Kantonsschule Limmattal

Wieso bestehen so wenige die Aufnahmeprüfung? – Rektor Werner De Luca bezieht Stellung

Der Rektor der Kantonsschule Limmattal, Werner De Luca, verteidigt seine Schule. (Archiv)

Der Rektor der Kantonsschule Limmattal, Werner De Luca, verteidigt seine Schule. (Archiv)

Die Kantonsschule Limmattal weist eine der tiefsten Aufnahmequoten des Kantons auf. Die veröffentlichten Zahlen scheinen eindeutige Aussagen zu machen – doch es wurden längst nicht alle Faktoren berücksichtigt, kritisiert der Rektor.

Nur 31,7 Prozent aller Schülerinnen und Schüler haben im vergangenen Jahr die Aufnahmeprüfung fürs Kurzzeitgymnasium an der Kantonsschule Limmattal geschafft. Damit landete die Schule im kantonalen Vergleich auf dem letzten Platz, wie eine gestern publizierte Auswertung des «Tages-Anzeigers» ergeben hat. Bei der Aufnahmequote fürs Langzeit-Gymnasium erreichte die Kanti Limmattal mit 50,7 Prozent Platz 12 von 15.

Ein Blick auf die letzten sechs Jahre zeigt, dass die Aufnahmequoten für das Kurzzeitgymi jährlich stark variieren. So bestanden 2014 45,2 Prozent die Prüfung und im darauf folgenden Jahr waren es nur 29,7 Prozent.

Werner De Luca, Rektor der Kantonsschule Limmattal, hat klare Worte für die veröffentlichte Auswertung: «Was ich gelesen habe, ist für unsere Schule unnötige negative Publicity.» Er müsse damit rechnen, dass jetzt Eltern zu Unrecht besorgt seien und die Schule kontaktieren. «Dabei wurden wichtige Faktoren in der Berichterstattung leider nicht berücksichtigt.» Als Beispiel nennt er die im Limmattal speziell hohe Anzahl der Berufsmaturitätsschüler (BMS), die sich neben der offiziellen BMS-Prüfung auch für die Aufnahmeprüfung an der Kantonsschule anmelden. «Diese Doppelanmeldungen machen pro Jahr 40 bis 50 Prozent aller Anmeldungen aus.»

Zur Erklärung: Wer sich für eine Berufslehre mit BMS entscheidet, kann im Kanton Zürich die entsprechende Aufnahmeprüfung absolvieren. Zusätzlich melden sich zahlreiche Schülerinnen und Schüler aus der Sekundarschule auch für die Aufnahmeprüfung der Kantonsschule Limmattal an – ohne Absicht, dort einzutreten. Denn wenn man diese Prüfung besteht, kann man prüfungsfrei die BMS besuchen.

«Da diese jungen Leute dann zwei Möglichkeiten haben, um an der Berufsmittelschule angenommen zu werden, ist für sie die Wichtigkeit der Gymnasiumsprüfung vermutlich zweitrangig.» Das wirkt sich auf die Statistik aus. «Würden diese Kandidatinnen darin nicht erscheinen, wäre die Bestehensquote auch an der Kantonsschule Limmattal markant höher», sagt De Luca.

Gymi-Besuch als Muss

Ein weiteres Problem sei, dass Schülerinnen und Schüler an die Prüfung für das Langzeitgymnasium geschickt würden, die schlechte Vornoten haben. «Mit einem Schnitt von 4,75 ist es fast unmöglich, als Primarschüler ins Gymnasium zu wechseln. Der Schnitt liegt ja zirka bei der Note 5,3», sagt De Luca.

Hier sei es die Verantwortung der Schulen, mit den Eltern zu sprechen und diesen klarzumachen, dass ihr Kind für die Mittelschule eher ungeeignet ist. Die Kommunikation gestalte sich teilweise schwierig. «Es ist auch so, dass Familien mit Migrationshintergrund noch immer einzig den Weg übers Gymnasium als eine wertvolle Ausbildung anerkennen», sagt er.

Der sozioökonomische Hintergrund spiele dabei natürlich auch eine Rolle: Für hiesige Familien aus einem tieferen sozialen Umfeld sei es eher Tradition, eine Berufslehre zu absolvieren, als ins Gymi zu gehen. «Und akademische Familien wollen ihre Sprösslinge eher in einer Kantonsschule wissen», sagt De Luca.

Autorin

Michelle Panza

Michelle Panza

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