Jubiläum

Wie sich das Altersheim Ruggacker zum Hotel mit Pflegeangebot entwickelte

Bereits kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in Dietikon über den Bau eines Altersheims diskutiert. Es sollte noch einige Jahre dauern, ehe der Ruggacker realisiert wurde. Unter anderem gab dessen Standort zu reden.

Wie sich die Zeiten doch ändern – oder auch nicht. «Beim heutigen Bevölkerungszuwachs, bei den Problemen, die Verkehr, Schule – das moderne Leben überhaupt – mit sich bringen, besteht die Gefahr, dass die betagten Einwohner etwas zu kurz kommen», heisst es in der Eröffnungsschrift für das Alters- und Pflegeheim Ruggacker in Dietikon. Diese erschien vor knapp 50 Jahren, in einer Zeit, in der die Gemeinde einen rasanten Veränderungsprozess hinter sich hatte. Von 1950 bis Mitte der 1960er-Jahre stieg die Einwohnerzahl Dietikons von 7000 auf 21 000. Die Eröffnung des Alters- und Pflegeheims 1966 markierte damals das Ende einer jahrelangen Entwicklung in der Alterspolitik der Gemeinde.

Bereits 1948 wurde erstmals über den Bau eines Altersheims diskutiert. Der Grund war die Unterbringung eines älteren Dietiker Bürgers in einem ausserkantonalen Heim. Obwohl das Thema Altersheim also schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg auf den Tisch kam, konzentrierte sich die Alterspolitik Dietikons zuerst auf die individuelle Unterstützung der betagten Einwohner. So wurde 1946 die Gemeindefürsorgestelle geschaffen. Sie wurde unter anderem auch mit der Altersbeihilfe betraut. Als erstes führte sie eine Beratungsstelle für Betagte ein. Wenig später wurde der Besuchsdienst für Betagte ins Leben gerufen. Freiwillige Helfer statteten den älteren Einwohnern Hausbesuche ab und versuchten, sie so vor Vereinsamung zu bewahren.

Bald darauf äusserten die Senioren den Wunsch, sich regelmässig mit Altersgenossen zu treffen und auszutauschen. Die Altersbeihilfekommission gründete darauf hin, im Jahr 1953, den ersten Altersclub. Weitere folgten. Sie schlossen sich quartierweise zusammen, was sich als vorteilhaft erwies. Weil Dietikon derart stark am Wachsen war, beschränkte sich der Lebenskreis der Senioren zusehends auf das eigene Wohnquartier.

Erster Landkauf scheitert

Gleichzeitig mit diesen Entwicklungen wurden auch die Planungen für ein Altersheim vorangetrieben. So wurde Anfang der 1950er-Jahre darüber diskutiert, ob ein solches auf dem Bürgerland oberhalb der Gyrhalde realisiert werden sollte. Dabei blieb es vorerst, ehe 1955 der Alters- und Pflegeheim-Fonds mit einer Einlage von 27 000 Franken eröffnet wurde. Drei Jahre später, nach langen Verhandlungen, scheiterte der Kauf eines Grundstückes in unmittelbarer Nähe der 1956 von der Miet- und Baugenossenschaft Schächli erstellten Alterssiedlung «Lindenbaum» an der Bleicherstrasse.

Das Landproblem konnte schliesslich 1960 gelöst werden. Der Grosse Gemeinderat genehmigte den Kauf der Liegenschaft Gärtnerei A. Schmid an der Bremgartnerstrasse 39 samt Umschwung von 4325 Quadratmetern. Der Preis betrug 592 525 Franken. Danach ging es rasch vorwärts. Eine Baukommission wurde eingesetzt und ein Architekturwettbewerb lanciert, der Anfang 1963 abgeschlossen war. Gewonnen hatte das Projekt «Ruggacker» des Zürcher Architekten Markus Dieterle.

Zu jener Zeit hatte sich auch bezüglich der Betreuung der betagten Bevölkerung wieder einiges getan. So wurde ein Beschäftigungsdienst für ältere Einwohner geschaffen und ein Haushilfedienst für Betagte eingeführt. Nun ergriffen auch die Senioren die Initiative und beschlossen, gemeinsam in die Ferien zu fahren. In Zusammenarbeit mit einem Reisebüro konnten günstige Arrangements zusammengestellt werden. Für die körperliche Betätigung bot schliesslich der Frauenverein ein Altersturnen an. Dietikon verfügte mittlerweile über ein grosses Angebot für seine älteren Bewohner. Und auch mit dem Bau des Alters- und Pflegeheims Ruggacker ging es nun vorwärts.

