Dietikon
Windräder im Ausland drehen für Limmattaler Firma

Die Terravent AG mit Sitz in Dietikon kauft und betreibt Windparks im Ausland, vor allem in Frankreich und Deutschland. In Windparks in der Schweiz zu investieren sei hingegen nicht das Ziel, so Geschäftsführer Stefan Wittwer.

Katja Landolt
Drucken
Blick auf einen Terravent-Windpark in Frankreich.

Blick auf einen Terravent-Windpark in Frankreich.

Terravent

Zusammenarbeiten bringt Vorteile - auch in der Energiewirtschaft. Der Partnerwerkansatz ist in dieser Branche nicht neu; seit Jahrzehnten betreiben Energieunternehmen Wasserkraftwerke und AKWs gemeinsam. Diesen Gedanken aber auch für erneuerbare Energie umzusetzen, das ist neu. In der Schweiz eine Vorreiterrolle eingenommen hat die Terravent AG mit Sitz in Dietikon. Die Beteiligungsgesellschaft investiert in Onshore-Windparks in Europa.

Terravent ist eine Beteiligungsgesellschaft der Schweizer Energieunternehmen EKZ (Elektrizitätswerke des Kantons Zürich), SN Energie, AET, (Azienda Elettrica Ticinese), EKS (Elektrizitätswerk des Kantons Schaffhausen), EWL (Energie Wasser Luzern) und Axpo Gruppe. Das Volumen an Eigenkapital beträgt 70 Millionen Franken. Damit wollen die Aktionäre in die Produktion von Windstrom investieren und sich gegebenenfalls Bezugsrechte sowie die entsprechenden Ökostromzertifikate sichern.

Idee stammt aus Dietikon

Terravent-Geschäftsführer Stefan Wittwer

Terravent-Geschäftsführer Stefan Wittwer

Terravent

Die Initiative dieser Beteiligungsgesellschaft stammt von der Energiehändlerin EGL AG; einer früheren Tochtergesellschaft des Energiekonzerns Axpo, die inzwischen in die Axpo integriert ist. «Die EGL AG hatte ihre Niederlassung in Dietikon, weshalb sich Dietikon als Standort der Terravent aufgedrängt hat», sagt Geschäftsführer Stefan Wittwer. Die EGL hatte bereits langjährige internationale Erfahrungen in der Entwicklung und Akquisition von Kraftwerksprojekten, während das für viele Schweizer Stadt- und Kantonswerke noch kaum Thema war. 2010 reifte die Idee, das Know-how mit Schweizer Partnerunternehmen zur teilen, so Wittwer. Im Juli 2011 wurde die Terravent AG gegründet.

Durch die Beteiligungsgesellschaft können Synergien genutzt werden. «Wenn man im Ausland Investitionen tätigt, ist eine gewisse Grösse von Vorteil», sagt Wittwer. Zwar könne man durchaus auch als Einzelgesellschaft Beteiligungen im Ausland erwerben, meist aber eher im kleineren Rahmen. Als Beteiligungsgesellschaft mehrere Unternehmen ist der Spielraum grösser - der Aufwand für den Erwerb aber nicht: Bevor ein Windpark gekauft wird, wird er typischerweise in vier Bereichen eingehend geprüft; Recht, Technik, Finanzen und Steuern.

«Wir prüfen die Parks sehr akkurat. Das kostet schnell einmal mehrere Hunderttausend Euros, die man in ein mögliches Projekt investiert - ohne zu wissen, ob der Park danach auch gekauft wird», so Wittwer. Entspricht das Objekt nicht dem, was einem der Veräusserer angepriesen hat, kann dieser Aufwand auf mehrere Schultern verteilt werden. Bis jetzt hat Terravent von den Finanzierungszusagen der Aktionäre im Umfang von 70 Millionen Franken rund die Hälfte investiert, wobei das effektive Volumen dank Bankkrediten wesentlich höher liegt. Die drei Terravent-Windparkgesellschaften verfügen insgesamt über eine installierte Leistung von 44 Megawatt, erreichen will Terravent vorerst rund 100 Megawatt.

Investoren treiben Preise hoch

Terravent konzentriert sich bei der Beteiligung an Windparkanlagen in erster Linie auf Frankreich und Deutschland, in zweiter Linie auf Spanien und Italien. Aus Portfolio-Überlegungen wolle man in mehreren Märkten investieren, so Wittwer. «Wenn der Wind in Frankreich nicht bläst, können wir darauf hoffen, dass er es in Deutschland tut.» Bislang hat die Terravent in Frankreich investiert, wo der Strom in das lokale Netz eingespeist wird. «In Deutschland wollen viele Windparks kaufen, unter anderem auch institutionelle Investoren. Dies treibt die Preise an», sagt Wittwer. In Spanien hatte Terravent zwei Objekte in Aussicht - bis im letzten Jahr kurz vor Abschluss eines Vertrages bekannt wurde, dass die Regierung eine neue Steuer auf die Energieumsätze plant. «So hätten wir sechs bis sieben Prozent der Umsätze an den Staat abgeben müssen; damit wäre die Wirtschaftlichkeit nicht mehr gegeben gewesen.»

Warum investiert Terravent nicht in Windparks in der Schweiz? «Das entspricht nicht den Zielsetzungen von Terravent. Zudem sind in der Schweiz die Möglichkeiten zur wirtschaftlichen Nutzung der Windkraft aufgrund räumlicher und politischer Rahmenbedingungen begrenzt», sagt Wittwer. Ausserdem sei der Wind an möglichen Standorten oftmals zu turbulent; die Turbinen bevorzugten aber eine gleichmässige Anströmung, so Wittwer. «An guten Standorten wie denjenigen unserer Parks laufen die Rotoren pro Jahr während gut 2000 Stunden auf Volllast - in der Schweiz würden wir durchschnittlich wesentlich tiefer liegen.»

Aktuelle Nachrichten