Ein knapp 60-jähriger Mann versorgt alleine seit Jahren über 850 Hunde in einem dürftig eingerichteten privaten Tierheim nahe der rumänischen Metropole Klausenburg. Sein Name: Radu Termure. Und: Er ist am Ende. Der Kaufmann verlor um seiner Tierliebe willen seine finanzielle Sicherheit – und jeglichen Rückhalt der Behörden.

«Wo andere wegschauen, schauen wir hin.» Das schicken Josef und Silvia Zihlmann voraus, bevor sie bei einer Tasse Kaffee auf dem Sitzplatz ihrer Weininger Parterrewohnung vom aktuellen Projekt ihres Vereins «Starromania – Schweizer Tierärzte für Rumänien» erzählen. Seit vier Jahren arbeitet das pensionierte Ehepaar sieben Tage die Woche für das Wohl rumänischer Strassenhunde. «Mit der Zeit macht es einen müde», sagt der ehemalige Bezirkstierarzt und blickt ernst zu seiner Frau.

Kritik auf Facebook

Von einer Facebook-Freundin auf den Rumänen aufmerksam gemacht, begann «Starromania» vor drei Monaten, Termure finanziell zu unterstützen. Über 5000 Franken Spendengelder fallen monatlich für Trockenfutterlieferungen oder das Aufstellen von Putzequipen an. Zihlmann schätzt, dass die Ressourcen des Vereins bald erschöpft sind. Der Appell an andere Organisationen habe bisher nicht gefruchtet. «Wir stehen alleine da», so Zihlmann. Aufgeben komme aber nicht infrage.

Auf Facebook schlägt den beiden Limmattalern indes Kritik entgegen. «Möchtegern-Tierschützer greifen uns an, weil wir Termure zu helfen versuchen», sagt Silvia Zihlmann. Denn jahrelang hatten sich Hilfsorganisationen bei ihm abgemüht. Unterstützung lehnte er bisher kategorisch ab. Nicht, weil er verrückt wäre, so Zihlmann, sondern aus Angst, betrogen zu werden.

40 000 Euro Kosten

Nun versucht sich also «Starromania» an der scheinbaren Sisyphusaufgabe. Während seiner Rumänienreise im September besuchte Josef Zihlmann Termure in Klausenburg. Im Gespräch habe sich dieser einsichtig gezeigt. Sein Heim sei «eines der schlimmsten», die Zihlmann je gesehen habe. Kein fliessendes Wasser, keinen Strom. Die Hunde seien entgegen der Erwartungen in einer guten Verfassung. Termure kümmere sich gut um sie. Doch um seine eigene Gesundheit sei es schlecht bestellt. «Ein Mensch ist dort am Sterben», sagt Zihlmann nachdrücklich.

Mithilfe seines Mittelsmannes diskutierte er mit Vertretern der lokalen Behörden die Lösungsvorschläge des Vereins. Eine Massnahme wäre, bis Ende Jahr die Hälfte von Termures Hunden in die Schweiz, nach Deutschland oder Österreich zu verschieben. Sei der Bestand reduziert, könne ein neues Tierheim gebaut werden. Die Kosten sollen sich auf bis zu 40 000 Euro belaufen – den Landkauf nicht miteingerechnet. Nächsten Montag wird Zihlmann in Klausenburg weiter verhandeln.

Kampf gegen die Korruption

Weitere Projekte von «Starromania» liegen unterdessen nicht auf Eis. Ende Oktober führt die Organisation in Gheorgheni eine Weiterbildung für zwei Dutzend Tierärzte durch. In der Region Harghita komme man für regelmässige Kastrationsaktionen auf. Ein Problem, das man weiterhin bekämpfe, seien die tierunwürdigen Bedingungen in den rumänischen Heimen, sagt Zihlmann.

Dann lehnt er sich auf seinem Stuhl vor: «Wenn ich etwas jünger wäre, würde ich bei Nacht und Nebel dort hingehen und alle Käfige öffnen.» Das glaubt man ihm. Aber ist das Freilassen von Hunden in Rumänien nicht verboten? «In diesem Land hält sich selten jemand an die Gesetze», kontert er.

Vor einem Jahr etwa hatten sie die Pläne für ein überregionales Tierheim in Gheorgheni aufgegleist. Doch diesen Frühling erhöhte der Patron den Landpreis um das Doppelte, nachdem er erfuhr, dass sie Schweizer seien. «Vielleicht geben wir uns in Zukunft einfach als Österreicher aus», sagt Silvia Zihlmann lachend.

Was die Zukunft bringt, wissen beide nicht so genau. «Wenn das Projekt mit Termure klappt, hätten wir etwas Unglaubliches geschafft», sagt Silvia Zihlmann und streichelt ihre 13-jährige Entlebucher Sennenhündin Hera. Danach würden sie zurückstecken. Zum Schluss stellt man noch die Frage, ob sich die beiden ihre Rente ruhiger vorgestellt haben. «Zu ruhig passt nicht zu uns», sagt Silvia Zihlmann.

Dass die mühselige Arbeit auch schöne Seiten habe, dürfe man nicht vergessen. Josef Zihlmann nickt und ergänzt: «Das Glück muss man eben herausfordern.»