Wahlen
Wir brauchen Politiker für den Wandel

Was für Politikerinnen und Politiker braucht der Bezirk Dietikon? Im Wahljahr 2014 ist dies eine entscheidende Frage.

Jürg Krebs
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Im Bezirk Dietikon steht ein grosses Wahljahr an.

Im Bezirk Dietikon steht ein grosses Wahljahr an.

LTA

Am 9. Februar, 30. März und 18. Mai werden zahlreiche Behörden von Gemeinden, Schulen und Kirchen besetzt. Zudem wählen Dietikon und Schlieren ihre Stadtparlamente. Und das ist beim Ausfüllen der Wahlzettel zu bedenken.

Die Anforderungen: Milizpolitiker sind heute stark gefordert. Sie müssen komplexe Themen verstehen und bearbeiten können. Meist ist nicht nur Wissen, sondern in der Umsetzung auch Kreativität und Kommunikation gefragt. Sie müssen zwischen kantonalen Vorschriften und lokalen Notwendigkeiten jonglieren können. Teamplayer sind in der Exekutive gefragt, nicht Parteisoldaten. Wer im Bezirk Dietikon regiert, muss über Gemeindegrenzen hinausschauen können, und zwar je mehr die Ortschaften im Limmattal zu einer einzigen Stadt zusammenwachsen. Nicht zuletzt: Nur wer die Geschichte der Region kennt, kann die Gegenwart verstehen. Aber nur wer sich mit der Zukunft beschäftigt, kann die Gegenwart nachhaltig gestalten. Die Limmattalbahn lässt grüssen.

Thema: Das Top-Thema ist die aktuelle Siedlungsentwicklung - und ihre Folgen. Die grosse Kunst der Exekutiven bleibt auch in Zukunft, den signifikanten Bevölkerungs- und Verkehrszuwachs (aufgrund der Bautätigkeit) sozial- und finanzverträglich zu lenken. Jüngste Abstimmungen - von der Kulturlandinitiative bis zur Zweitwohnungsinitiative - zeigen bereits, dass die Menschen im Bezirk Dietikon angesichts der sich sichtlich wandelnden Region mulmige Gefühle befallen. Vergessen geht gerne, dass diese Entwicklung von den Städten und Gemeinden im Bezirk auch gewollt war. Neue Wohnungen sollten mehr Steuersubstrat bringen. Das Problem: Die resultierenden Infrastrukturkosten belasten mancherorts die Gemeindekassen massiv. In Zeiten grosser Veränderungen bedeuten Wahlen, die Möglichkeit, die richtigen Kapitäne auf die Kommandobrücke zu stellen, um eine Gemeinde auch durch turbulente Gewässer navigieren zu können.

Legitimationsverlust: Die Exekutiven repräsentieren einen immer kleineren Teil der Bevölkerung, was zu Unzufriedenheit in der Gesamtbevölkerung führen kann. In Dietikon und Schlieren regiert gar eine Minderheit. Der Ausländeranteil liegt bei über 40 Prozent, Tendenz steigend. Hinzu kommen die minderjährigen Schweizerinnen und Schweizer. Von den Wahlberechtigten geht nur ein Bruchteil an die Urne. Zwar betonen Politiker stets, sich für die ganze Bevölkerung einsetzen zu wollen. Die Realität sieht anders aus. Ein Beispiel: Im Umgang mit dem muslimisch Teil der Einwohnerschaft wirken sie meist hilflos und festgefahren. Wer regiert, muss sich bewusst sein: Er oder sie trägt Verantwortung für die gesamte Bevölkerung und muss danach handeln.

Aussicht: Die Kommunalwahlen werden im Bezirk Dietikon keine politischen Umwälzungen bringen, soviel ist mit Blick auf Wahlchancen und -Listen jetzt schon festzuhalten. Die Exekutiven werden auch künftig von bürgerlichen Mehrheiten dominiert werden. Doch die politische Couleur ist in der Exekutive letztlich gar nicht Spiel-entscheidend, vielmehr kommt es auf die Person an. Die Region braucht in Zeiten des Wandels Politikerinnen und Politiker, die diesen annehmen, Gestaltungswillen zeigen, sich in Zeiten der Veränderung den notwendigen Diskussionen stellen und den Mut haben, auch unpopuläre Themen anzupacken und unangenehme Wahrheiten auszusprechen.
In den nächsten Tagen präsentiert die Limmattaler Zeitung Übersichten zu den Wahlen in den Bezirksgemeinden sowie in Zürich. Den Auftakt macht Oetwil.

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