Schlieren
Wieso die Schlieremer Drogerie Locher Anfang 2018 schliesst

Sein Vater liess das bekannte Schlieremer Gebäude in den 1950er-Jahren erstellen. Nun schliesst Philipp Locher die Drogerie. Die Standorte Geroldswil und Dietikon behält Philipp Locher offen.

Alex Rudolf
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Philipp Locher vor der Drogerie-Filiale, die sein Vater vor rund 70 Jahren gründete. Die Filialen in Geroldswil und Dietikon bleiben bestehen.

Philipp Locher vor der Drogerie-Filiale, die sein Vater vor rund 70 Jahren gründete. Die Filialen in Geroldswil und Dietikon bleiben bestehen.

Alex Rudolf

Erste Vorboten, die aufzeigen, was auf die Gewerbetreibenden im Schlieremer Zentrum zukommt, sind bereits sichtbar. Auf dem Zentrumsplatz wurden in den vergangenen Wochen Absperrungen angebracht und metertiefe Löcher gegraben. In der Innenstadt entstehen derzeit neben der Limmattalbahn auch der neue Stadtplatz sowie ein neuer Kreisel. Zu viel für den langjährigen Schlieremer Drogisten und Limmattaler des Jahres 2012, Philipp Locher. «Nach reiflicher Überlegung haben wir uns entschlossen, diesen Standort zu schliessen», bestätigt er eine Meldung des Stadtmagazins «Der Schlieremer».

Den endgültigen Entschluss fassten Locher und seine Frau, nachdem die Limmattalbahn AG die Pläne für die verschiedenen Bauphasen veröffentlicht hatte. «Bereits ab kommendem Jahr können uns Kunden nur noch von der Engstringerbrücke aus anfahren», so Locher. Den Gong habe ihm aber gegeben, was die Planer der Limmattalbahn AG während des Sommers 2018 vor haben. «Dann ist neben der Bahnhofstrasse auch die Engstringerbrücke gesperrt – wir wären also nur noch mit der Rega erreichbar», sagt Locher mit einer Prise Galgenhumor. Auch für die Zeit nach der Fertigstellung der ersten Bahnetappe im Herbst 2019 ist Locher skeptisch. «Dann wird alle paar Minuten ein Tram den Zentrumsplatz in irgendeine Richtung verlassen. Der motorisierte Individualverkehr ist dann stark unterdrückt.» Dass es die Automobilisten zu Einkaufsmöglichkeiten mit genügend Parkplätzen ziehe, sei nicht erst seit gestern der Fall. «Das Dietiker Gebiet Silbern beispielsweise wird von Einkaufswilligen beinahe überrannt.»

Detaillisten sterben in Schönheit?

Ein Verkehrsprojekt auf der anderen Seite der Bahnhofstrasse stelle für die Detaillisten eine weitere Bedrohung dar. Die geplante Begegnungszone, die bald im Parlament behandelt werden soll, würde dem Gewerbe rund um die Güterstrasse das Leben zusätzlich schwer machen, ist Locher überzeugt. Die Stadt sorge mit diesen Aufwertungsprojekten zwar dafür, dass dereinst alles hübsch aussehen soll. «Doch würde der Detailhandel dann in Schönheit sterben.» Kommen denn heute lediglich Kunden mit ihren Autos zu Lochers Drogerie? Er verneint. Doch sei es so, dass jene, die mit dem Auto kämen, die wohl solventesten Kunden seien. «Die Schlieremer Detaillisten sind auch auf Kunden von ausserhalb Schlierens angewiesen.»

Die Baustellen im Stadtzentrum seien für den Detailhandel tatsächlich unangenehm, sagt Stadtrat Markus Bärtschiger (SP) auf Anfrage. Der Schlieremer Bauvorsteher verweist aber auch darauf, dass es eine ökonomische Tatsache sei, dass kleinere Detaillisten ihre Läden vermehrt schliessen werden müssen. «Wegen Konkurrenz aus dem Ausland und aus dem Internet, aber auch wegen dem Gesamterlebnis, das in Einkaufsmalls geboten wird, ist die Branche unter Druck», so Bärtschiger. Dieser Trend sei weltweit zu beobachten und führe zum sogenannten «Lädelisterben». Die Stadt verfolge die Strategie, den Aussenraum aufzuwerten, sodass ein Einkaufserlebnis entstehe, das vergleichbar ist mit jenem in einer Mall. «Aus unserer Sicht hilft es den Gewerbetreibenden des Zentrums enorm, wenn die Menschen gerne Zeit in der Innenstadt verbringen.»

Erleichterung nach Sommerferien

Auch Daniel Issler, als Gesamtprojektleiter für die Ausführung der Bauprojekte des Kantons (Autokreisel), der Stadt (Zentrumsplatz) und der Limmattalbahn AG (Stadtbahn) zuständig, tut die Schliessung der Drogerie Locher leid. Solch intensive Bauarbeiten seien für Anwohner und Gewerbetreibende durchaus schwierig. Doch habe man bei der Planung versucht, die Beeinträchtigung so gering wie möglich zu halten. «Zwischen Februar und Juli 2018 ist die Beeinträchtigung für Herrn Locher vorhanden, während der Sommerferien ist sie sehr stark», so Issler. Dafür sind die Strassenbauarbeiten am 20. August 2018 um den Zentrumsplatz abgeschlossen und die Zufahrten zu den Liegenschaften sind ab dann wieder frei zugänglich.

Werden mehr Läden schliessen?

Doch dass dann die grössten Brocken vorbei sind und man nahe am Endzustand ist, ändert nichts an Philipp Lochers Entscheid. Und was wird mit dem prominenten Gebäude geschehen? Immerhin wurde es im Jahr 2010 ins städtische Inventar der kulturhistorischen Objekte aufgenommen und liegt am künftig aufgewerteten Zentrumsplatz mit Bahnanschluss. «Genaue Pläne, welches Geschäft ab 2018 hier einziehen wird, haben wir noch nicht», so Locher. Doch sei er durchaus offen für Bewerber. Sein Vater liess das Haus in den 1950er-Jahren erstellen.

Es beheimatet nebst dem Ladenlokal auch 12 Wohneinheiten. Zuoberst verbrachte Locher, der seit längerem in Urdorf wohnt, seine Kindheit und Jugend. Sein Vater erstellte zudem den geschwungenen Schriftzug auf dem Dach der Liegenschaft. «Vielen dient dieser als Orientierung, etwa wenn sie mit der S-Bahn von Urdorf nach Zürich unterwegs sind», sagt Locher. So werde der Schriftzug vorerst bleiben. Genau so wie die Drogerie-Locher-Filialen in Dietikon und Geroldswil. Erstere unter der Führung von Philipp Lochers Tochter Jessica.

«Dass mit der endgültigen Schliessung Ende Januar eine Ära zu Ende geht, wird mir wohl erst dann richtig bewusst», sagt Locher sichtlich gerührt. Doch beschleiche ihn das ungute Gefühl, dass sein Geschäft nicht das letzte im Schlieremer Zentrum sein wird, dass die intensiven Bauarbeiten der kommenden Jahre nicht überlebt.