Ein Schwimmteich, ein Kraftraum, eine Gemeinschaftsstube für Filmabende: Das Mehrfamilienhaus Windhalb in Dietikon bietet seinen rund 20 Bewohnerinnen und Bewohnern viel Komfort. Und trotzdem ist das Gebäude an der Bremgartnerstrasse 124 kein Energiefresser, wie man annehmen könnte. Im Gegenteil. «Der Energieverbrauch pro Quadratmeter beträgt ungefähr ein Zehntel des Schweizer Durchschnitts», sagt Lucas Neff, der mit seiner Frau im Windhalb wohnt und als Architekt für dieses verantwortlich zeichnete. Und der ökologische Fussabdruck des Gebäudes ist seit Anfang Oktober noch einmal deutlich kleiner geworden: Seither wird mit 101 Solarzellen auf dem runden Tonnendach des Gebäudes Sonnenenergie gewonnen, wie gestern an einer Medieninformation zu erfahren war. Die Zellen sollen künftig 28 000 Kilowattstunden (kWh) Strom pro Jahr liefern – laut Neff eine eher zurückhaltende Schätzung.

Damit können die Stockwerkeigentümer ihren Strombedarf für Warmwasser und Heizung von rund 14000 kWh um das Doppelte decken – der Rest soll für den allgemeinen Stromverbrauch, etwa für die Beleuchtung des Treppenhauses oder des Lifts verwendet wird. Was dann noch übrig bleibt, fliesst ins öffentliche Stromnetz und wird von den Elektrizitätswerken des Kantons Zürich (EKZ) vergütet. Allerdings lohne sich diese Rückspeisung angesichts der Preise, die das EKZ zahle, finanziell kaum. «Für uns ist es interessanter, den eigenen Strom so weit wie möglich selber zu konsumieren», erklärt Neff.

Beiträge von Bund und Stadt

Für die Finanzierung der Photovoltaikanlage haben die Stockwerkeigentümer des Windhalb die letzten 13 Jahre einen Fond geäufnet. «Dazu haben wir künstlich die internen Heizzahlungen künstlich verteuert», erklärt Neff. Statt der jährlich 1500 Franken Heizkosten der Wärmepumpe des Hauses hätten die Bewohner zusammen 5500 Franken gezahlt. Abzüglich weiterer Ausgaben seien so 35 000 Franken zusammengekommen. Der Rest der 65 000 Franken teuren Anlage wurde mit einem einmaligen Beitrag des Bundes (Kostendeckende Einspeisevergütung) von rund 23 000 Franken und weiteren 7000 Franken aus dem städtischen Förderprogramm für nachhaltige Energie finanziert. Am Informationsanlass war deshalb auch die Dietiker Energiebeauftragte Anita Binz-Deplazes dabei. «Der Beitrag der Stadt mag bescheiden wirken», sagt Neff. Doch diese zehn Prozent seien wie eine zweite Hypothek, die das Hauptrisiko bei einem solchen Projekt abdecke. Denn ein solches Risiko kann Neff bei der Anlage nicht ausschliessen: «Wir haben keine Gewissheit, dass wir damit einen Gewinn machen werden.» Bis die Investition der Stockwerkeigentümer amortisiert sei, daure es ungefähr 11 Jahre.

Als das Haus 2002 gebaut wurde, hatte Neff nicht ein möglichst energiesparendes Projekt vor Augen — obwohl das Gebäude schon damals mit dem Minergiestandard zertifiziert worden war. «Den Standard zu erreichen, war damals nicht das primäre Ziel», sagt Neff, der für die Grünen im Dietiker Gemeinderat sitzt. Das Windhalb sei als generationenübergreifendes Wohnhaus geplant worden. Als Solches wurde es auch von der «Stiftung Age — Wohnen und Älterwerden» ausgezeichnet. Dieser und dem Minergie-Standard möchte Neff nun eine weitere Auszeichnung hinzufügen: So soll das Gebäude mit dem höchsten Minergielabel A zertifiziert werden — als erstes Mehrfamilienhaus im ganzen Kanton Zürich. Laut Neff wurden erst drei Wohnhäuser in der ganzen Schweiz mit dem Zertifikat ausgezeichnet.

Das mag der Grund sein, weshalb Neff, der für die Grünen im Gemeinderat politisiert, «den Ehrgeiz gepackt hat», wie er sagt. Aber auch dafür, dass er noch nicht ganz sicher ist, ob das Haus die Anforderungen für das Zertifikat überhaupt erfüllen wird. Denn diese sind streng: So muss laut Angaben des Vereins Minergie unter anderem der Energiebedarf für Wärme, Kälte und Lüftung lokal durch erneuerbare Energie gedeckt sein. Das Gebäude sollte eine kompakte Form sowie eine möglichst luftdichte und sehr gut gedämmte Hülle aufweisen. Ausserdem wird neben den Anforderungen an das bestehende Gebäude auch der Energieverbrauch während des Baus und des Abbruchs betrachtet.

Diese sogenannte graue Energie muss für das Windhalb-Gebäude 13 Jahre nach dessen Bau berechnet werden. «Eine erste, überschlagsmässige Rechnung hat gezeigt, dass wir bei der grauen Energie die Anforderungen knapp erfüllen», sagt Neff. Die Berechnung des Energieverbrauchs beim Bau sei eine aufwendige Arbeit.Um den Antrag für das Zertifikat stellen zu können, rechnet der Architekt deshalb mit Kosten von 25 000 Franken — die er aus dem eigenen Sack bezahlen werde. Nicht, ohne dabei auch mit einem Gewinn für sich und die anderen Stockwerkeigentümer zu rechnen. So schätzt Neff, dass der Wert des Hauses durch das Minergie-A-Label um 100 000 Franken steigt. Der Architekt sieht die Zertifizierungskosten aber auch als Investition in die eigene Arbeit: «Der Mehrwert liegt in der höheren Glaubwürdigkeit.»