Weiningen

«Wir geben wieder Vollgas»: Das Siegerprojekt bietet Aussicht für alle

Baukommissionspräsident Peter Mohr (l.) und Zentrumsleiter René Brüggemann freuen sich über den Projektfortschritt.

Baukommissionspräsident Peter Mohr (l.) und Zentrumsleiter René Brüggemann freuen sich über den Projektfortschritt.

Im März sollen die Stimmberechtigten über den 2,5-Millionen-Planungskredit für den Neubau des Seniorenzentrums in Weiningen befinden. Trotz Wiederaufnahme des Projekts wird die Coronazwangspause zu Verzögerungen führen.

Nach dem Entscheid vor über einem Jahr, das in die Jahre gekommene Gebäude durch einen 49-Millionen-Neubau zu ersetzen, wurde es in der Öffentlichkeit ruhig um das Seniorenzentrum im Morgen in Weiningen. Aber hinter den Kulissen hat das Projekt seither grosse Fortschritte gemacht. Inzwischen ist bekannt, dass das Zürcher Team Atelier ww Architekten SIA AG den Studienwettbewerb gewonnen hat und den Neubau zusammen mit Landschaftsarchitekt Maurus Schifferle realisieren wird.

An ihrer nächsten Versammlung am 22. September werden die Delegierten des Zweckverbands Seniorenzentrum, dem die Gemeinden Oberengstringen, Unterengstringen, Weiningen, Geroldswil und Oetwil angehören, über einen Planungskredit von 2,5 Millionen Franken abstimmen. Bei einer Annahme kommt der Kredit voraussichtlich im März 2021 an die Urne. Im Vorfeld dazu sollen in Geroldswil und Oberengstringen Informationsveranstaltungen durchgeführt werden.

Wettbewerbsentscheid blieb lange unter Verschluss

Bereits im November 2019 hatte sich die Jury für das Siegerprojekt des Architekturbüros Atelier ww entschieden. Aber wegen Corona musste die ursprünglich im März geplante Delegiertenversammlung verschoben werden und das Resultat des Studienwettbewerbs, an dem sechs Architekturbüros teilnahmen, blieb lange unter Verschluss.

«Jetzt lösen wir sukzessive die Bremsen und geben wieder Vollgas», sagt Peter Mohr, der das Projekt seit 2018 als Präsident der fünfköpfigen Baukommission begleitet. «Die Architekten haben für unsere Anforderungen interessante und clevere Lösungsansätze gefunden», sagt er. Während der ­Betrieb im alten Gebäude weiterläuft, muss der Neubau zunächst auf gut einem Drittel im Süden der Parzelle errichtet werden. Nach einer intensiven Zügelaktion wird das alte Gebäude rückgebaut, bevor auch auf diesem Teil des Grundstücks gebaut werden kann.

Alle Wege sollen möglichst kurz sein

Das Siegerprojekt sieht vier versetzte, dreistöckige Gebäudeteile mit Schrägdächern vor, die ein kleines Dorf im Dorf abbilden sollen, wie das Atelier ww im Projektbeschrieb ausführt. Zentrumsleiter René Brüggemann freut sich, dass alle Zimmer Aussicht bieten. «Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Zimmer mit Wandblick sehr unbeliebt sind», sagt er. Weil im zweiten Stock besonders flexibel und modular gebaut wird, könne das Seniorenzentrum künftig besser auf die Bedürfnisse der Bewohner eingehen. So könnten etwa zwei Zimmer zu einer grösseren Wohneinheit für Paare verbunden werden.

Die versetzte Geometrie ermögliche, dass die einzelnen Gebäudeteile nicht viel länger wirken als umliegende Häuser und sich der Komplex gut ins angrenzende Quartier einfügen werde, sagt Brüggemann. Dazwischen entstehen vier Innenhöfe mit vier unterschiedlichen Themen. Im Kapellenhof zum Beispiel wird den Bewohnenden ein Ort der Stille geboten. Das Gegenteil ist im geplanten Terrassenhof mit Café der Fall, der zum Zentrum der Begegnung des Hauses wird.

Genauso wichtig wie die Bewohnenden sind für Brüggemann gute Mitarbeitende. «Unsere Arbeitsprozesse wurden beim Projekt sehr gut abgebildet», lobt er. Die wichtigsten Leistungsträger wie Pflege und Gastronomie werden zentral platziert, damit alle Wege künftig möglichst kurz sind. Dies sei wichtig, weil es immer schwieriger werde, gute Arbeitskräfte auf dem Markt zu finden.

Neue Demenzabteilungen für Weglaufgefährdete

In einer ersten Phase werden nur drei der vier Gebäude errichtet. Darin entsteht ein komplettes Heim, das ab Inbetriebnahme knapp 20 Plätze mehr bietet als die aktuell 90 zur Verfügung stehenden. Nach dem Rückbau des bestehenden Heims wird der vierte Gebäudeteil mit einem zusätzlichen Bettentrakt gebaut, was die Kapazität auf 140 Plätze erhöht. In diesem Teil des Areals wird auch eine öffentlich zugängliche Parkanlage angelegt, die das Zentrum besser mit dem Quartier verbinden soll. Von den 140 Plätzen sind künftig 28 in zwei Demenz-Halbabteilungen mit eigenem Garten untergebracht. Diese sind für weglaufgefährdete Bewohnende geeignet.

Obwohl das Grossbauprojekt wieder Fahrt aufgenommen hat, wird die Coronazwangspause zu Verzögerungen führen, sagt Baukommissionspräsident Mohr. Sagen die Stimmberechtigten der fünf Gemeinden rechts der Limmat im März 2021 Ja zum 2,5-Millionen-Planungskredit, sollen sie etwa zwei Jahre später über den Kredit von rund 46 Millionen Franken für den Bau befinden.

War an der Delegiertenversammlung im April 2019 noch von einer möglichen Fertigstellung in der zweiten Hälfte 2024 die Rede, kann der Neubau nach heutigem Stand innerhalb der ersten Jahreshälfte 2025 bezogen werden. Ein knappes Jahr später soll das Neubauprojekt komplett abgeschlossen sein.

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