Coronavirus
«Wir haben alles gegeben»: Warum die Dietiker Stadthalle zum Limmattaler Impfzentrum wird

Das Limmattal erhält überraschend doch ein eigenes, lokales Impfzentrum. Die Stadt Dietikon und das Spital Limmattal werden es gemeinsam betreiben. Täglich sollen ab April rund 400 Personen gegen Covid-19 geimpft werden können.

Oliver Graf
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Ein Beitrag zum Ende der Coronapandemie: In der Stadthalle sollen voraussichtlich ab 1. April täglich 400 Personen gegen Covid-19 geimpft werden.

Ein Beitrag zum Ende der Coronapandemie: In der Stadthalle sollen voraussichtlich ab 1. April täglich 400 Personen gegen Covid-19 geimpft werden.

Severin Bigler

Lange hatte es so ausgegeben, als ob es im Limmattal kein eigenes Impfzentrum geben würde. Doch am Dienstag gab der Kanton überraschenderweise und für viele Lokalpolitiker erfreulicherweise bekannt, dass die Stadt Dietikon und das Spital Limmattal ab April gemeinsam ein Impfzentrum betreiben werden. Der Kanton Zürich hat einem entsprechenden Antrag der beiden Partner entsprochen.

Sie hätten alles gegeben, damit in der Region ein derartiges Angebot auf die Beine gestellt werden könne, sagt Heinz Illi, Dietiker Sicherheits- und Gesundheitsvorstand und Leiter der Gemeindeführungsorganisation. «Denn so müssen die Limmattalerinnen und Limmattaler nicht weit reisen, um sich impfen zu lassen.» Dank den nun dezentral über den Kanton verteilten Zentren komme es beim Impfen zu keiner grossen Durchmischung der Bevölkerung.

Grosser Beitrag zur Eindämmung der Pandemie

Stadt und Spital zeigen sich überzeugt davon, dass die lokale Lösung im Vergleich mit einem ferngelegenen, grossen Zentrum weitere Vorteile mit sich bringt. So habe «die regionale Impfgelegenheit auch positive Auswirkungen auf die Impfbereitschaft der Einzelpersonen», schreiben sie in einer gemeinsamen Medienmitteilung. Damit werde ein grosser Beitrag dazu geleistet, dass die Pandemie eingedämmt werden könne.

Dass die Stadt und das Spital zusammenarbeiten, habe sich aufgedrängt, sagt Illi. «Das Limmi verfügt über zu wenig Kapazitäten, um ein Zentrum alleine zu betreiben, die Stadt über zu wenig medizinisches Knowhow.» Nun könne jeder beitragen, was er am besten könne. «So schaffen wir gemeinsam eine gute Lösung für die Region.» Wie diese Lösung im Detail aussehen wird, ist schon klar skizziert.

So steht bereits fest, dass das Limmattaler Impfzentrum in der Stadthalle in Dietikon eingerichtet wird. «Wir brauchen eine grosse Fläche», begründet Illi die Standortwahl. Denn zunächst gilt es, die impfwilligen Personen zu empfangen und administrativ aufzunehmen. Daraufhin werden sie kurz medizinisch befragt und, wenn alles stimmt, geimpft. Schliesslich verbringen sie – medizinisch überwacht – noch eine Viertelstunde in einer Ruhezone. «Alle diese verschiedenen Bereiche werden wir in der Stadthalle auf einer Ebene einrichten können.»

Zudem sei die Stadthalle mit ihren vielen Parkplätzen und der nahen Bushaltestelle verkehrstechnisch gut gelegen. Und schliesslich sei sie in der kommenden Zeit auch verfügbar. In Coronazeiten – mit Personenbeschränkungen und Veranstaltungsverboten – wird der grosse Bau derzeit kaum genutzt. Der Dietiker Gemeinderat politisiert einmal im Monat noch darin. Nun muss er sich ab April eine neue Tagungsstätte suchen: Die Stadt hat die Halle für vorerst sechs Monate gemietet, um darin fix das Impfzentrum einzurichten.

Nur am Sonntag wird nicht geimpft

Gemäss der gemeinsamen Mitteilung von Stadt und Spital wird das Impfzentrum voraussichtlich ab 1. April jeweils von Montag bis Samstag geöffnet sein. Rund 400 Personen sollen täglich geimpft werden können. Die detaillierten Informationen folgen zu einem späteren Zeitpunkt.

Die Stadt wird den organisatorischen und betrieblichen Bereich verantworten, das Limmi wird den medizinischen Lead haben. Basil Caduff, ehemaliger Chefarzt Medizin im Spital Limmattal, wird das Impfzentrum medizinisch leiten. Beim weiteren Personal wird es sich kaum um aktuelle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Spitals handeln; da dieses seinen üblichen Betrieb aufrechterhalten muss, wird es nur gelegentlich Personal entbehren können.

Noch braucht es Helfer

Es gilt nun Personen zu finden, die im Impfzentrum anpacken. Dies bezeichnet Stadtrat Heinz Illi als derzeit vordringlichste Aufgabe. Bauchschmerzen bereitet sie ihm aber nicht. Denn er hat gespürt, dass viele Personen mithelfen wollen: «Wir wollen alle endlich aus dieser Coronazeit herauskommen.» Es seien denn auch schon verschiedene Anfragen von Personen eingegangen, die sich gern zur Verfügung stellen wollen.

Die Stadt wird auch in Frage kommende Personen direkt anschreiben, wie Illi weiter ausführt. Er denkt dabei an Pflegemitarbeitende und Personen mit administrativen Fähigkeiten, die pensioniert sind oder Teilzeit arbeiten. Auch Basil Caduff steht bereits mit ehemaligen Kolleginnen und Kollegen im Austausch, um sich ein kompetentes Team zusammen zu stellen. Zudem gibt es auf der Verwaltung Bereiche, in denen coronabedingt kein Vollbetrieb herrsche und Personal allenfalls anders eingesetzt werden könnte.

Die Zeit sei zwar insgesamt knapp bemessen, doch werde die Dietiker Stadthalle im April bereit sein, ist sich Illi sicher. «Knacknüsse gibt es keine – wir sind einzig darauf angewiesen, dass wir pünktlich genügend Impfstoff erhalten.»