Urs Jenny schaut am liebsten nach vorne. «Seit 15 Jahren sind wir daran, unsere Ziele zu erreichen. Es hat sich viel geändert in unserem Gebiet. Aber, und das ist für mich viel wichtiger, es gibt noch viel zu tun», sagte der Präsident der IG Silbern an deren Generalversammlung am Mittwoch. Wenn Jenny nach vorne schaut, gibt es vor allem ein Thema: die Verordnung über den Moorschutz in Dietikon. Solange diese nicht rechtskräftig ist, bleibt auch der vom Dietiker Volk genehmigte Gestaltungsplan für die Silbern sistiert. Das blockiert die Entwicklung. «Damit sich das Gebiet weiterentwickeln kann, brauchen wir endlich Rechtssicherheit», sagte Jenny. Auch die Stadt hofft darauf. Der Rechtsstreit blockiert auch den Bau eines Schulhauses für das Limmatfeld.

Wie lange und steinig der Weg bis zur Auflösung der Blockade wird, ist weiterhin unklar. Zwar hat das Zürcher Baurekursgericht im Juni die Rekurse der Naturschützer vollumfänglich abgewiesen (die Limmattaler Zeitung berichtete exklusiv). Doch ist die Verordnung immer noch nicht rechtskräftig. Zusätzlich wird jetzt noch geprüft, ob die Moorschutzverordnung auch dem Auenschutz Genüge tut, wie es an der Generalversammlung der IG hiess.

«Ein katastrophaler Zustand»

Eine zusätzliche Verzögerung, die die Geduld in der Silbern erneut auf die Probe stellt. «Es ist ein katastrophaler Zustand, dass wir in einem Gebiet sind, wo seit Jahren unklar ist, was man machen kann und was nicht», sagte Jenny. Es gebe viele Firmen, die in der Silbern etwas machen wollen – sprich: investieren wollen. Die Naturschützer, die auch nach ihrer klaren Niederlage vor dem Baurekursgericht noch nicht aufgeben, bekamen entsprechend ihr Fett ab von Jenny. Verschiedentlich wird davon ausgegangen, dass erst das Bundesgericht den Rechtsstreit endgültig beenden wird. Nächste Woche steht ein wichtiger Termin an: Die Stadt Dietikon empfängt Fachleute des Kantons zum Gespräch über einen Auenschutz-Fachbericht in dieser Sache – und hofft, dass der Kanton schneller als gewohnt handeln wird.

Um den Schutz des Dietiker Moors ist ein Rechtsstreit entstanden.

    

Mit nicht weniger Engagement verfolgt die IG Silbern ihr Ziel, dass in der Silbern eine S-Bahn-Station gebaut wird. «Ende Oktober entscheidet der Bundesrat, welche Priorität die S-Bahn-Station Silbern erhält», sagte Jenny an der Generalversammlung. Dass es die höchste Priorität sein muss, haben das Limmattal und der Kanton in der Vernehmlassung klar gemacht. «Es ist bewiesen, dass es sie braucht. Das Limmattal kann auf meine Unterstützung zählen», sagte beispielsweise Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP) im Januar zur Limmattaler Zeitung.

Die IG Silbern denkt zudem schon weiter – beziehungsweise höher. Die Vision einer Querverbindung zwischen dem zukünftigen Bahnhof Silbern und dem zukünftigen Quartier Niderfeld konkretisiert sich. So wird die Idee auch von der Regionalen Projektschau Limmattal unterstützt. Zuletzt wurde eine IG Hochbahn Limmattal gegründet. Zurzeit wird geprüft, wie viel das Projekt etwa kosten würde.

Auch mit der Limeco, die ihre alte Kehrichtverwertungsanlage am Rand der Silbern ersetzen muss, ist die IG Silbern in engem Kontakt. Urs Jenny lässt noch offen, ob man dem Neubau-Projekt wohlgesinnt sein wird oder nicht. Er gibt aber eine Stossrichtung vor. «Wenn wir sie unterstützen sollen, muss es die effizienteste und schönste Anlage überhaupt sein», sagte Jenny.

Ausbau der Kehrichtverwertungsanlage: Die IG Silbern steht in Kontakt mit der Limeco.

Ausbau der Kehrichtverwertungsanlage: Die IG Silbern steht in Kontakt mit der Limeco.

Metzinger und Kopp im Vorstand

Bei so vielen Themen geht der IG Silbern die Arbeit also nicht aus. Sie hat beschlossen, den Vorstand zu verstärken. «Vor allem dem Thema Kommunikation nach innen und nach aussen soll mehr Beachtung geschenkt werden», sagte Jenny. Während Fritz Ulmann zurücktrat, wurden Peter Metzinger (Business Campaigning GmbH) und Andrea Kopp (Klima Kälte Kopp AG) neu gewählt. Beide wohnen im Limmat-Tower. Zudem wurden Urs Jenny, Roman Füglister, Peter Valär und Beat Schaffner wiedergewählt. Mit 18 zu 1 Stimmen wurde zudem nach 15 Jahren erstmals der Mitgliederbeitrag erhöht – von 200 auf 400 Franken. Vor allem in das Gebietsmarketing soll mehr Geld fliessen.

Als Neumitglied begrüsst wurde René Leuenberger von der Outsec AG, die von der Badenerstrasse in die Silbern gezügelt ist. Die Versammlung fand im City-Plaza-Gebäude an der Lerzenstrasse statt, das mit seiner glänzenden Fassade ein Blickfang ist, aber seit dem Auszug der Axpo mehrheitlich leersteht. Die Eigentümerin, die Swiss Finance and Property Group, sucht derzeit neue Mieter.

Der Dietiker alt Stadtpräsident Otto Müller (FDP), IG-Silbern-Präsident Urs Jenny und der neue Stadtpräsident Roger Bachmann (SVP) vor dem City-Plaza-Gebäude.

Der Dietiker alt Stadtpräsident Otto Müller (FDP), IG-Silbern-Präsident Urs Jenny und der neue Stadtpräsident Roger Bachmann (SVP) vor dem City-Plaza-Gebäude.

An der Versammlung verdankte Urs Jenny zudem die langjährige Zusammenarbeit mit dem alt Stadtpräsidenten Otto Müller und dem Standortförderer Michael Seiler, der seit Kurzem nicht mehr für die Stadt arbeitet, sowie mit der Vereinigung Zentrum Dietikon, der Limmatstadt AG, dem Dietiker Gewerbeverein und dem Industrie- und Handelsverein, mit dem die IG ein besonders enges Verhältnis pflegt.