Zarte und helle Töne erfüllen den Stadtkeller Dietikon. Von den Scheinwerfern erleuchtet sind auf der Bühne nur der schwungvoll gebogene Hals der Harfe und die junge Frau mit keckem Kurzhaarschnitt. Anna Berwanger brachte ihre Zuhörer am Dienstagabend in den seltenen Genuss eines Harfen-Solo-Konzertes.

«Man hat das Gefühl, das Instrument habe tausend Saiten», meint die Besucherin Brigitte Huwiler aus Dietikon nach dem Konzert. Ein Besucher ergänzt: «Und man könnte meinen, mehrere Leute spielen gleichzeitig, so kraftvoll ist der Klang der Harfe.»

Der Auftritt von Berwanger war in zweierlei Hinsicht eine Premiere. Die Studentin der Zürcher Hochschule der Künste machte den Auftakt einer ganz neuen Reihe der «8953 Live Konzerte» im Stadtkeller. Unter dem Motto «8953 Live Young Music Talents» finden in diesem Halbjahr drei Auftritte von Studenten der Hochschule statt. Die Kulturkommission der Stadt Dietikon möchte den jungen Musikern so eine Plattform bieten.

Dass Berwanger noch Studentin ist und etwas weniger Erfahrung mit sich bringt als die Berufsmusiker, die bisher im Stadtkeller aufgetreten sind, hat man nicht gemerkt, wie viele Besucher sagten.

Unerfahren ist die 29-jährige Musikerin keineswegs. In ihrer noch jungen Karriere hat sie schon einiges erreicht. «Ich spiele auf Anfrage in verschiedenen Orchestern als Aushilfe und trete auch regelmässig solistisch auf», so Berwanger. Die intime Atmosphäre im Dietiker Stadtkeller gefalle ihr besonders. «Man hat hier engen Kontakt zum Publikum.»

Dass dieses sehr an ihrem Harfenspiel interessiert war, habe sie spüren können. «Oft hört man die Harfe nur im Orchester, wo sie auch mal etwas untergeht. Heute einmal die doch so grosse Bandbreite des vielfältigen Instrumentes zu hören, hat mir sehr gefallen», sagt Besucherin Brigitte Huwiler.

Auch Berwanger findet es schade, dass die Harfe immer noch so selten alleine gespielt wird. An Solo-Repertoire fehle es nämlich nicht. «Man sollte mehr solche Konzerte veranstalten», meint die Harfenistin. Berwanger ist jedoch nicht nur an klassischer Musik interessiert. Sie arbeitet auch mit Jazz-Musikern zusammen, spielt Kammermusik und barocke Tripleharfe. Privat hört sie besonders gerne Jazz, israelische Lieder und Alte Musik.

Mit ihrem Konzert im Stadtkeller überzeugte die Studentin nicht nur die Besucher. «Das war ein sehr guter Start in die neue Konzertreihe», meint auch die Kulturbeauftragte der Stadt, Irene Brioschi. «Anna Berwanger hat ein besonders schönes Programm zusammengestellt.»

Der Stadtkeller sei sogar besser besucht gewesen als bei Auftritten etablierter Berufsmusiker. «Die Harfe ist natürlich ein Instrument, das fasziniert und das man nur selten solo zu hören bekommt», so Brioschi.

Ob die nächsten Konzerte des neuen Förderungsprojektes auch so gut ankommen, wird sich am 19. März mit dem Auftritt des Flöten- und Gitarren-Duos Marilina und Andrea zeigen.