Fast im Minutentakt werden Baumstämme aus dem Wald gehievt, zurecht gelegt, entastet und anschliessend in gleich grosse Stücke gesägt. Der so genannte Forst-Vollernter läuft auf Hochtouren und erleichtert den Forstwarten ihre Arbeit. Dennoch ist ihre Aufgabe schweisstreibende und nicht ungefährliche: Sie müssen den Röhrenmoos-Wald oberhalb der Hundshütte in Dietikon aufräumen. Viele Bäume stehen bedrohlich schräg in der Landschaft, scheinen bald zu brechen. Andere sind schon geborsten und zeugen von der enormen Kraft, mit welcher der Sturm in der Nacht vom 13. Juli über das Waldstück gefegt ist.

Schlimm, aber nicht so schlimm wie 1999

«Es sind Bilder, die an den Sturm Lothar erinnern», sagt Revierförster Felix Holenstein, der die Aufräumarbeiten überwacht. Ganz so schlimm wie 1999 seien die Schäden aber nicht. Im Gegensatz zum verheerenden Sturm von vor zwölf Jahren, habe jener vor eineinhalb Wochen nur sehr lokal für Verwüstungen im Wald gesorgt. «Der Kanton Zürich ist kaum betroffen. Einzige Ausnahme ist das Gebiet Röhrenmoos», hält Holenstein fest. Im Honeret-Wald in Dietikon und auf der gegenüberliegenden Talseite auf dem Gubrist habe der Sturm fast keinen Schaden angerichtet.

Wie gross das Ausmass der Zerstörung im Röhrenmoos-Wald ist, lässt sich noch nicht mit Bestimmtheit sagen. «Wir schätzen, dass zwischen 1000 und 1500 Kubikmeter Holz heruntergerissen worden ist», so Holenstein. Obschon dies eine beträchtliche Menge sei, dürfte sich der Wald relativ gut und schnell vom Sturm erholen. «Es ist ein gesunder Wald. Schon bald werden an den kahlen Stellen wieder Pflanzen wachsen», sagt Holenstein. Auch für das Wild rechnet der Revierförster mit keinen Spätfolgen. «Die Tiere sind vermutlich gleich nach dem Sturm wieder in ihre Rückzugsgebiete zurückgekehrt. Sie gewöhnen sich sehr schnell an die Situation», ist Holenstein überzeugt.

Viele gesunde Bäume umgerissen

Zurückbleiben wird dafür ein finanzieller Schaden für den Waldbesitzer, die Holzkorporation Dietikon. «Normalerweise wird das Holz im Winter gefällt und dann verkauft», sagt Holenstein. Abnehmer seien oft Schreinereien. Im Sommer sei das Holz voll im Saft. Das führe dazu, dass die Baumstämme jetzt sehr schnell Flüssigkeit verlören und schwarz würden. Viele der Bäume seien gesund und gegen 80 Jahre alt gewesen. «Mit dem Sturm ist die Arbeit mehrerer Generationen von Förstern kaputt gegangen», so Holenstein. In den nächsten Tagen werde abgeklärt, welche Stämme sich noch verkaufen liessen und zu welchem Preis. «Bei gewissen Bäumen wird der Verkaufserlös rund zwei Drittel tiefer sein als in anderen Jahren», hält der Revierförster fest.

Bevor der Verlust definitiv beziffert werden kann, gilt es zuerst den Wald aufzuräumen. Gemäss Holenstein wird das rund einen Monat dauern. Die Forstarbeiter gehen dabei nach einem genauen Plan vor. Sie schaffen sich vom Waldrand immer tiefer in den Wald hinein. Oberstes Gebot ist bei der Aktion die Sicherheit. Einerseits für die Arbeiter selber: «Ihre Aufgabe wird dadurch erschwert, dass sie an gewissen Stellen nicht auf Sichtweite arbeiten können und deshalb miteinander im Funkkontakt stehen müssen», sagt Holenstein.

Sicherheit geht vor

Andererseits gilt es auch, die Sicherheit von Spaziergängern und Infrastruktur zu gewährleisten. So hat der Sturm am Sandbüel-Weg zwischen Schrebergärten und Waldrand eine Stromleitung heruntergerissen. «Diese muss so schnell als möglich wieder aufgehängt werden und dann von herunterhängenden Ästen geschützt werden. Deshalb werden Bäume gefällt, die auf die Leitung zu stürzen drohen», hält Holenstein fest. Gleiches gelte für die Spaziergänger. Auch sie müssten von herunterfallenden Ästen bewahrt werden. Deshalb beginne man mit den Aufräumarbeiten am Waldrand, wo sich am meisten Spaziergänger aufhalten würden.

Doch auch mitten im Wald müssen beschädigte Bäume schnell gefällt werden. Aus gesundheitlichen Gründen, wie Holenstein erklärt: «Die Vergangenheit hat gezeigt, dass sich schnell nach solchen Stürmen Borkenkäfer an den verletzten Bäumen zu schaffen machen.»