Reservoir
Wie man ein altes Gemäuer loswird

Das Militär brach für die Gemeinde das nicht mehr gebrauchte Reservoir Widenhau ab.

Flavio Fuoli
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Wie man ein altes Gemäuer loswird

Wie man ein altes Gemäuer loswird

Limmattaler Zeitung

Das Reservoir Widenhau stand während Jahrzehnten im Wald oberhalb der Aescher Waldhütte. Es verstaubte still vor sich hin, denn zu gebrauchen war es nach einer Umorganisation der Wasserversorgung nicht mehr. Umso mehr interessierten sich Jugendliche dafür. Es stand aufgerichtet im Wald und war von Erde eingefasst. Jugendliche benutzten es als Versteck, wie Polizeivorstand Roland Helfenberger vor Ort erklärte. Sie hätten darin Feuer entfacht. Und als man den Eingangsdeckel zuschweisste, hätten sie ihn wieder aufgebrochen: «Ein Sicherheitsrisiko für die Gemeinde.»

Übungsobjekt für das Militär

Da kam den Aescher Behörden das Schreiben des Schweizer Militärs gerade recht. Für die Übung «Kataporto10» suchte es geeignete Objekte, nicht zu klein, an dem sie ihre schweren Gerätschaften für die Katastrophenhilfe einsetzen kann. Die Militärs sahen sich das Widenhau an – und empfanden es als «gutes Übungsobjekt für den Verband», wie Oberstleutnant Michel Sennhauser vorgestern beim Objekt erklärte.

Der Verband, der diese Woche hier übte, war das Katastrophenhilfebataillon23, deren Rettungskompanie2 nach Aesch dislozierte. Und die Truppe erschien mit allem Material, das sie hatte, um dem Beton des Reservoirs zu Leibe zu rücken: Bagger mit Abbruchhammer, Abbruchzange, Kompressor, Schere und Baggerlöffel, Geräte zur Metallabtrennung bis zur Sauerstofflanze. Am Waldrand standen in Reih und Glied die Unterstützungsfahrzeuge mit ihren Dieselkompressoren, die ununterbrochen Strom produzierten.

Flutlicht in der Nacht

Am Donnerstag, beim Besuch der az Limmattaler Zeitung, war das Reservoir bereits in Grund und Boden zermalmt. Der Baggerführer karrte bereits Erde heran, um das entstandene Loch zu füllen, schlug aber auch mit dem Meissel auf die noch zahlreich herumliegenden mächtigen Betonplatten. Das Fussvolk, die Soldaten, sägten mit einem Handgerät die herausragenden Eisenteile aus dem Beton und sammelten sie ein. Daneben lagen die einstigen «Innereien» des Reservoirs: Pumpen, Ventile, Rohre und dergleichen.

Zugführer und Wachtmeister Rodman von Heeren freut sich mit seinen Mannen über das Objekt, bei dem man die Theorie sehr gut in die Praxis umsetzen kann. Sogar nachts hätten sie gearbeitet. Denn: Dafür sind sie professionell ausgerüstet. Zwei zwölf Meter hohe Beleuchtungsmasten können praktisch ein kleines Fussballfeld ausleuchten. «Dieses Licht ermöglicht uns einen 24-Stunden-Betrieb», erklärt Oberstleutnant Sennhauser.

Zivile tragen die Verantwortung

Auch Oberstleutnant Sennhauser, der Übungsleiter, lobt das Reservoir als gutes Übungsobjekt. Die Übung «Kataporto10» ist in die Übung «Aeroporto10» integriert, in welcher das Militär im und rund um den Flughafen Szenarien durchspielt, wo Unwetter zu ausserordentliche Lagen geführt hätten. Übungshalber seien Hilfegesuche der zivilen Behörden eingegangen. Im Raum Zürich wurde diese Woche denn auch an 12Schadensplätzen gearbeitet. Aesch war der einzige im Limmattal.

Das Katastrophenhilfebataillon sei denn in der Lage, ausserordentliche Situationen zu bewältigen, zum Beispiel Naturkatastrophen und Ähnliches, erklärt der Oberstleutnant. Immer im Dienste der Zivilbevölkerung und stets nach Aufforderung durch zivile Behörden. «Wir bringen die Leistung. Die zivilen Stellen tragen die Hauptverantwortung», so Sennhauser.

So übernimmt denn auch die Gemeinde Aesch die Entsorgung. Das Eisen landet in der kommunalen Sammelstelle, der Beton wird von der Firma Hastag in Birmensdorf abgeführt und dort weiter verarbeitet.

Gemeinderat Roland Helfenberger lobt die Truppe: «Sie hat das sehr professionell gemacht. Sie hat gut rekognosziert und hat die besten Gerätschaften auf dem Platz. Die machen das gut.»

Oberstleutnant Sennhauser freut sich auch über die praxisnahe Zusammenarbeit zwischen Militär und zivilen Behörden, wie sie hier in Aesch offenbar gut funktioniert hat. So gut, dass Helfenberger die Truppe auf Gemeindekosten ins «Landhaus» zum Znüni einlud. Wo das Reservoir stand, wird man in wenigen Jahren nur noch Wald sehen, erklärt Helfenberger, der es wissen muss: Er ist im Zivilberuf Förster.

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