicht verlängert wird. Die Hotelbetreiber forderten eine Reduktion des Pachtzinses um 75 Prozent und bezeichneten es als Super-GAU, dass die Gemeinde die Öffentlichkeit ohne Absprache mit dem Hotel über die gescheiterten Verhandlungen informierte. Von der Kündigung des Vertrags hatten die Hotelmitarbeiter aus der Zeitung erfahren.

All das ist nun Vergangenheit: Lachend posieren Gemeindeschreiber Beat Meier und Hotelmanager Roberto Carpentieri für die Fotografin, Schulter an Schulter. Im Hotelrestaurant erklären die beiden, wie sie sich doch noch auf eine Verlängerung des Pachtvertrags bis am 31. Dezember 2021 einigen konnten. Danach will die Gemeinde, das ist schon länger bekannt, das Hotelgebäude umnutzen: Sie will hindernisfreie Wohnungen bauen. Das wurde 2014 in einem Verfahren entschieden, bei dem sich die Bevölkerung einbringen durfte.

Der Quereinsteiger und die treue Seele

Der 38-jährige Geschäftsführer des Hotels Geroldswil, Roberto Carpentieri, kam in Davos zur Welt. Zuerst absolvierte er eine Lehre als Sanitärmonteur. 1999 wechselte er in den Service und begeisterte sich immer mehr für die Gastronomie. Seit 2011 arbeitet er im Hotel Geroldswil, seit 2015 als Geschäftsführer. Er wohnt in der Stadt Zürich. Auch für Beat Meier ist 1999 ein ausschlaggebendes Jahr: Seither arbeitet er als Geroldswiler Gemeindeschreiber. Zuvor arbeitete der 48-Jährige unter anderem als stellvertretender Gemeindeschreiber in Rümlang.

Herr Meier, Geroldswil ist darauf angewiesen, dass das Hotel bis 2022 betrieben wird, sonst verliert die Gemeinde viel Geld. Also hatten Sie eine schlechte Verhandlungsposition?

Beat Meier: Nein, wir hatten einen Plan B in der Hinterhand, haben uns Zwischennutzungen überlegt. Diese würden aber Investitionen nötig machen. Zusätzlich hatten wir eine konkrete Offerte eines anderen Hotelbetreibers auf dem Tisch.

Hat dieser Konkurrent mehr geboten als die Gamag AG?

Meier: Das kann ich nicht kommentieren. Die Offerte war jedenfalls bis ins Detail ausgearbeitet. Aber es gibt auch noch andere Faktoren als den Pachtzins.

Aber das Geld ist der wichtigste Faktor. Daran sind doch im letzten Jahr die Verhandlungen
gescheitert.

Meier: Die Übergabe an einen anderen Betreiber verursacht auch Kosten, und zwar ziemlich grosse. Das Übergabeprozedere bedingt beispielsweise ein Gross- und Kleinmobilieninventar, die Anpassung von Service- und Unterhaltsverträgen, eine Schlussreinigung und aufwendige Abnahmen und Begehungen.

Roberto Carpentieri: Als die Gamag das Hotel 2009 übernahm, habe ich das am Rande mitbekommen. Da muss man jedes einzelne Glas oder Messer zählen und bewerten, jede Maschine, und die Investitionen des Vorgängers.

Zurück zum Pachtzins: Wie tief ist er denn ab 1. Juli 2017, wenn der neue Pachtvertrag in Kraft tritt?

Meier: Wir haben den Pachtzins etwas mehr als halbiert. Dieser Entscheid wurde angesichts der Gesamtsituation gefällt. Ein Ausstieg der Gamag wäre zudem ein grosser Know-how-Verlust gewesen.

Herr Carpentieri, Ihr Hotel war zuletzt in den roten Zahlen. Kehren Sie dank der tieferen Pachtkosten zurück in die Gewinnzone?

Carpentieri: Einen grossen Gewinn werden wir nicht erwirtschaften. Aber mit den neuen Konditionen können wir unsere Verluste etwas auffangen.

So viel zu den Kosten. Als der Verwaltungsrat der Gamag-Besitzerin darauf verzichtete, den Pachtvertrag zu verlängern, kritisierte er die Gemeinde auch, weil sie den Unterhalt der Liegenschaft vernachlässigt hätte.

Carpentieri: Uns ist klar, dass Geroldswil nicht mehr viel Geld in ein Hotel investieren will, das in fünf Jahren schliessen wird. Man kann nicht alles haben. In den letzten Jahren hat die Gemeinde aber einiges gemacht. Vor allem in den Seminarräumen und dem grossen Saal, von dem auch die Gemeinde profitiert. So wurden zum Beispiel die Audioanlage und die Beleuchtung erneuert.

Meier: Wir werden nichts mehr investieren, aber weiterhin unserer Unterhaltspflicht nachkommen. Was diese umfasst, ist im Vertrag sehr genau festgehalten. Investitionen würden sich nur lohnen, wenn das Hotel noch mindestens 20 Jahre lang geöffnet ist. Schlussendlich haben wir jetzt nach und nach ein Päckchen geschnürt, das für beide stimmt.

Zum Schluss: Wo und wann haben Sie nach den Differenzen im letzten Jahr das Kriegsbeil begraben?

Meier: Die Gamag hatte den Vertrag am 24. Februar 2015 gekündigt und am 29. Januar 2016 haben wir die Verhandlungen wieder aufgenommen. Wir haben einfach dort weiterverhandelt, wo wir aufgehört haben. Vergangenheitsbewältigung mussten wir keine betreiben. Seit dem 28. April sind wir uns bis ins Detail einig, vor Kurzem wurde das 11-seitige Vertragswerk unterzeichnet. Wer welche Position hatte, haben wir ja schon im Voraus gewusst.

Carpentieri: Das kann ich bestätigen. Schlussendlich war es ja nicht so, dass wir aufeinander losgegangen sind. Nur die Meinungen gingen auseinander, grosse Wut gab es eigentlich nicht.