Im Juni 1964 genehmigte der Grosse Gemeinderat einen Kredit von 5,5 Millionen Franken für den Bau des Ruggackers und die Schaffung einer öffentlichen Grünanlage. Kurz darauf hatten die Stimmbürger das Wort. Mit 1365 Ja- zu 571-Nein-Stimmen gewährten sie den Kredit. Allerdings war bereits im Vorfeld der Abstimmung eine Diskussion darüber entstanden, ob das neue Altersheim am richtigen Standort realisiert werde. Viele Stimmbürger waren der Ansicht, dass eine solche Institution weiter hinaus ins Grüne gehöre und nicht so nahe im Zentrum gebaut werden sollte. Nur zwei Monate nach der Abstimmung, im September 1964, ging beim Bezirksrat Zürich ein Rekurs gegen den Beschluss des Urnengangs ein. Er wurde abgewiesen, aber an den Regierungsrat weitergezogen. Dieser wies ihn ebenfalls ab. Dem Bau stand nichts mehr im Wege. Ende Oktober 1965 fand das Aufrichtefest für die Alterswohnungen statt. Im Juli darauf zogen die ersten Mieter ein. Im selben Monat wurde auch das Aufrichtefest für das Altersheim gefeiert.

Im Zentrum und doch im Grünen

Heute ist man froh, über die damalige Standortwahl. «Der Ruggacker liegt unweit des Stadtzentrums, jedoch im Grünen und ist mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gut erschlossen», sagt Christoph Schwemmer, Gesamtleiter Alters- und Gesundheitszentrum. Der Standort passe zur Philosophie des Hauses. «Wir wollen offen sein. Die Bewohner können bei uns ein- und ausgehen, wann sie wollen. Es gibt keine Besuchszeiten. Zudem haben wir zwei öffentliche Cafeterias. Das ist ein grosser Unterschied zu früher», so Schwemmer – und nicht der einzige. Noch vor 50 Jahren habe man von Insassen und nicht von Bewohnern gesprochen. Zuvor seien Altersheime Anstalten gewesen. Das habe sich bis heute komplett geändert. «Wir sind ein Hotel mit Pflegeangebot», sagt Schwemmer. Seit der umfassenden Sanierung, die 2012 abgeschlossen wurde, bietet das Alters- und Gesundheitszenrum gut 180 Bewohnerinnen und Bewohnern verschiedene, ihren Bedürfnissen entsprechende Wohnmöglichkeiten. Dazu gehören das Pflegeheim Ruggacker, die Demenzabteilung im Haus Ruggacker, die Pflegewohnung an der Oberdorfstrasse 4, die Seniorenresidenz und das Altersheim Oberdorf.

Letzteres Gebäude hat laut Schwemmer viel zur Öffnung des Alters- und Gesundheitszentrums beigetragen. «Dort war von Anfang an vorgesehen, Räume einzurichten, die etwa Vereinen zur Verfügung stehen», sagt Schwemmer. Das Haus Oberdorf darf dieses Jahr ebenfalls einen runden Geburtstag feiern, den dreissigsten. Seine Geschichte geht in die Mitte der 1970er-Jahre zurück. Damals empfahl die Armenpflege dem Stadtrat, angesichts der demografischen Entwicklung den Bau von Alterswohnungen zu fördern. 1976 setze die Führsorgekommission eine Alterskommission ein, die den Ausbau des Alters- und Pflegeheims Ruggacker und einen Neubau an der Oberdorfstrasse prüfen sollte. Drei Jahre später beschloss der Stadtrat die Schaffung eines Pensionärheims und eines Alters- und Gesundheitszentrums Oberdorf. 1982 genehmigen die Stimmbürger mit überwältigendem Mehr einen Kredit von 11,8 Millionen, um das Projekt zu realisieren. Doch auch hier gab es Rekurse. Das Projekt wurde nochmals überarbeitet. Im September 1986 konnten das Alters- und Gesundheitszentrum Oberdorf und die erweiterte Pflegeabteilung Ruggacker eingeweiht werden.

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