Kantonsschule
Wie Jugendliche sich mit Politik auseinandersetzen

Jugendliche und Politik, das passt nicht zusammen? Von wegen. Obwohl sie noch nicht wählen dürfen, verfolgen sie das politische Geschehen und bilden sich eine Meinung. Ein Gespräch mit sechs Jugendlichen.

Von Alex Rudolf
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Bei den Themen Wahlwerbung und politische Bildung gehen die Meinungen der sieben Kantonsschüler auseinander: Max, Sina, Nicola, Fiona, Nicolas, Leonie und Yara (v. l. n. r.)

Bei den Themen Wahlwerbung und politische Bildung gehen die Meinungen der sieben Kantonsschüler auseinander: Max, Sina, Nicola, Fiona, Nicolas, Leonie und Yara (v. l. n. r.)

Alex Spichale

Ihr seid 17 Jahre alt, könnt also noch nicht wählen. Für welche politischen Themen begeistert ihr euch trotzdem?

Sina : Ich halte die Bildungspolitik für ein wichtiges Thema, weil wir Kantonsschüler unmittelbar davon betroffen sind. Als Erwachsener hat man den Bezug zu Ausbildungsthemen wohl ein wenig verloren.

Nicolas : Im Fokus der Öffentlichkeit stehen derzeit die Flüchtlingsproblematik und die Energiewende. Diese Themen sind auch für uns relevant. Bildung ist zwar wichtig, aber derzeit nicht zentral.

Sprecht ihr mit euren Kollegen und Klassenkameraden oft über politische Themen?

Yara: Gibt es einen aktuellen Anlass, oder regt man sich über etwa auf, dann kommt es schon vor. Ein grosses Thema ist die Politik in meinem Freundeskreis jedoch nicht.

Welche Themen regen euch denn speziell auf?

Max: Themen, bei denen die Meinungen auseinandergehen, haben Potenzial für gute Diskussionen.

Nicola: Da kann ich Max nur zustimmen. In der Politik geht es darum, Konflikte zu lösen. Verschiedene Meinungen sollen abgewogen und diskutiert werden.

Fiona: Ich finde Politik spannend, wenn sie unmittelbar etwas mit Menschen zu tun hat. Wirtschaftsthemen interessieren mich weniger.

Leonie: Direkte Betroffenheit ist ein gutes Stichwort. Obwohl ich noch nicht abstimmen und wählen darf, interessiert mich die AHV. Gerade für unsere Generation gibt es in diesem Bereich offene Fragen, für die wir uns interessieren sollten.

Nicola: Ja. Wir wissen nicht, ob unsere Rente dann zum Leben reicht. Es ist schade, dass nicht mehr Junge in der Politik vertreten sind. Die Entscheidungsträger sind oft jene, welche die Konsequenzen ihrer Politik nicht mehr betrifft.

Die Classe politique braucht also eine Verjüngungskur. Was würdet ihr in der Schweizer Politik sonst noch ändern?

Sina: Bei der Podiumsdiskussion von vorhin haben die Teilnehmer teilweise aneinander vorbeigeredet. Wenn aber mal vom selben gesprochen wurde, nahmen die politischen Gegner die Argumente der anderen nicht wirklich ernst. Das bringt niemanden weiter.

Nicola: Genau. Ich glaube, dass sich die Linken und die Rechten gar nicht recht zuhören.

Yara: Mir ist es wichtig, dass politische Argumente durch Fakten belegbar sind. Das Festlegen auf das klassische links-rechts Schema muss nicht sein. Auch sollte man sich respektvoll behandeln.

Die Schweizer Politiker haben untereinander also keinen respektlosen Umgang?

Max : Im Vergleich zu anderen Staaten, in deren Parlamenten fast nur gestritten wird, hat die Schweizer Politik eine gute Kultur entwickelt. Ich interessiere mich stark für die US-Politik und dort geht es kaum noch um Inhalte.

Wahlkampf nach amerikanischem Vorbild ist ein gutes Stichwort. So wird in der Schweiz auch zunehmend die Partei gehört, die am lautesten brüllt. Was haltet ihr von den derzeitigen Kampagnen?

Nicolas: Wähler müssen ein wenig aus der Reserve gelockt werden. Als Partei geht es ja darum, Aufmerksamkeit zu erhalten. Auch könnte ich mir vorstellen, dass extremen Kampagnen wie beispielsweise die schwarzen Schafe der SVP, Bürger zur Meinungsbildung animieren.

Fiona: Ich finde es nicht in Ordnung, dass Parteien unterschiedlich grosse Budgets für Wahlwerbung haben. Eine Partei mit viel Geld ist präsenter als eine mit wenig. Das ist für mich keine redliche Demokratie.

Leonie: Mich stört, dass man zu sehr mit den Ängsten der Menschen spielt. Viele Parteien betreiben Angstmache, ohne dabei konkrete Lösungen anzubieten.

Yara: Stimmt. Dabei stören mich Plakate nur selten. Aber dass Parteien nun auch Lieder machen und mit denen in den Charts landen, das regt mich auf. Das hat für mich nichts mehr mit Politik zu tun.

Max: Abstimmungs- oder Wahlwerbung sollte ohnehin verboten werden. Die Informationen des Bundes im Abstimmungsbüchlein reichen doch völlig aus.

Nicola: Max, die Stimmbeteiligung ist schon heute im Keller. Würde nur noch der Staat über die Abstimmungen und Wahlen informieren, dann würden wohl noch weniger Menschen an die Urne gehen.

Fiona: Vielleicht. Aber wäre Staatskunde schon früher in der Schule ein Pflichtfach, wären die Menschen auch nicht auf Wahlwerbung angewiesen, um sich eine Meinung zu bilden.

Sind die anderen auch dieser Meinung?

Nicola: Nein.

Warum nicht?

Nicola : Als Jugendlicher ist man noch viel emotionaler und lässt sich eher von Propaganda beeinflussen. Dass man erst politisiert wird, wenn man sich auch seine eigene Meinung bilden kann, finde ich gut.

Wo wurde euer Interesse für die Politik geweckt? Zu Hause? Auf dem Pausenplatz? Durch Kollegen?

Max: Ich bespreche politische Themen in der Regel beim Nachtessen mit meiner Familie.

Leonie: Bei mir war das gleich. Ich glaube, das ist bei den Meisten von uns der Fall.

Angenommen ihr könntet bei den National- und Ständeratswahlen am 18. Oktober euren Stimmzettel in die Urne werfen. Wisst ihr, welche Parteien oder Personen ihr wählen würdet?

Max: Nein. Ich finde mehrere Parteien gut.

Leonie: Im Unterricht haben wir unser Wählerprofil online erstellt. Dadurch erhielten wir eine Wahlempfehlung. Wenn ich abstimmen und wählen darf, werde ich sicherlich auf diese Tools zurückgreifen.

Yara: Ich identifiziere mich stark mit einer Partei. Zwar pflichte ich nicht allen Parolen bei, doch genug, um ihr meine Stimme zu geben.