Die reformierte Kirchgemeinde hat den neuen Pächter für das Stürmeierhuus auserkoren: Das Rennen macht die Stiftung Arbeitskette. Im Frühsommer wird der Restaurantbetrieb im traditionsreichen Haus wieder aufgenommen. Seit Ende Oktober 2014 ist das Stürmeierhuus geschlossen.

Die ehemalige Wirtin Dina Thoma kündete den Mietvertrag nach zehn Jahren. Jean-Claude Perrin, Ressortvorsteher Liegenschaften der reformierten Kirche, wünschte sich damals einen Kriterienkatalog, nach welchem Bewerbungen von potenziellen Mietern verglichen werden können.

Tatsächlich hat die Kirchgemeinde für das Auswahlverfahren eine Spezialkommission bestimmt und gemeinsam mit externen Fachleuten nach Pächtern gesucht. Eingegangen seien neun ernsthafte Bewerbungen, so Perrin. Ziemlich rasch sei aber die Stiftung Arbeitskette der Favorit gewesen.

Restaurant mit Sozialauftrag

Das Stürmeierhuus ist das erste Restaurant ausserhalb von Zürich, das die Stiftung übernimmt. Zur Arbeitskette gehören bereits die Restaurants Limmathof, Renggergut, Mediacampus, Brunegg und Krone. Alle fünf Lokale stehen unter der Leitung von qualifizierten Gastronomieprofis und werden von Fachpersonen aus dem psychosozialen Bereich unterstützt.

Die meisten Arbeitsplätze und Lehrstellen sind Menschen mit IV-Leistungen vorbehalten. Im Rahmen eines Förderplans trainiert und betreut die Stiftung die beeinträchtigten Menschen und fördert ihre Eingliederung in die freie Wirtschaft.

Wenn jemand bereit ist für den Wechsel in die Privatwirtschaft, erhält er in einem Comebackbetrieb eine befristete Anstellung. Ein solcher Betrieb soll auch das Stürmeierhuus werden. Der Sozialauftrag wird mit Beiträgen vom Bund und Kanton unterstützt, während im Gastronomiebereich kostendeckend gearbeitet wird.

Diese Kombination aus sozialen Engagement un professionell geführtem Gastronomiekonzept habe sie überzeugt, sagt Ursula Gütlin-Plüer, Präsidentin der reformierten Kirchgemeinde. Auch die finanzielle Sicherheit sei ein Kriterium bei der Auswahl des neuen Pächters gewesen. Nun müsse nur noch der Betriebsleiter gefunden werden. Das Rekrutierungsverfahren dazu laufe. so Gütlin-Plüer.

Bis die passende Person ihre Arbeit aufnimmt, ist Petra Schenini, Fachbereitsleiterin Gastronomie der Stiftung Arbeitskette, für das Stürmeierhuus zuständig. «Ich habe mich sofort in das Restaurant verliebt», sagt sie. Als sie das erste Mal mit Alain L’Allemand, dem Geschäftsführer der Stiftung, das Stürmeierhuus besichtigt habe, sei beiden sofort ein Konzept für die Wirtschaft eingefallen.

An sieben Tagen geöffnet

Das Ziel der Stiftung sei es, den Charme des historischen Gebäudes beizubehalten. Quartierbewohner und Vereine sollen sich angesprochen und wohl fühlen. Ebenfalls soll das Stürmeierhuus ein Haus für Feste und Grossanlässe bleiben.

An sieben Tagen in der Woche wird das Restaurant ab Ende Mai geöffnet sein. Auf der Karte finden sich selbstgemachte Speisen. «Es ist uns ein Anliegen, saisonale und regionale Gerichte anzubieten», so Schenini.

Für jedes Budget werde etwas passendes auf der Karte sein und auch Vegetarier sollen mehr auf ihre Kosten kommen. Die Spezialität des Stürmeierhuus wird ein Fondue Chinoise sein, für welches sowohl die Bouillon als auch die acht verschiedenen Saucen selbst hergestellt werden.

Für Gäste, die kein Fleisch essen, gibt es ein vegetarisches Fondue. Ausserdem schwärmt Schenini schon jetzt vom Poulet im Chörbli: «Das wird ein Highlight und ganz neu interpretiert werden.» Doch nicht nur mittags und abends solle es etwas zu essen geben.

Wer Nachmittags einen kleinen Hunger habe, sei ebenfalls willkommen. Dann würden verschiedene Salate und Kuchen aufgetischt. Wie bisher wird es ausserdem wieder einen Cateringservice geben. Dieser kann jetzt schon in Anspruch genommen werden, wenn für Bankette ein Saal im Stürmeierhuus gemietet wird.