Bilanz

«Wie vor Weihnachten»: So erfolgreich trotzten die Limmattaler Bibliotheken dem Coronavirus

Während des Lockdowns konnte man nicht in den Gestellen der Bibliotheken schmökern. (Themenbild)

Während des Lockdowns konnte man nicht in den Gestellen der Bibliotheken schmökern. (Themenbild)

Während des Lockdowns verliehen Limmattaler Bibliotheken weiterhin physische und digitale Medien. Trotz der Schliessung wurde der Betrieb so vielerorts dank Lieferdiensten so gut wie möglich aufrechterhalten. Eine Bilanz.

Vom Beginn des Lockdowns am 16. März bis zum Lockerungsschritt vom 11. Mai blieben die Gebäude der Limmattaler Bibliotheken zu. Während dieser gut zwei Monate konnten man Bücher und andere Medien nicht mehr direkt aus den ­Regalen mitnehmen. Das hielt die Bibliotheken jedoch nicht davon ab, weiterhin fleissig ­Medien zu verleihen – sowohl physisch als auch digital.

Bei der Bibliothek Unterengstringen zum Beispiel vermuteten die ­Mitarbeiterinnen bereits einige Tage vor dem Lockdown, dass die Bibliothek bald ihre Türen schliessen muss. «Wir verschickten am Tag vor der Verkündung der ausserordentlichen Lage Mails an die Bibliotheksmitglieder. Darin rieten wir ihnen, dass sie jetzt noch möglichst viele Artikel ­ausleihen sollten», sagt Karin Baeriswyl, die Leiterin der ­Bibliothek Unterengstringen. Bevor der Bundesrat den Lockdown verkündete, wurden in Unterengstringen so an einem Tag noch 1200 Medien aus­geliehen.

«Wir kamen uns teilweise vor wie Weihnachtsfrauen»

Um auch während des Lockdowns die Ausleihe zu er­möglichen, stellte die Bibliothek Unterengstringen einen Lieferdienst auf die Beine. Mitglieder der Bibliothek konnten online, telefonisch oder per Mail Be­stellungen aufgeben. Die Bibliothekarinnen packten die be­stellten Medien ab und brachten sie bis zur Haustür. «Wir kamen uns teilweise wie Weihnachtsfrauen vor, als wir die Pakete ­lieferten. Oft kam dann die ganze Familie zur Haustür und ­hatte eine Riesenfreude», sagt Baeriswyl. Während des Lockdowns wurden zudem alle Ausleih­fristen bis Ende Juni verlängert.

Der Lieferdienst wurde in Unterengstringen rege genutzt, auch wenn die Gesamtmenge der ausgeliehenen Artikel ge­ringer ausfiel als üblich. Grosser Beliebtheit erfreute sich die «Wundertüte». Bei diesem ­speziellen Angebot für Kinder füllten die Bibliothekarinnen eine Tasche mit verschiedenen Büchern, Filmen, Spielen und CDs. Neben den Artikeln aus der «Wundertüte» hätten ­Kinder vor allem Sach- bücher ausgeliehen. «Sach- bücher für Kinder werden ­immer kurzweiliger. Man kann sie beigenweise lesen», sagt Baeriswyl. Auch ­Filme, bei denen die Nachfrage sonst ­wegen Streaming-Platt­formen rückläufig ist, fanden während der Coronakrise ihren Weg in die Wohnungen der ­Unterengstringerinnen und ­Unterengstringer.

Mittlerweile ist das Bibliotheksgebäude wieder offen und die Artikel können wieder dort ausgewählt werden. Auch ­Kinder dürfen wieder vor Ort zusammen spielen. Trotzdem sei die Bibliothek noch nicht ganz das Bienen- haus, das es vor der Corona- krise war. «Die Leute sind immer noch vorsichtig. Vor allem die Eltern halten ­Abstand», sagt Baeriswyl. Die Bibliothek schliesst zurzeit um 18 Uhr, eine Stunde früher als sonst. So ­haben die Angestellten genug Zeit für die Desinfektion der ­Bibliothek.

Die letzte Bibliothek im ­Limmattal, die während des Lockdowns die Ausleihe von physischen Medien er­möglichte, war die Stadt- und Regional­bibliothek Dietikon. «Das ­Gemeindeführungsorgan erlaubte uns nicht von Anfang an die Ausleihe von physischen ­Medien», sagt die Leiterin der Bibliothek Dietikon, Agnes Matt. Am 27. April führte die ­Bibliothek dann einen Pickup- Service ein. Bestellungen konnten online oder telefonisch ge­tätigt werden. Die bestellten Medien konnte man dann beim Bibliothekseingang abholen.

Der Dienst sei nach der Ein­führung gut genutzt worden, sagt Matt. «Am meisten lasen die Leute unterhaltende Literatur. Sie liehen auch oft Sach-, Hör- und Bilderbücher sowie Gemeinschaftsspiele aus», sagt die Leiterin der ­Dietiker Bibliothek. Comics und Konsolen­spiele wurden hingegen wenig ausgeliehen. An der Ausleihe von Musik und Sprachkursen zeigte kaum jemand Interesse.

Digitales Angebot gut 50 Prozent mehr genutzt

Das Angebot «Onleihe», das digitale Ausgaben von Büchern und Musik bereitstellt, sei während des gesamten Lockdowns begehrt gewesen. «Es wurde gut 50 Prozent mehr benutzt als sonst. Auch neue Nutzer kamen dazu. Viele Kinder riefen bei uns an und wollten wissen, wie sie ‹Onleihe› benutzen können», sagt Matt. Zugriff auf das In­ventar der digitalen Bibliothek Ostschweiz über «Onleihe» haben neben den Mitgliedern der Bibliothek Dietikon auch die Mitglieder der meisten anderen Limmattaler Bibliotheken (namentlich Aesch, Birmensdorf, Geroldswil, Oberengstringen, Schlieren, Uitikon, Urdorf und Weiningen).

Während in Unterengstringen der Lieferservice noch für einige Zeit weitergeführt wird, stellte die Bibliothek ­Dietikon den Pickup-Service wieder ein. Das Bibliotheks­gebäude habe wieder geöffnet, weshalb der für die Mitarbeiter arbeitsintensive Pickup-Service nicht mehr benötigt wird, sagt Matt.

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