Limmattal
Wille zur Energiewende kommt aus Gemeinden, nicht vom Kanton

Der Kanton Zürich ist in energiepolitischen Belangen bloss mittelmässig gut aufgestellt— die Städte der Region zeigten im Jahr 2014 derweil Effort, ihren Energiebedarf zu senken.

Alex Rudolf
Merken
Drucken
Teilen
40 Prozent des Energieverbrauchs entfallen auf den Gebäudebereich.

40 Prozent des Energieverbrauchs entfallen auf den Gebäudebereich.

Walter Schwager

Spätestens seit die Anzeige des Thermometers in dieser Saison wieder regelmässig Werte unter der Null-Grad-Grenze anzeigt, laufen die Heizsysteme in der gesamten Schweiz auf Hochtouren. Dabei geht oft vergessen, dass Gebäudeheizungen die grössten Energieverbraucher der Schweiz sind, wie der WWF feststellt. Im Auftrag der Naturschutzorganisation wurden die Schweizer Kantone auf ihre Energiefreundlichkeit untersucht. Für den Kanton Zürich ist das Ergebnis ernüchternd — er muss sich mit einem Platz im Mittelfeld begnügen.

Bei der Bewertung der Energiepolitik aller Kantone wurde auf den Gebäudebereich fokussiert, da dieser rund 40 Prozent des schweizerischen Energieverbrauchs ausmacht. Auf den vorderen Plätzen bei dieser Bewertung sind Baselstadt und Genf sowie Schaffhausen und der Thurgau. «Hier werden am meisten Mittel für die Förderung von Energieeffizienz und erneuerbaren Energien bereitgestellt», schreibt der WWF in der Mitteilung. Ein absolutes Topresultat bleibt aber auch den Spitzenreitern vorenthalten, da es dazu Vorgaben für zusätzliche Gebäudesanierungen bräuchte. Innerschweizer Kantone wie Obwalden, Luzern, Zug und Nidwalden schneiden beim Ranking am schlechtesten ab. Hier gäbe es in der Energiepolitik über die minimalen Mustervorschriften der Energiedirektorenkonferenz hinaus kaum Aktivitäten, heisst es vonseiten des WWF.

Zürich bei den Gemeinden top

Bewertet wurde anhand von sieben Kategorien, die von Vorschriften für Gebäudesanierungen über die finanzielle Förderung erneuerbarer Energien bis hin zur Unterstützung der Gemeinden durch den Kanton in Sachen Energieplanung reichen. Bei den sieben untersuchten Kriterien kann der Kanton nur drei Mal ein Spitzenergebnis verbuchen. In der Kategorie «Unterstützung der Gemeinden» ist er beispielsweise weit vorne. Dies, weil der Kanton Zürich die finanzielle Unterstützung der Energieplanung für die Gemeinden gesetzlich festgeschrieben hat.

«Energiestadt Gold» angestrebt

Die Bevölkerung des Kantons stimmte im vergangenen Februar dem regierungsrätlichen Gegenvorschlag zur parlamentarischen Initiative für «Öko-Zonen» zu. Die Gemeinden sind somit ermächtigt, den Liegenschaftsbesitzern bei Um- und Neubauten höhere Auflagen in der Nutzung erneuerbarer Energien zu machen. Zudem haben sich die Städte Zürich, Winterthur und Uster seit längerem per Volksabstimmung den Zielen der 2000-Watt-Gesellschaftverpflichtet.

In Dietikon wurde ein abgeschwächter Gegenvorschlag des Stadtrates angenommen. Erst im vergangenen August gab die Dietiker Exekutive bekannt, dass die Standards für städtische Neu- und Umbauten erhöht werden sollen. Ziel sei es, im kommenden Jahr das Label «Energiestadt Gold» verliehen zu bekommen. Künftig sollen bei städtischen Neubauten die Standards P-Eco oder A-Eco angestrebt werden. Bei Umbauten städtischer Liegenschaften sollen Energiekonzepte zum Zug kommen. Doch auch private Bauvorhaben spüren Konsequenzen: Bei Gestaltungsplanverfahren müssen neue Gebäude ebenfalls die Energiewerte der beiden Minergie-Standards einhalten.

Auch Schlieren wird aktiv. Im Mai vergangenen Jahres präsentierte der Schlieremer Stadtrat den neuen Energieplan. Dieser sieht vor, dass die Komfortwärme um 35 Prozent gesenkt, während die erneuerbaren Energien und die Abwärmenutzung am Gesamtwärmebedarf von heute 12 auf 60 Prozent gesteigert werden — bis ins Jahr 2035. Zudem sieht der Stadtrat viel Potenzial bei Gebäudesanierungen, da ein Grossteil der Gebäude aus der Zeit zwischen 1920 und 1970 stammt. Das Parlament wies den Energieplan der Exekutive zwar erst Mitte Dezember zurück, dies aber nicht mangels Unterstützung für dessen Inhalt, sondern wegen «mehrerer Einseitigkeiten zugunsten der EWZ», die in Verträgen zwischen den EWZ und der Stadt Schlieren vorkamen. Der Stadtrat soll nun nachverhandeln.