Dietikon

Wieso die Abstimmung über das Industriegebiet wegweisend ist

Das Dietiker Gebiet Sildern soll der Industrie überlassen werden, findet das Komitee «Zukunft Silbern – Ja». Bettina Hamilton-Irvine

Das Dietiker Gebiet Sildern soll der Industrie überlassen werden, findet das Komitee «Zukunft Silbern – Ja». Bettina Hamilton-Irvine

Der Richtungsstreit um die Zukunft des Industriegebiets hat nicht erst vor ein paar Wochen begonnen. Schon vor zehn Jahren stritten sich Politiker darüber. Nun soll beschlossen werden, wie sich das Gebiet weiterentwickeln darf.

Es ist lange her, seit eine kommunale Abstimmung in Dietikon im Vorfeld derart für rote Köpfe gesorgt hat wie der Entscheid über die Zukunft des Industriegebiets Silbern-Lerzen-Stierenmatt (SLS). Befürworter wie auch Gegner der vom Stadtrat ausgearbeiteten Vorlage haben sich in Kampagnen gestürzt, die viel Geld, Zeit, Energie und Ausdauer kosten.

Was bedeutet das für Dietikon? Zuerst einmal: dass seinen Bewohnern die Zukunft ihrer Stadt am Herzen liegt. Dass ihnen auch ihr wahrlich nicht sehr ansehnliches Industriequartier im Norden der Stadt alles andere als egal ist. Dann aber auch: dass beide Seiten zutiefst davon überzeugt sind, dass sie mit ihrer Haltung richtig liegen. Sowohl Befürworter als auch Gegner drohen damit, dass eine Katastrophe bevorsteht, sollte die andere Seite gewinnen.

Dass die beiden klar definierten Gruppen – die Bürgerlichen sind für die Vorlage, die Linken dagegen – einiges an Ressourcen in den Abstimmungskampf investieren, hat jedoch noch einen anderen Grund: Der Richtungsstreit um die Zukunft des Industriegebiets hat nicht erst vor ein paar Wochen begonnen. Schon vor zehn Jahren stritten sich Politiker darüber, was mit dem 60 Hektaren grossen Industriegebiet geschehen soll. Diesem wurde ab 2005 mit einer Planungszone fünf Jahre lang faktisch ein Baustopp auferlegt, nachdem es baulich und verkehrstechnisch ausser Kontrolle geraten war. Nun soll beschlossen werden, wie sich das Gebiet weiterentwickeln darf. Der Entscheid am 11. März wird daher wegweisend sein.

Sowohl für ein Ja als auch für ein Nein gibt es gute Gründe. Die Befürworter argumentieren damit, dass bei einer Ablehnung der Vorlage wieder die Industriezone gilt, deren Regelungen so liberal sind, dass baulicher Wildwuchs und zusätzliche Megastores inklusive Mehrverkehr kaum verhindert werden könnten. Denn eine weitere Planungszone kann nicht erlassen werden. In diesem Sinne gibt die Vorlage Rechtssicherheit. Sie wird von den Befürwortern ausserdem als zukunftsgerichtet bezeichnet: Erlaubte Ausnutzung und Parkplatzzahl werden etwas eingeschränkt, der öffentliche Verkehr gefördert und die Freihaltefläche von 5 auf 10 Prozent verdoppelt. Wen diese Argumente überzeugen, der lege ein Ja ein.

Die Gegner hingegenbefürchten, dass die Annahme der Vorlage, die mit 13,5 Millionen Franken ein happiges Preisschild trägt, nichts zur Verbesserung der Verkehrssituation beitragen würde. Dass, im Gegenteil, die 6000 zusätzlich möglichen Arbeitsplätze noch mehr Verkehr schaffen würden. Sie verlangen eine neue Planung, bei der nicht nur die Grundeigentümer, sondern alle interessierten Gruppen einbezogen werden. So zum Beispiel die Naturschutzgruppe, die Rekurs gegen die Vorlage einlegen will, da keine Pufferzone zu den Flachmooren ausgeschieden worden ist. Wer ebenfalls eine neue Planung will, der stimme Nein.

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