Noch ist der untere Teil des Hangs grün, als wir uns am Donnerstagvormittag in der Skibeiz des Skilifts Bäretswil treffen. Das Skirennen zu dessen 50-Jahr-Jubiläum hat Skilift-Genossenschaftspräsident Markus Ineichen bereits absagen müssen.

Nun reduziert sich der Jubiläumsanlass morgen Samstag auf einen Fondue-Abend mit Musik im Beizli. Bäretswil im Zürcher Oberland hat nun mal nicht gerade ideale Voraussetzungen für ein Skigebiet: Die Talstation liegt nur 723 Meter über dem Meer, die Bergstation 125 Höhenmeter weiter oben.

Der Tellerlift erschliesst den Hang auf einem 440 Meter langen Trassee. Unterhalb der Talstation gibts noch zwei Ponylifte für die Kleinsten – und, eben, die Skibeiz. Wie schafft es ein Skigebiet, sich mit solchen Rahmenbedingungen zu halten?

Als Ineichen vor 15 Jahren der Skiliftgenossenschaft Bäretswil beitrat, gab es ernsthafte Überlegungen, den Betrieb einzustellen. «Seither schrieben wir in 13 Jahren schwarze Zahlen. Nur zweimal gab es Verluste. Das zeigt, dass es möglich ist», sagt Ineichen, der die Genossenschaft seit letztem Juni präsidiert. Doch er betont: «Ein Skilift allein kann nicht überleben.»

Interview mit Markus Ineichen, Präsident Skiliftgenossenschaft Steig Bäretswil

Markus Ineichen, Präsident Skiliftgenossenschaft Steig Bäretswil

Eine Beiz und Kooperationen

Der Präsident nennt mehrere Faktoren, die zum Überleben des Skilifts beitrugen: Da ist vor allem die von der Genossenschaft betriebene Skibeiz, die auch für private Anlässe gemietet werden kann. Mit den Einnahmen aus der kürzlich renovierten Beiz werde der Skilift quersubventioniert. Auch die Einnahmen aus Werbeflächen an der Skibeiz-Aussenwand habe man forciert. Zudem seien die Personalkosten tief: Das Personal am Skilift arbeitet auf Stundenlohn-Basis, die Arbeit im Hintergrund leisten die Genossenschafter grossteils ehrenamtlich. «Wir sind in der Lage, auch ohne Betriebstag eine schwarze Null zu erwirtschaften», sagt Ineichen.

Für die Kundschaft spiele die Preisfrage eine wichtige Rolle: Eine Tageskarte für Erwachsene kostet in Bäretswil ganze
22 Franken. Familien aus dem Raum Zürich-Rapperswil-Winterthur biete sich damit eine günstige, nahe Alternative zu den grossen alpinen Skigebieten, wo man für den Tagespass schnell einmal 60 Franken hinblättern muss.

Wichtig seien aber auch die Kooperationen, die in den letzten Jahren lanciert wurden. So hat der Skilift Bäretswil mit dem Skigebiet Davos/Klosters seit drei Jahren einen grossen «Götti» in den Bergen. Er hilft bei der Personalschulung und überlässt Bäretswil laut Ineichen gelegentlich Material-Restposten. Und wer in Bäretswil eine Tageskarte kauft, erhält einen Gutschein für 20 Prozent Rabatt auf eine Tageskarte in Davos/Klosters – solange der Vorrat reicht.

Auch die Skigebiete im Zürcher Oberland verstärkten in den letzten zwei Jahren ihre Zusammenarbeit: Zürioberland-Tourismus lancierte eine interaktive Karte der Oberländer Skigebiete im Internet. Zudem wurden regelmässige Treffen der Oberländer Skilift-Betreiber eingeführt. «Man sieht sich jetzt mehr als Partner. Früher wurstelte jeder vor sich hin», sagt Ineichen. Für die Zukunft plane man zudem Kooperationen mit den Sportämtern der Städte Zürich und Winterthur: Sie sollen vielleicht schon in einem Jahr unter der Woche Schulklassen aus den Städten auf die Bäretswiler Pisten bringen. Doch das ist noch Schnee von morgen.